06.02.2018

«Wir sind kein elitärer Kreis, der nur für sich schaut»

Christoph Hubacher ist der neue Verwalter.

Christoph Hubacher ist der neue Verwalter.

Thun • Christoph Hubacher verwaltet neu die Burgergemeinde Thun. Weil sie gemeinnützig arbeite, sei die Organisation auch künftig wichtig für Stadt und Kanton. Doch sie müsse sich öffnen und ihre Verdienste mehr in den Fokus rücken.

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Wofür braucht es die Burgergemeinde Thun eigentlich noch? Eine provokative Frage, von der sich Christoph Hubacher aber nicht aus der Ruhe bringen lässt. Seit Anfang Jahr ist er Verwalter der Burgergemeinde Thun. Sachlich legt er dar, warum die Burgergemeinde als öffentlich-rechtliche Körperschaft neben der Einwohnergemeinde Thun durchaus ihre Daseinsberechtigung habe. «Wir sind eine gemeinnützige Organisation und arbeiten für die Allgemeinheit», sagt der 43-Jährige. Und im Gegensatz zur Einwohnergemeinde spiele die Politik in der Burgergemeinde keine Rolle. Der siebenköpfige Burgerrat als Exekutive sei weder parteipolitisch zusammengesetzt noch müsse er auf Wahlen schielen, um eine bestimmte Klientel zu bedienen. «In einer Burgergemeinde geht es um die Sache. Das ist ein grosser Vorteil, weil sie viel langfristiger planen kann.»


Seit Oktober 2015 war Christoph Hubacher stellvertretender Verwalter der Burgergemeinde Thun. Zuvor leitete der diplomierte Gemeindeschreiber die Verwaltung der Einwohnergemeinde Utzenstorf. Der von langer Hand vorbereitete Stabwechsel sei durchaus ein Vorteil, doch noch wisse er längst nicht über jeden Bereich des rund 100 Mitarbeitende zählenden Betriebs Bescheid. Deshalb sei er dankbar, dass Vorgänger Christoph Spichiger bis zu dessen Pensionierung Mitte Jahr noch gewisse Aufgaben übernimmt. Spichiger hatte die Burgerverwaltung seit 1982 geleitet. Auch im Präsidium kam es kürzlich zu einem Wechsel. Zum Jahresbeginn 2018 hin übernahm Michael Lüthi das Amt von Markus Engemann.


Herausforderung Burgerheim


Nach seiner Amtsübernahme wartet auf Christoph Hubacher gleich eine gros­se Aufgabe. Vom 23. bis 25. August wird das Burgerheim im Burgergut Thun in Steffisburg eröffnet. Das Um- und Neubauprojekt umfasst das im Oktober 2017 in Betrieb genommene Haus Maigold mit 28 Seniorenwohnungen, einem Altersheim mit 72 Pflegeplätzen und das vergangenen Frühling eröffnete Restaurant Schüür. 49 Mio. Franken werden in die Bauten im Burgergut investiert. Erstmals habe sich die Burgergemeinde für ein Projekt fremdfinanzieren müssen, so Hubacher. Zwar schloss die Rechnung 2016 positiv ab. Doch für 2018 ist ein Defizit budgetiert.
Vorbei die Zeiten, als der Forst – auch dies ein wichtiges Standbein der Burgergemeinde – viel Geld in die Kassen spülte. Auch der Zinsertrag aus dem Burgervermögen wirft weniger ab als noch vor einigen Jahren. «Die Herausforderung wird es sein, das Burgerheim erfolgreich zu betreiben», sagt Christoph Hubacher und führt an, dass das Pflegeheim für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Nur 10 Prozent der Bewohner seien Thun-Burger. Allerdings werden diese bevorzugt, falls es für Neubewohnende eine Warteliste gibt.
Anders als oft wahrgenommen, sei die Burgergemeinde Thun nämlich kein elitärer Zirkel, der nur für seine Mitglieder sorge. Hubacher verweist etwa auf die kostspielige Bewirtschaftung von 453 Hektar Wald, von der die Allgemeinheit als Naherholungsraum profitiere. Entlastend für die öffentliche Hand sei auch die Übernahme von Sozialhilfekosten für Mitglieder, die nicht dem innerkantonalen Lastenausgleich und damit den Steuerzahlenden aufgebürdet werden. Schliesslich profitiere die breite Bevölkerung etwa auch von den kulturellen Veranstaltungen, die regelmässig im Burgersaal der Schüür stattfinden. Es sind solche Dienstleistungen, die Hubacher gerne einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen möchte.


Zahlreiche Einburgerungen


Öffnen möchte Hubacher die Burgergemeinde auch für weitere Mitglieder. Derzeit sind es rund 3600. Nachdem die Gebühren erheblich gesenkt wurden, habe es im vergangenen Jahr zahlreiche Einburgerungen gegeben. Doch warum will jemand Thun-Burger werden, wo der monetäre Nutzen nicht vorhanden ist und die Identifikation der Schweizerinnen und Schweizer mit ihrem Wohnort gemäss einer kürzlichen veröffentlichten Studie von gfs.bern stark abnimmt? Die meisten Einburgerungswilligen würden den Schritt nach wie vor aus Verbundenheit zu Thun machen, sagt Christoph Hubacher. Er selbst wohnt erst seit einem Jahr in Thun und gehört noch nicht zum Kreis der Thuner Burger. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.