13.06.2017

Gemeinderat will letzte Weglücke am Ufer schliessen

Ein zusätzlicher Steg am Kanal als Wegverbindung würde nach Ansicht der BLS den Schiffsverkehr einschränken.

Ein zusätzlicher Steg am Kanal als Wegverbindung würde nach Ansicht der BLS den Schiffsverkehr einschränken.

Thun • An seiner nächsten Sitzung befasst sich der Stadtrat erneut mit dem Dauerthema Uferweg: Die Wegführung zwischen Schadau und Lachen über einen Steg erweist sich als nicht umsetzbar – Landschafts- und Vogelschutz gehen vor.

dv

Wie nah am Wasser beziehungsweise wie «echt» muss ein Uferweg sein, damit er den Vorgaben des See- und Flussufergesetzes entspricht? 1982 fällten die Stimmenden in der Schweiz einen Entscheid, der auch heute noch Gerichte, Fachstellen und Politik beschäftigt. So auch in Thun: An der Sitzung vom 29. Juni steht ein Verpflichtungskredit von 900?000 Franken für die Ausführung des Uferwegabschnitts Schadau-Lachen auf der Traktandenliste des Stadtparlaments. 

Dieses befasst sich nicht zum ersten Mal damit: Vor Jahresfrist verlangte es eine Variantenabklärung zum besagten Abschnitt – gewissermassen in letzter Minute. Denn gleichzeitig lag der Kreditantrag des Gemeinderats zur Ausführung des bereits bewilligten Projekts mit Kosten von 920?000 Franken vor. Die entsprechende Zusatzabklärung in Form eines Postulats unter dem Titel «Ein echter Uferweg im Gebiet Schadau-Lachen –

für Thun die Stadt am Wasser» hatten Grüne, BDP, SVP und FDP eingereicht. Ihnen schwebte als Variante der Bau eines Stegs vor – eine «einmalige Gelegenheit» zur Verwirklichung des Jahrhundertprojekts.

Das ursprüngliche Projekt ist baureif

Der Gemeinderat kommt aufgrund von Rückmeldungen verschiedener Fachstellen und Betroffener zum Schluss, eine Stegvariante sei nicht umsetzbar; deshalb legt er nun erneut das ursprüngliche Kreditgeschäft vor. Mit einem kleinen Unterschied: Auf ein Kunstprojekt wird verzichtet, was eine Einsparung von 20?000 Franken ausmacht. Von den Gesamtkosten von 900?000 Franken trägt der Kanton mit 540?000 Franken aus dem Fonds des See- und Flussufergesetzes mit 60 Prozent die Hauptlast. Das Projekt ist baureif: Mit allen direkt betroffenen Grundeigentümern liegen Vereinbarungen vor; die Bauarbeiten können bereits diesen Herbst starten.

Der Gemeinderat könnte eines seiner wichtigsten Legislaturziele zur Stärkung der «Stadt am Wasser» verwirklichen, nämlich die Vollendung des durchgehenden Uferwegs zwischen Bahnhof und Lachen. Den wesentlichen Bestandteil konnte die Stadt im September 2011 in Betrieb nehmen, den Abschnitt Bahnhof bis Schadau. Im Anschluss an den Schadaupark Richtung Gwatt fehlt jedoch bislang die seenahe Weiterführung.

Nun kann Thun die fehlende Lücke auf Gemeindegebiet vom Bahnhof via Schadaupark, Lachen, Campingplatz, Bonstettenpark bis an die Gemeindegrenze im Gwatt schliessen und leistet somit «einen wesentlichen Beitrag zur Erschliessung der einzigartigen Uferlandschaft als Naherholungsgebiet der Stadt und Tourismusregion Thun», schreibt der Gemeinderat erfreut.

Fachstellen äusserten Bedenken

Das Landschaftsarchitekturbüro Daniel Möri & Partner AG hatte die Variantenabklärungen ausgeführt. Die Prüfung der geforderten Wegführung auf Basis des in den See gebauten 465 Meter langen Metall-/Holz-Stegs erfolgte durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung unter Beizug von Fachstellen. Das Stegprojekt käme in den Einflussbereich geschützter oder schützenswerter Lebensräume zu liegen. Fischereiinspektorat, Jagdinspektorat, Denkmalpflege, Archäologischer Dienst, Tiefbauamt Oberingenieurkreis I, Tiefbauamt Dienstleistungszentrum Wasserbau, Amt für Wasser und Abfall des Kantons, Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt, Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) und BLS-Schifffahrt nahmen Stellung – vorwiegend negativ. Für die erheblichen Mehrkosten, insbesondere den Unterhalt, müsste die Stadt selber aufkommen. Die BLS warnte vor Einschränkungen der Schiffbarkeit des Lachenkanals bis zum Trockendock. Die Durchfahrtsbreite des Kanals würde durch den Bau des Stegs reduziert.