21.10.2014

Asylbewerber feiern Kantersieg über Politiker

Sie spielten für Fairness, Toleranz und Offenheit: Politiker und Politikerinnen aus Thun und Asylsuchende aus Eritrea.

Sie spielten für Fairness, Toleranz und Offenheit: Politiker und Politikerinnen aus Thun und Asylsuchende aus Eritrea.

THUN • Politiker und Asylsuchende in freundschaftlichem Wettstreit: Auf dem Kunstrasenplatz Lachen haben sich Mannschaften unterschiedlicher Herkunft und Couleur zum Fussballspiel getroffen. Mit 8:4 feierten die Eritreer einen Kantersieg.

dv

Am Sonntag trugen Thuner Politiker und Politikerinnen gegen Bewohner des Asylzentrums Allmendingen ein Fussballspiel aus für Offenheit, Fairplay und gegenseitiges Verständnis. Der Match fand auf dem Kunstrasenplatz im Stadion Lachen statt. Organisatorin Alice Kropf, SP-Stadträtin und SP-Vizepräsidentin, zieht eine positive Bilanz: «Die Stimmung war bestens, das fussballerische Niveau erstaunlich hoch und alle Beteiligten hatten grossen Spass.» Die «sehr engagierten» Eritreer gingen mit 8:4 als deutliche Sieger vom Feld.

Das Zusammentreffen war zwar nicht ganz frei von Hintergedanken, befinden sich doch die Thuner Parteien gegenwärtig im Wahlfieber und das Thema Asyl ist von der politischen Agenda nicht wegzudenken. In der Medienmitteilung heisst es dazu: «Um die Sensibilität der Politiker und Politikerinnen zu erhöhen sowie auch dank medialer Positivnachrichten das Verständnis der Bevölkerung zu wecken...» Das Ziel dieses Anlasses sei es, die völkerverbindenden Qualitäten des Fussballs zu erleben sowie für Toleranz, Offenheit und gegenseitigen Respekt einzustehen. Auf Seite der Politik standen Frauen und Männer folgender Parteien auf dem Feld: SP, EVP, Grüne, EDU, BDP, CVP. Dem Wettkampf fern blieben hingegen Mitglieder von SVP, FDP und GLP.

Das Team der Asylsuchenden bestand ausschliesslich aus Männern aus Eritrea. Als deren Trainerin fungierte BDP-Gemeinde- und Nationalrätin Ursula Haller, unterstützt durch Heinz Rindlisbacher (ehemaliger Trainer FC Allmendingen). Das politische Team betreute das Trainerduo Sergon Chamoun (Box-Trainer und ehemaliger Spieler FC Luzern) und Luca Porfido (ehemaliger Spieler FC Thun).

Schliessung trotz Notlage

Das Durchgangszentrum Allmendingen ist seit Juni 2013 in Betrieb; zurzeit sind sämtliche 140 Plätze belegt. Der Thuner Stadtrat hatte sich 2013 aufgrund eines SVP-Vorstosses bereits mit dem Zentrum befasst; morgen Donnerstag steht ein Vorstoss der BDP zur Debatte: In einer dringlichen Interpellation verlangt die BDP die Prüfung des allfälligen Weiterbetriebs der Unterkunft. Denn das Zentrum wird vertragsgemäss Ende Jahr geschlossen, «obwohl der Betrieb bestens funktioniert und es keine nennenswerten Zwischenfälle gab». Der Gemeinderat bestätigt dies: «Im Gros-sen und Ganzen verläuft der Zentrumsbetrieb ohne grössere Probleme und nur mit wenigen Reklamationen seitens der Bevölkerung. Von der eingerichteten Hotline machten die Anwohner bisher nur selten Gebrauch.» Der Kanton will das Zentrum Ende Jahr schliessen – trotz Notlage bei der Unterbringung.