09.01.2018

Sportstrategie löst Sportleitbild ab

Bern positioniert sich als Sportkanton, zum Beispiel im Bereich Wintersport mit dem Volkslauf in Kandersteg.

Bern positioniert sich als Sportkanton, zum Beispiel im Bereich Wintersport mit dem Volkslauf in Kandersteg.

Regierungsrat • Der bernische Regierungsrat legt eine Strategie zur Stärkung des Sports vor. Diese enthält Visionen für den Breitensport, Leistungssport und Sport in der Bildung.

dv

Mit Handlungsfeldern und definierten Massnahmenpaketen will der Regierungsrat die Sport- und Bewegungsförderung im Kanton Bern stärken. Er hat dazu den Strategiebericht «Sport Kanton Bern» zuhanden des Grossen Rats für die Märzsession 2018 verabschiedet. Vorerst hat der Bericht keine direkten finanziellen Konsequenzen. Die Umsetzung einzelner Massnahmen müsste noch durch die entsprechenden Organe gutgeheissen werden.

Experten und Praktiker am Werk

Die Sportstrategie geht auf einen Auftrag der Polizei- und Militärdirektion von 2015 zurück. Sie löst das nicht mehr aktuelle kantonale Sportleitbild von 2004 ab und bildet die Grundlage für die Steuerung aller Anliegen des Kantons Bern betreffend Sport. Die Strategie umfasst die drei Teilprojekte «Sport für alle», «Leistungssport» sowie «Bildung und Sport». Querschnittsthemen wie Gesundheit, Sportwissenschaft oder Wirtschaft wurden in den Teilprojekten mitberücksichtigt.
Drei Arbeitsgruppen, koordiniert durch eine Gesamtprojektgruppe unter der Leitung des Amts für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär (BSM) und begleitet von zwei Projektsteuerungsausschüssen, erarbeitete die Strategie. Expertengruppen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung, Sportwissenschaft, Sport und Politik arbeiteten die Handlungsfelder und die entsprechenden Massnahmen aus.

Das Motto «der Sportkanton Bern BEwegt – BEgeistert – BEreichert!» definiert Bern als «Sportkanton». Der Regierungsrat ist sich bewusst, «dass Sport und Bewegung zur Lebensqualität des Menschen beitragen und einen wertvollen gesundheitsfördernden, erzieherischen, kulturellen, touristischen und wirtschaftlichen Beitrag für die Gesellschaft leisten».

Entsprechend soll der Kanton Bern mit zielgruppengerechten Angeboten und Massnahmen – sei es im organisierten oder im nicht-organisierten Sport, im Schul-, Freizeit-, Breiten- oder Leistungssport – eine Steigerung der Sport- und Bewegungsaktivität aller Menschen im Kanton Bern anstreben.

Sport als Allerheilmittel

Dies alles schreiben die Strategen dem Sport zu: Sport und Bewegung können den respektvollen Umgang mit Mitmenschen fördern und so zu sozialer Kohäsion und Integration in der Gesellschaft beitragen. Sport kann die soziale Inte­gration begünstigen, indem er Kontaktgelegenheiten sowie Erfahrungen von Gemeinschaftsgefühl, solidarischem Handeln und sozialem Engagement ermöglicht.
Weiter kann der gesellschaftliche Zusammenhalt durch Identifikation und Mitfiebern mit erfolgreichen heimischen Mannschaften und Sportlerinnen und Sportlern gestärkt werden. Zudem ist Sport bedeutender Wirtschaftsfaktor: Im Schweizer Sport werden gemäss Strategiebericht jährlich insgesamt 20,7 Mia. Franken umgesetzt; die Bruttowertschöpfung wird auf rund 10 Mia. Franken geschätzt. Sport sei auch im Kanton Bern wirtschaftlich bedeutungsvoll, so die Strategen weiter, denn er sichere viele Arbeitsplätze, insbesondere in den Bereichen Tourismus, Gastronomie, Einzelhandel, Erziehung und Unterricht, Gesundheitswesen, Dienstleistungen, Transport sowie Bau und Herstellung von Sportgeräten.

Vereine leben von Freiwilligenarbeit

Die Sportvereine gehören zu den wichtigsten Sportanbietern für Personen aller Altersstufen, die sich für ein regelmässiges angeleitetes Sporttreiben und für Wettkämpfe auf allen Leistungsniveaus interessieren. In ihrem Umfeld wird in hohem Masse Freiwilligenarbeit geleistet. Sie nehmen damit eine wichtige soziale und kulturelle Funktion in der Gesellschaft wahr. Die Mehrheit der Sporttreibenden übt ihre Sport- und Bewegungsaktivitäten nicht organisiert aus.

Im Kanton Bern sind 72 Prozent aller Sportvereine sogenannte Kleinvereine mit bis zu 100 Mitgliedern. 82 Prozent aller Vereine bieten nur eine Sportart an und der Frauenanteil der Aktivmitglieder liegt bei 30 Prozent. Der Sportfonds unterstützt Vereine und Verbände. Beiträge können für Bau und Instandsetzung von Sportanlagen, Sportförderung, Anschaffung von Sportmaterial und für sportliche Veranstaltungen sowie europäische Sportwettkämpfe beantragt werden.
Ausbildungsangebote zur Weiterentwicklung und Förderung von Vereinen und Verbänden gebe es aber nur wenige. Welche Ressourcen jedoch künftig für Pflege, Zusammenarbeit und Förderung der Partner nötig sind, lässt der Bericht offen.