13.06.2017

Volk entscheidet über strittige Strasse

Diese Unterführung ist zu eng für den Lastwagenverkehr. Nun will die Gemeinde im Zusammenhang mit der Entlastungsstrasse auf der Höhe Rossboden eine neue, grössere bauen.

Diese Unterführung ist zu eng für den Lastwagenverkehr. Nun will die Gemeinde im Zusammenhang mit der Entlastungsstrasse auf der Höhe Rossboden eine neue, grössere bauen.

Münsingen • Am 24. September entscheiden die Stimmenden über die Investition der Gemeinde zum Bau der Entlastungsstrasse. Ein umstrittenes Vorhaben mit offenen Fragen.

dv

Erwartungsgemäss hat das Münsinger Parlament dem Baukredit für die Entlastungsstrasse Nord zugestimmt, gab es doch im August 2015 selbst den Auftrag zur Projektierung. Zudem ist die Strasse Teil des Agglomerationsprogramms der dritten Generation Region Bern-Mittelland und dem Kanton Bern und soll Bundesmittel auslösen.

Das Parlament stellte auch gleich die Weichen für die Linienführung: Es befürwortet die vom Gemeinderat favorisierte, teurere Variante durchs wertvolle Kulturland des Rossbodens. Den Investitionskredit von 6,5 Mio. Franken, der dem Anteil der Gemeinde entspricht, hiess es mehrheitlich gut. Ob der Bund denn auch tatsächlich zahlt, ist so offen wie weitere Fragen im Zusammenhang mit dem Strassenprojekt. Die Kredite für die Landerwerbe und die Bauausführung in der Grössenordnung von 5,35 Mio. Franken dürfen laut der Mitteilung der Gemeinde erst ausgelöst werden, wenn die Leistungsvereinbarung zum Agglomerationsprogramm mit dem Bund und Kanton unterzeichnet ist. Auch die Kredite für die Erstellung des Strassenplans und die weitere Planung mit Kosten von 1,15 Mio. Franken könnten erst gesprochen werden, wenn das gültige Resultat der Urnenabstimmung vorliege. Die Abstimmung findet am 24. September statt. Die Investitionskosten will die Gemeinde Münsingen zur Hälfte der Spezialfinanzierung Mehrwertabschöpfung belasten.

SP und Grüne sind dagegen

Die Standpunkte der Parteien bei der Parlamentsdebatte entsprachen etwa jenen der Mitwirkung: Gegner sind Grüne und SP, wobei in den Fraktionen nicht alle Mitglieder geschlossen Nein stimmten. Laut Parlamentsbericht der «Berner Zeitung» gab es Abweichler. Bei den Grünen offenbarte sich das Dilemma nach dem Rücktritt ihres Mitglieds Christoph Maurer aus dem Gemeinderat: Der Gärtnermeister wollte das Stras­senprojekt im Gegensatz zu seinem Parteikollegen und Gemeindepräsidenten Beat Moser nicht mittragen. Bürgerliche und Mitte befürworten das Projekt mehrheitlich. SP und Grüne versprechen sich von der raschen Sanierung der Ortsdurchfahrt durch den Kanton eine Entschärfung des Verkehrsproblems. Bei der Interessengemeinschaft Rossboden, die das wertvolle Landschaftsgebiet nördlich der Bahngleise schützen will und eine alternative Strassenführung vorschlägt, dürfte der Entscheid keine Freude ausgelöst haben. Vehementer Promotor ist FDP-Gemeinderat Andreas Kägi. Im Interview mit dem «Berner Landboten» wies er auf die Vorteile hin: «Mit der Sanierung der Ortsdurchfahrt wird kein einziges Auto weniger durchs Ortszentrum fahren. Das grosse Problem ist die Verkehrsdichte im Zentrum mit 18?000 bis 20?000 Autos pro Tag. Mit der Entlastungsstrasse Nord bietet sich die Möglichkeit einer Entflechtung. Wir können mit dieser Lösung das Zentrum um einen Drittel des Verkehrsvolumens entlasten.»