31.10.2017

«Zauberformel» steht vor einer Belastungsprobe

Uttigen • Seit Jahren bildet die linke SP und die rechte SVP in Uttigens Exekutive ein stabiles Gleichgewicht. Ob dies auch über die Wahlen vom 26. November hinaus so bleibt, ist aber fraglich.

Sebastian Meier

Ende November wird in Uttigen der Gemeinderat mitsamt dem Gemeindepräsidium neu bestellt. So richtig spannend waren die Wahlsonntage in Uttigen zuletzt aber nie: Die beiden Ortsparteien SVP und SP halten sich seit Jahr und Tag die Waage. Selbst das Gemeindepräsidium wechselt in der Regel durch einen Rücktritt aus freien Stücken und wechselt dann ins andere Lager. Die restlichen sechs Sitze im Gemeinderat werden brüderlich zwischen Links und Rechts aufgeteilt. Selbst die Sitze in den Kommissionen werden in der Regel zwischen SP und SVP halbiert. 

Im Gemeindepräsidium dürfte dieses «Gentlemen Agreement» auch heuer seine nahtlose Fortsetzung finden: Sofern keine überraschende Sprengkandidatur auftaucht, wechselt das Amt vom abtretenden Andreas Epprecht (SP) zu Markus Sterchi (SVP). Der pensionierte Sterchi kennt sich in der Uttiger Politik bestens aus – 2005 bis 2013 sass er bereits einmal im Gemeinderat. 

Sozialdemokratie mit Personalproblem

Spannend dürfte hingegen das Rennen um die restlichen sechs Sitze in der Exe­kutive werden. Tatsächlich könnte ein Personalengpass bei der SP dazu führen, dass die Uttiger Zauberformel gebrochen wird. Neben Gemeindepräsident Epprecht treten nämlich zwei weitere SP-Gemeinderäte aufgrund einer Amtszeitbeschränkung ab. Neben dem bisherigen Bildungsvorsteher Andreas Reber interessieren sich aber nur zwei neue Sozialdemokratinnen für ein Exekutivamt. Anders die SVP, welche mit einer Viererliste antritt: Neben den Bisherigen, Marcel Burkhard und Markus Schertenleib, haben sich zwei weitere Parteimitglieder für eine Kandidatur entschieden. 

Das Präsidialamt eingerechnet, tritt die SVP also mit fünf Namen an, die SP nur mit drei. Ein Blick auf die Kräfte­verhältnisse bei den nationalen Urnengängen lässt erahnen, dass die SVP der SP noch in diesem Jahr einen Sitz abluchsen könnte: Bei den Nationalratswahlen 2015 wählten 38,5 Prozent der Stimmberechtigten die SVP – nur 15 Prozent entschieden sich für die SP.

Person kommt vor Parteibuch

Schwarzmalen mag der scheidende SP-Gemeinderat Daniel Schenk deswegen aber nicht. Das stabile Gleichgewicht zwischen der eher rechts orientierten Landbevölkerung und den eher linken Pendlerinnen, Angestellten und Arbeitern sei über Jahrzehnte hinweg gewachsen. Dazu sei die Verankerung der Kandidierenden im Dorf bei den Wahlen deutlich wichtiger als das Parteibuch. Letzteres spiele in der täglichen Arbeit ohnehin eine untergeordnete Rolle, sagt Schenk. 

Das Zünglein an der Waage könnten die neu zugezogenen Uttigerinnen und Uttiger spielen, deren Gesinnung sich erst am Wahltag zeigen wird. Gut möglich ist auch, dass sich die Frage nach Kontinuität oder Umbruch zwischen den beiden jungen Frauen entscheidet, welche jeweils den letzten Listenplatz gefasst haben: Irene Plüss (SP) und Katjana Senn (SVP). Weil mit Karin Eggimann (SP) auch eine dritte Frau antritt, kann zumindest ein Resultat des Wahltages bereits vorweggenommen werden: Am 26. November werden mindestens zwei Frauen gewählt und eine reine Männerlegislatur ist beendet.