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04.10.2012

Altes Bierdepot wird Kulturzentrum

Damit in diesen Räumen Kultur stattfinden kann, müssen die jungen Erwachsenen noch einen grossen Effort leisten. zvg

Damit in diesen Räumen Kultur stattfinden kann, müssen die jungen Erwachsenen noch einen grossen Effort leisten. zvg

THUN • Die Stadt Thun stellt jungen Erwachsenen Raum für nicht kommerzielle Kultur zur Verfügung. Die Stadt erfüllt damit eine langjährige Forderung des Kollektivs «A-Perron» und anderer Jugendlicher.

Fabian Christl

Der Gemeinderat hat entschieden, im Sinne eines einjährigen Testbetriebes jungen Erwachsenen Räume für nicht kommerzielle Aktivitäten zur Verfügung zu stellen. Im ehemaligen Bierdepot Feldschlösschen an der Seestras-se 20 könnten ab Januar 2013 Vorträge, Theater- und Filmvorführungen, Konzerte und andere Events stattfinden. 

Damit erfüllt die Stadt eine langjährige Forderung des Kollektivs «A-Perron». Die Aktivistinnen und Aktivisten haben bereits mit zahlreichen Aktionen – legalen und illegalen – ihr Anliegen untermauert. So haben sie etwa das ehemalige Kino Rex kurzzeitig besetzt und farbige Vogelhäuschen in der ganzen Stadt aufgestellt. 

Der Wunsch nach Räumlichkeiten, in denen junge Erwachsene Ideen entwickeln und umsetzen können, scheint in Thun breit verankert. Auch am Jugend-Zukunftstag haben zahlreiche Besucherinnen und Besucher dieses Anliegen formuliert. Das Kulturzentrum soll gemäss der Stadt deshalb nicht allein von «A-Perron» verwaltet werden, sondern von einem neu gegründeten Verein, in dem auch andere Jugendliche Einsitz nehmen können.

Breit abgestützt

Nicht nur Jugendliche, sondern auch Politikerinnen und Politiker haben sich für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum eingesetzt. Franz Schori, Parteipräsident SP Thun, hat im April diesen Jahres zusammen mit Andrea de Meuron (Grüne), Susanna Ernst (BDP) und weiteren Mitunterzeichnenden eine Interpellation mit dem Ziel eingereicht, nicht kommerzielle Kultur zu fördern. Der SP-Politiker zeigt sich dementsprechend  zufrieden mit dem Entscheid des Gemeinderates: «Ich freue mich, dass die Stadt jetzt geeignete Räumlichkeiten gefunden hat; es ist eine grosse Chance für die Jugendlichen und für Thun.» Schori betont das Prozesshafte solcher Projekte: «Dadurch, dass sich die Jungen selber organisieren und gemeinsam etwas auf die Beine stellen, machen sie wichtige Entwicklungsschritte.» 

Überraschenderweise äussern sich selbst SVP-Politiker wohlwollend zum Vorhaben des Gemeinderates. «Grundsätzlich begrüssen wir den Entscheid», sagt Reto Schertenleib, Parteipräsident SVP Thun. Der Standort sei nicht schlecht und die Kosten würden sich wohl in Grenzen halten. Ausserdem sei es mit dem Wegfall des Selve-Areals positiv, wenn wieder neue Angebote entstünden. 

Der Rechtspolitiker äussert aber auch einige Bedenken: «Es ist wichtig, dass es nicht ausufert, dass es kontrolliert wird und dass man die Namen der involvierten Jugendlichen kennt.» Schliesslich sollen die Auflagen eingehalten und Gewalt, Lärm und Drogenkonsum so weit wie möglich unterbunden werden. «Wir wollen keine Zustände wie in der Berner Reitschule», betont Schertenleib. SP-Mann Schori teilt die Sorgen von Schertenleib nicht: «Das sind hochanständige junge Leute.» Er befürchtet eher, dass es sich um zu wenig Platz handelt. «Der Raum ist knapp bemessen für die vielfältigen Vorstellungen der engagierten Jugendlichen.» Das finden die Mitglieder des Kollektivs «A-Perron» selber auch: «Für einen Bandraum oder ein Atelier reicht der Platz nicht aus.» 

Dazu kommt, dass der Raum, der den jungen Erwachsenen eigentlich zur Verfügung steht, kleiner ist als ursprünglich kommuniziert. In der Medienmitteilung der Stadt Thun ist fälschlicherweise von drei Räumen mit einer Fläche von insgesamt 250 Quadratmetern die Rede. Laut Robert Rathmayr vom Amt für Stadtliegenschaften Thun handelt es sich aber bloss um zwei Räume mit 155 Quadratmeter Gesamtfläche. Die restlichen Räume der Liegenschaft sind an andere Parteien vermietet. Die Stadt Thun muss den gesamten Mietausfall – auch den Anteil der Post, die Miteigentümerin ist – selber decken.  

Einjährige Testphase

Der Betrieb soll Anfang 2013 versuchsweise während eines Jahres laufen. Danach würde eine gemeinsame Standortbestimmung des Gemeinderats mit dem Verein erfolgen und das weitere Vorgehen bestimmt.

Die strategische Leitung des Projektes liegt bei der Stadt, konkret bei Gemeinderätin Ursula Haller, Ansprechpartnerin für die operative Gesamtleitung ist die Fachstelle Kinder und Jugend des Amts für Bildung und Sport (ABS). Derzeit werden die Grundlagen für das Projekt erarbeitet.