31.10.2017

Wenn der Stromzähler rückwärts läuft

Die Solarpanels auf dem Schulzentrum Rebacker sind nur ein Steinchen im Mosaik der Münsinger Energiewende.

Die Solarpanels auf dem Schulzentrum Rebacker sind nur ein Steinchen im Mosaik der Münsinger Energiewende.

Münsingen • Vor gut einem Jahr hat das Parlament das Projekt «Energiezukunft Münsingen» zurückgewiesen. Nun wird eine überarbeitete Vorlage debattiert. Sie sieht unter anderem vor, dass Strom aus Eigenproduktion die Stromrechnung senkt.

Sebastian Meier

Seit Jahren macht die Gemeinde Münsingen vorwärts mit der vielzitierten Energiewende. Mit dem Projekt «Energiezukunft Münsingen» wollte der Gemeinderat den nächsten Schritt in eine nachhaltige Zukunft vollziehen. Konkret war vorgesehen, 1,5 Millionen Franken aus dem Topf der Mehrwertabschöpfung zu nehmen und in die energetische Sanierung von Gemeindeliegenschaften, neue Produktionsanlagen und ein Energiecoaching für Private zu investieren. 

Das Parlament stand dem Gemeinderat im März 2016 aber buchstäblich vor der Sonne. Es wies die Vorlage zurück und setzte eine Spezialkommission ein, welche das Projekt in neue Bahnen lenken sollte. Nun liegt das Resultat dieses Prozesses vor und wird am 7. November erneut im Parlament debattiert. Die Handlungsaufträge der Kommission an den Gemeinderat zielen nun deutlich stärker auf die Unterstützung privater Akteure, als auf eine Stärkung der öffentlichen Hand. Der bürokratische Aufwand soll kleingehalten werden; Hausbesitzerinnen und Mieter sollen am stärksten profitieren. 

Tue Sparsames und sprich darüber

Eine Forderung sticht aus dem Massnahmenfächer hervor: Das sogenannte Prosumer-Modell. Die Infrawerke Münsingen sollen den «rückwärtslaufenden Zähler» einführen, heisst es im Projektbeschrieb. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Die Energie von der eigenen Solaranlage auf dem Dach darf vom eigenen Konsum abgezogen werden. Bezahlt wird neben der Zählergebühr nur noch die Differenz zwischen eigenem Konsum und eigener Produktion. Gemäss Kommission könnten die Münsinger Stromzähler bereits bis nächsten Juni rückwärts laufen lernen.

Daneben soll die öffentliche Hand verstärkt als Partnerin von privaten Unternehmern, Investorinnen und Hauseigentümerschaften auftreten, neutral informieren, wo nötig koordinierend eingreifen oder finanziell fördern. Die Gelder sollen aber nicht aus der Mehrwertabschöpfung fliessen, sondern aus dem ordentlichen Budget. Einen Umbruch in der Münsinger Energiestrategie markiert dieser Auftrag allerdings nicht – im Grundsatz verankere dieser die bereits heute gelebte Energiepolitik, schreibt die Kommission.

Daneben wird auch ein Punkt aus dem ursprünglichen Vorschlag des Gemeinderates aufgenommen: Öffentliche Bauten sollen eine Vorbildfunktion übernehmen. In einem ersten Schritt soll eine Bestandsaufnahme angefertigt, in einem zweiten Schritt eine entsprechende Gebäudestrategie erarbeitet werden. Damit auch die Verwaltung keine unnötige Energie verschwendet, empfiehlt die Kommission, sich auf die Planung zu konzentrieren, nicht auf aufwändige Zertifizierungen. Im Gegenzug soll die ökologische Vorbildfunktion mit einer verstärkten Vermarktung der eigenen Vorzeigeprojekte propagiert werden. 

Hallendach auf der Überholspur

Ein konkretes Vorzeigeprojekt möchte die Kommission in der Investitionsplanung des Gemeinderates schleunigst auf die Überholspur befördern: Die angedachte Solaranlage auf der Sporthalle Schlossmatte soll nicht erst im Zuge der Hallensanierung im Jahr 2019, sondern bereits 2018 realisiert werden. Damit die Gemeinde nicht zur Stromproduzentin wird, sollen die Infrawerke den Bau übernehmen. Mit Einführung des Prosumer-Modells wäre die Anlage in kurzer Zeit amortisiert, schreibt die Kommission.