11.07.2017

Altes Gemäuer zeugt vom Niedergang des Territoriums

Das Haus an der Oberdorfstrasse 32 hat eine bewegte Geschichte. Es soll auch weiterhin ein wichtiger Publikumsort bleiben.

Das Haus an der Oberdorfstrasse 32 hat eine bewegte Geschichte. Es soll auch weiterhin ein wichtiger Publikumsort bleiben.

Steffisburg • Das Landhaus Steffisburg war Sitz eines Territorialverbands, der 1872 seine Berechtigung verlor und aufgelöst wurde. Fachstellen des Kantons haben das Baudenkmal untersucht und stiessen dabei auf die Geschichte einer Region.

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Das 1543 erbaute Landhaus war Taverne sowie Gerichtsgebäude und somit einer der wichtigsten Publikumsorte der Gemeinde Steffisburg. In den letzten Monaten haben die Denkmalpflege und der Archäologische Dienst des Kantons Bern dort umfangreiche bauhistorische Untersuchungen durchgeführt. Die Erkenntnisse sind unmittelbar in das Bauprojekt für die Umnutzung, Sanierung und Restaurierung der Liegenschaft eingeflossen. Im August soll der umfassende Umbau des historischen Objekts starten; die Landhaus Steffisburg AG, eine Tochter der AEK Bank, und die Gemeinde wollen das Haus künftig als Gesundheitszentrum nutzen.

Im Landhaus, das sich nach aussen als biedermeierlicher Stock präsentiert, stiessen die Baufachleute auf grössere Teile des Kernbaus von 1543 samt Dachstuhl. Die anstehenden baulichen Veränderungen am Haus boten den kantonalen Fachstellen die Chance für bauhistorische Untersuchungen. Das Gebäude war einst Sitz eines Territorialverbands, der das gesamte Zulgtal von Heimberg bis ins Eriz und von Goldiwil bis Brenzikofen und Herbligen umfasste und 1872 aufgelöst wurde. Das Freigericht Steffisburg nutzte es als Gerichtsgebäude, die Landschaft Steffisburg als Gemeindehaus.

Mehrzweckbau für Obrigkeit und Volk

Das unterkellerte Gebäude war mehrmals umgebaut beziehungsweise den sich verändernden Bedürfnissen angepasst worden. Im Erdgeschoss gab es Stallungen. 1762 erfolgte der Einbau eines hohen Gewölbekellers zur Lagerung einheimischen Weins. Im ersten und zweiten Stock verfügte das Landhaus über eine Wirtsstube, Gerichtsstube, Küche und Kammern. 

Einen tiefgreifenden Eingriff erfuhr das Haus 1843: Im zweiten Obergeschoss entstanden ein Tanzsaal und fünf Gästezimmer. Die Neufassadierung verwandelte das altertümliche Haus in einen Biedermeierstock. Grundstruktur und Dachstuhl blieben jedoch erhalten. 1876/78 liess der private Eigentümer, der das Haus nach Auflösung des Territorialverbands erworben hatte, nordseitig einen Saal anbauen. Erst 1931 wurde dieser mit einer Bühne ausgerüstet. 1951 wurde das Erdgeschoss ausgekernt, der Keller ausgehoben und betoniert; es gab eine neue Gaststube mit Säli.

Nun erfährt der historische Mehrzweckbau abermals eine neue Bestimmung: Geplant ist ein medizinisches Zentrum mit Spitex und Therapieangeboten; im Dachgeschoss soll es eine Loftwohnung geben. An der Betriebsgesellschaft Medi-Zentrum AG ist nebst einem Ärzteteam auch die Gemeinde beteiligt. Das Steffisburger Parlament bewilligte im August letzten Jahres die Beteiligung. Die Betriebsaufnahme ist für 2019 geplant.