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09.01.2018

Bypass Thun Nord steht Nagelprobe noch bevor

Das Gerät an der umgebauten Allmendstrasse in Thun liefert Daten für die Verkehrsplanung.

Das Gerät an der umgebauten Allmendstrasse in Thun liefert Daten für die Verkehrsplanung.

Stadtrat • Die Fraktion SVP/FDP steht dem geplanten Einbahnregime in der Thuner Innenstadt skeptisch gegenüber: In einer Interpellation wirft sie kritische Fragen auf und fordert allenfalls den Verzicht auf einschränkende Massnahmen.

dv

Die Thuner Verkehrspolitik bleibt noch einige Jahre ein Dauerthema: Der neue Bypass Nord, seit November letzten Jahres steht das Hauptbauwerk in Betrieb, ermöglicht die Umfahrung des Zentrums, Einbahnverkehr auf der Allmend- und Sinnebrücke und auf der Oberen Hauptgasse. Ziel ist es, die Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten und die Entwicklungsgebiete an der Peripherie besser zu erschlies­sen. In den letzten Jahren liess die Stadt diverse Verkehrsmassnahmen ausführen, was zeitweise erhebliche Behinderungen und Staus verursachte. Durch die Strassenbauprojekte sei der Verkehr in der Stadt zeitweise «fast vollständig zum Erliegen» gekommen, moniert die SVP/FDP-Fraktion in einem Vorstoss. Vor allem Anpassungen am Kreisel Gui­sanplatz behinderten den Verkehrsfluss massiv. Der Thuner Stadtrat wird sich an seiner ersten Sitzung des Jahres, am 19. Januar, mit dem Thema befassen.
Noch sind die baulichen Massnahmen, flankierend zum Bypass Nord, längstens nicht abgeschlossen. Weitere Baustellen im Strassenraum mit erheblichen Einschränkungen für die Verkehrsteilnehmenden stehen bevor. Die Plattform «Verkehrszukunft Thun» informiert über die hauptsächlichen Schritte: «Grosse Herausforderungen punkto Verkehrsumleitung stellen die Bauarbeiten am Berntorplatz dar, die in den Jahren 2018 und 2019 jeweils von Mitte April bis Mitte September ausgeführt werden», schreiben die Stadt Thun und der Kanton Bern als gemeinsame Bauherrschaft.

«Zusammenbrüche programmiert»

SVP-Stadtrat Philipp Deriaz hat den Vorstoss mitunterzeichnet. Den nächsten drei Jahren sieht der SVP-Präsident mit grosser Sorge entgegen: «Weitere Verkehrszusammenbrüche sind programmiert.» Erst nach Abschluss sämtlicher Massnahmen, also Ende 2021, werde das System funktionieren, sagt Deriaz. Noch gebe es derzeit in der Thuner Verkehrspolitik zu viele Unwägbarkeiten, da das Gesamtverkehrskonzept noch nicht vorliege. Laut Deriaz ist deshalb der Zeitpunkt gekommen, um auch Grundsätzliches wie die Einbahnregelung zu hinterfragen. Deriaz befürchtet, dass der motorisierte Individualverkehr in Thun – eine Folge der Städteinitiative der Grünen und Linken – zurückgedrängt wird.

Durchfahrt dauerte 45 Minuten

Die kurze Testphase zum Einbahnverkehr war nach Ansicht der Interpellanten alles andere als erfolgreich: «Für Privatpersonen und vor allem für das Gewerbe war die Situation teilweise sehr ärgerlich. Um vom rechten Seeufer durch die Stadt zu gelangen, brauchte man teilweise mehr als 45 Minuten.» Die Kritiker werfen der Stadt auch ungenügende Information im Vorfeld der Massnahmen sowie unterlassene Einbindung des öffentlichen Verkehrs vor.

Der Gemeinderat widerspricht: Im Wissen um die Massnahmen im sensiblen Perimeter Innenstadt seien im Sommer 2017 nebst den üblichen Medienmitteilungen auch grossflächige Inserate über die Verkehrsführungen publiziert worden, hält der Gemeinderat in seiner Antwort fest. Betroffene und Verbände seien direkt angeschrieben worden. Zudem führte die Behörde öffentliche Informationsveranstaltungen durch.

Mit Blick auf die bevorstehenden baulichen Massnahmen zeigt sich der Gemeinderat optimistisch: Für die anstehenden Bauarbeiten und Verkehrseinschränkungen stehe ab der zweiten Jahreshälfte 2018 das Parkleitsystem (PLS) zur Verfügung. «Dieses dient nicht nur der Anzeige freier Parkplätze, sondern kann auch die Verkehrslenkung unterstützen.» Auf jeder dynamischen Anzeigetafel seien zusätzliche Hinweise zur Verkehrslage möglich.

Am Einbahnverkehr wird nicht gerüttelt

Konkrete Schlüsse, ob der Einbahnverkehr beziehungsweise Rundverkehr funktioniert und eine Entlastung bewirkt, will der Gemeinderat erst nach Fertigstellung von Berntorkreisel und Lauitorstutz und nach einer gewissen Eingewöhnungszeit der Verkehrsteilnehmenden ziehen. Allfällige Verbesserungen und Alternativen seien Thema der Wirkungskontrolle durch die Bauherrschaft. In diese teilen sich der regionale Oberingenieurkreis des Kantons und das städtische Tiefbauamt. Der Gemeinderat steht nach wie vor zum vorgesehenen Verkehrsmodell: «Der Einbahnverkehr Innenstadt ist ein wichtiges und bewilligtes Element im Umweltverträglichkeitsbericht des Bypass’ Thun Nord.» Kapazitätserhöhungen für den motorisierten Individualverkehr sind laut Gemeinderat nicht geplant.