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13.06.2017

Zufallsentscheid für den Status Quo

Zurück an den Start: Die Sekundarschule Linden bleibt nun doch im Dorf.

Zurück an den Start: Die Sekundarschule Linden bleibt nun doch im Dorf.

Linden • Die Gemeindeversammlung spricht sich hauchdünn dagegen aus, die Sekundarschule zurück in die Gemeinde zu holen. Damit kippt sie den eigenen Entscheid vom letzten Jahr.

Sebastian Meier

Wenn in einer 1300-Seelen-Gemeinde fast 300 Personen an eine Gemeindeversammlung kommen, verspricht zumindest ein Traktandum grosse Spannung. Genau so war es am 7. Juni in Linden, wo die Versammlung bereits im Vorfeld vom Gasthof in die Mehrzweckhalle verschoben worden war. Konkret ging es um die Rückführung der 2011 nach Oberdiessbach ausgelagerten Sekundarschulklassen. Der Gemeinderat sprach sich dafür aus, die Kooperation mit der Nachbargemeinde zu beenden und im heimischen Schulhaus wieder alle Schulstufen anzubieten. 

Die Gemeindeversammlung machte diesen Plänen nun einen Strich durch die Rechnung. Mit einer einzigen Stimme Unterschied sprach sich der Souverän dagegen aus, den 7. bis 9. Klässlern den Schulweg zu verkürzen. Zwei Personen enhielten sich der Stimme.

Erster Volksentscheid: ungültig

Somit fiel der Entscheid sogar noch knapper aus als bei der ersten Traktandierung des Geschäftes vor fast genau einem Jahr. Damals sprach sich die Gemeindeversammlung nach einer hitzigen Debatte in einer geheimen Abstimmung mit einer hauchdünnen Mehrheit von fünf Stimmen dafür aus, die Sekundarschule nach Linden zurückzuholen. Ungeachtet der winzigen Mehrheit machte der Gemeinderat noch vor Ablauf der Beschwerdefrist Nägel mit Köpfen und kündigte kurzerhand den Vertrag mit Oberdiessbach. 

Dies erwies sich aber als voreilig: 99 Einwohnerinnen und Einwohner wandten sich fristgerecht mit einer Beschwerde ans Regierungsstatthalteramt. Die Lindener Gruppe machte eine ganze Reihe von Verfahrensfehlern geltend – und erhielt Ende September in einigen Punkten Recht. Konkret soll der Gemeinderat im Rahmen der damaligen Gemeindeversammlung irreführend informiert haben. Der Regierungsstatthalter erklärte den Volksentscheid in der Folge als ungültig –auch weil bereits damals der Sinneswandel von drei Personen gereicht hätte, um das Resultat umzukehren.

Saubere Arbeit für die Schublade

Inzwischen hat der Gemeinderat von Linden die Verfahrensfehler ausgebügelt und insbesondere die Übergangsphase mit der Gemeinde Oberdiessbach sauber geregelt. Nun ist das Resultat aber quasi in zweiter Lesung tatsächlich gekippt und das detaillierte «Reglement zur Aufgabenübertragung» wandert in die Schublade. 

Alles bleibt beim Alten

Vor allem in Oberdiessbach dürfte diese Nachricht mit einer gewissen Genugtuung entgegengenommen werden. Wegen der Unsicherheit um die Zukunft der Schulkooperation mit Linden standen dort auch Stellen von Lehrpersonen auf dem Spiel. Auch beim Abbruch der Schulraumplanung verwies der Gemeinderat damals (unter anderem) auf die wegfallenden Schülerinnen und Schüler aus der Nachbargemeinde. 

In Linden lässt man das Thema nach dem Zufallsentscheid von letzter Woche definitiv ruhen. Der Gemeinderat bestätigt gegenüber dem «Thuner Tagblatt», dass vorläufig keine weiteren Massnahmen geplant sind.