05.09.2017

Kommt die Buslinie Thun-Belpmoos?

Eine neue Buslinie soll das Tor zur Welt näher ans Berner Oberland holen.

Eine neue Buslinie soll das Tor zur Welt näher ans Berner Oberland holen.

Grosser Rat • Ein Vorstoss im Kantonsparlament fordert eine direkte Anbindung des Oberlandes an den Flughafen Bern-Belp. Der Regierungsrat ist von der Idee gar nicht begeistert.

sem

Die Idee tönt bestechend: Zwei- bis dreimal täglich soll ein Bus das Oberland mit dem Flughafen Bern-Belp verbinden. Die Reisezeit zwischen Interlaken und dem Tor zur Welt könnte so fast halbiert werden. Für die meisten Tourismusdestinationen müssten die Gäste nur noch einmal umsteigen. Angeschlossen würden zudem auch Spiez (mit Anschluss an den «Lötschberger») und Thun, wo der Flughafenbus bei der Station Thun-Gwatt Deltapark anhalten könnte. 

Support über Parteigrenzen hinweg

Alle würden gewinnen: Das Oberland wäre für Gäste aus aller Welt noch schneller erreichbar, die regionale Wertschöpfung würde steigen, der Flughafen Bern-Belp könnte gegenüber seinen grossen Brüdern in Basel, Genf und Zürich etwas Boden gutmachen und die Regionen Bern und Thun würden vom Privatverkehr der Ferienhungrigen entlastet. Die Idee stammt von drei Grossräten aus dem Oberland: Markus Wenger (EVP, Spiez), Raphael Lanz (SVP, Thun) und Urs Graf (SP, Interlaken). Ein entsprechendes dringliches Postulat wird im Kantonsparlament in der laufenden Session behandelt.

Die Chance, dass die Direktverbindung Belp–Thun bald kommt, ist allerdings relativ klein. Tatsächlich lässt der Regierungsrat in seiner schriftlichen Antwort auf den Vorstoss kein gutes Haar am Vorschlag aus dem Oberland. Zwar würdigt die Kantonsregierung die Rolle des Flughafens Bern-Belp für die kantonale Volkswirtschaft. Rund 200?000 Passagiere hätten das «Belpmoos» in den letzten Jahren als Start- oder Zielort für ihren Flug gewählt – davon etwa ein Viertel aus dem Oberland.

Zahlenspiele und Erfahrungswerte

Die nüchterne Feststellung wird aber vom Regierungsrat mit weiteren Zahlen relativiert. So könnten mit zwei bis drei Kursen pro Tag lediglich ein Bruchteil der täglichen Flüge mit einem nahtlosen Anschluss bedient werden. Die Kantonsregierung rechnet daher damit, dass durch das geforderte Angebot nur etwa ein Zehntel der Fluggäste auf den Bus umsteigen würde. Dies entspricht auf das Jahr gesehen rund 6000 Personen, 16 Fahrgästen pro Tag, oder 3 bis 4 Personen pro Kurs. Somit wäre die Linie zu schwach ausgelastet und daher «nicht zweckmässig».

Tatsächlich kann der Regierungsrat nicht nur mit theoretischen Zahlenspielen, sondern auch mit handfesten Erfahrungen argumentieren. Die heutige

Anbindung des Flughafens entstand aus den Erfahrungen eines Versuchsbetriebs in den Jahren 2009 bis 2012, der mit acht Kurspaaren den Bahnhof Bern direkt mit dem Flughafen verband. Die Busse wurden zwar von bis zu 30 Prozent der Flugpassagiere mit Zielort Bern benutzt, selbst diese kurze Direktverbindung zur Bundesstadt erwies sich aber als «nicht zweckmässig». Die Direktverbindung wurde eingestellt und mit einem erweiterten Angebot zum Bahnhof Belp ersetzt, wo auch Anschlüsse auf die S-Bahn Richtung Oberland bestehen.