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11.07.2017

Warme Farben als Ausdruck von Sonne, Luft und Licht

Diese alte Postkarte des Strandbads aus den 1950er-Jahren dokumentiert die ursprüngliche Farbgebung.

Diese alte Postkarte des Strandbads aus den 1950er-Jahren dokumentiert die ursprüngliche Farbgebung.

Thun • Die Farbe des Strandbad-Hauptgebäudes beschäftigt Politik und Denkmalpflege: Vorerst verpasst die Stadt dem Bau einen ockergelben Probeanstrich. Danach möchte sie das Gebäude äusserlich in seinen Originalzustand zurückversetzen.

pd

Im Hinblick auf die Gesamtsanierung des Strandbads haben Untersuchungen gezeigt, dass das Hauptgebäude ursprünglich ockergelb war. Das Planerteam und die kantonale Denkmalpflege raten der Stadt nun zum Original-Farbkonzept. Probehalber will die Direktion Bau und Liegenschaften den Bau in einem Musterbereich in den ursprünglichen Farbtönen anstreichen. Im September 2017 entscheidet die Stadt definitiv über die künftige Farbe.

Das heutige Blau-Weiss des denkmalgeschützten Hauptgebäudes im Thuner Strandbad entspricht nicht der Originalfarbe. Dies zeigen Untersuchungen der alten Bausubstanz, die der Restaurator Roger Tinguely im Rahmen der Planung der Gesamtsanierung durchgeführt hat: Der Architekt Jacques Wipf liess das Gebäude im Jahr 1933 in bunteren, warmen Farben streichen – die Fassade war in einem hellen Ockergelb gehalten, die Metall- und Holzteile waren dunkelrot, die Zwischengänge lindengrün. Auf alten Postkarten sind die Farbtöne noch erkennbar. Der Stadt Thun sind bislang zwei alte Postkarten aus Privatsammlungen bekannt, auf denen die ursprüngliche Farbgebung noch schwach ersichtlich ist. Sie sucht weitere Dokumente. Wann der «Strämu» diese neue Farbe erhielt, bleibt unklar.

Mut zur Farbe

Stefan Moser, Bauberater bei der Denkmalpflege des Kantons Bern, bestätigt den historischen Zusammenhang: «Gebäude der Moderne der 1930er-Jahre waren eben oft nicht weiss, sondern durchaus farbig. Es besteht nun die einmalige Chance, im Rahmen der Gesamtsanierung die ansprechende ursprüngliche Farbgebung wieder herzustellen. Erste Rückmeldungen waren durchwegs positiv.» Die Denkmalpflege habe mit ähnlichen Fällen bisher gute Erfahrungen gemacht.

Das vollständige Umstreichen in der neuen Farbgebung würde die Stadt etwas mehr kosten als die Erneuerung des bestehenden Fassadenanstrichs. Die Stadt dürfte jedoch in diesem Fall mit Subventionen der Denkmalpflege rechnen.

Das Amt für Stadtliegenschaften der Stadt Thun unterstützt die Empfehlung: Die ursprüngliche Farbgebung sei «Ausdruck von Sonne, Luft und Licht» und sei damals akzeptiert gewesen, so Gemeinderat Konrad Hädener, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften. Um die Wirkung der Farbgebung besser beurteilen zu können, streicht die Stadt im Juli in einem repräsentativen Bereich Musterflächen.

Eine Informationstafel auf der Nordseite des Haupttrakts wird diese Farbgebung im Ursprungszustand erläutern. Die Nutzerinnen und Nutzer des Strandbads können sich so vor Ort selber ein Bild machen. Eine weitere Tafel beim Haupteingang informiert zudem über die geplanten Baumassnahmen der Gesamtsanierung. Mitte September 2017 entscheiden die Verantwortlichen der Gesamtsanierung definitiv über die künftige Farbgebung des Haupttrakts.

Das bunte Badehaus

Unweit des Strandbads Thun, am Pfaffenbühlweg 46, baute derselbe Architekt, Jacques Wipf, das Badehaus, das ebenfalls in satten, bunten Farbtönen gehalten ist. Der bernische Heimatschutz zeichnete die gelungene Restaurierung kürzlich mit dem diesjährigen Denkmalpreis aus.