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20.02.2018

Parteien und Personen buhlen um Wählergunst

Die vielen Persönlichkeiten am Start präsentieren sich von ihrer besten Seite: 160 Grossratsmandate werden in neun Wahlkreisen vergeben.Mit einem gezielten Sprung ins Ziel: Der Grüne Thuner Stadtrat und Freestyle-Artist Reto Kestenholz macht vor, was zum Wahlerfolg führt.Bunte Farbpalette: Den Wählerinnen und Wählern, hier das Propagandamaterial aus dem Wahlkreis Thun, bietet sich am 25. März das ganze Spektrum.

Die vielen Persönlichkeiten am Start präsentieren sich von ihrer besten Seite: 160 Grossratsmandate werden in neun Wahlkreisen vergeben.

Mit einem gezielten Sprung ins Ziel: Der Grüne Thuner Stadtrat und Freestyle-Artist Reto Kestenholz macht vor, was zum Wahlerfolg führt.

Bunte Farbpalette: Den Wählerinnen und Wählern, hier das Propagandamaterial aus dem Wahlkreis Thun, bietet sich am 25. März das ganze Spektrum.

kanton Bern • Wahltag ist Zahltag: 2111 Menschen auf 146 Listen bewerben sich um einen der 160 Sitze im Grossen Rat. Die Fäden ziehen die Parteien, die ihre Macht ausbauen oder zumindest erhalten wollen. Bürgerliche dürfen darauf hoffen, dass ihre Mehrheit in Regierung und Parlament intakt bleibt.

Christof Ramser

Das grösste Augenmerk ist auf die Regierungsratswahlen gerichtet: Vier Frauen und zwölf Männer bewerben sich am Sonntag, 25. März 2018, um einen der sieben Sitze in der Regierung, darunter die vier Bisherigen Christoph Ammann (SP, Meiringen) Christoph Neuhaus (SVP, Belp), Pierre Alain Schnegg (SVP, Champoz) und Beatrice Simon (BDP, Seedorf). Evi Allemann aus Bern, Christophe Gagnebin aus Tramelan, beide SP, sowie die Grüne Christine Häsler aus Burglauenen vervollständigen als Neue das offizielle linke Regierungsratsticket.

Philippe Müller (FDP, Bern) ist der offizielle Anwärter des freisinnigen Regierungssitzes; Anspruch erheben auch Michael Köpfli (GLP, Bern) und Hans Kipfer (EVP, Münsingen). Weitere Kandidaten dürften als Aus­senseiter und Exoten wenig Chancen haben. Die Bürgerlichen rechnen damit, dass sie ihre Mehrheit in der Regierung erfolgreich verteidigen. Entscheidend ist das Resultat für den Jura-Sitz, wo auf der Linken SP-Mann Gagnebin und PSA-Frau Maurane Riesen gegen den bisherigen SVP-Regierungsrat Schnegg antreten. Ein allfälliger zweiter Wahlgang würde am Sonntag, 29. April 2018, stattfinden.

2111 Persönlichkeiten am Start

Durch ihre Zugpferde für die Regierungsratswahl erwarten die Parteien zusätzlichen Schub für die Parlamentswahl: 2111 Frauen und Männer auf 146 Listen kandidieren für einen der 160 Sitze im Grossen Rat. Dies sind 19 Listen mehr als bei den Wahlen vor vier Jahren. Gestiegen ist die Zahl der Kandidierenden: Vor vier Jahren waren es 1905 Personen. Mit 729 Bewerberinnen liegt der Frauenanteil bei 34,5 Prozent, bei den letzten Wahlen waren es 33,3 Prozent. Von den bisherigen Grossrätinnen und Grossräten kandidieren 137 wieder. Dies entspricht 85,6 Prozent (2014: 87,5 Prozent). Der Wettstreit um die 160 Mandate findet getrennt nach Wahlkreisen statt. Mit 26 Sitzen bildet der Wahlkreis Biel-Seeland den stärksten der neun Wahlkreise. Die Kernregion ist in die Kreise Bern Stadt, Mittelland-Nord und Mittelland-Süd aufgeteilt. Im Wahlkreis Thun sind 17 Sitze zu besetzen; darum bewerben sich 84 Frauen und 158 Männer auf 17 Listen, darunter vier Mitglieder der Thuner Stadtregierung. Konrad Hädener (CVP) verzichtet als einziger auf eine Kandidatur. Während die SVP als stärkste Kraft in andern Wahlkreisen mit der FDP zusammenspannt, steht sie im Wahlkreis Thun mit ihren beiden Listen allein da; die FDP spannt mit der BDP zusammen. SP Frauen und Männer, Junge Linke, Grüne und Junge Grüne kämpfen vereint um ihre Mandate.

Parteien haben das Sagen

Viele Kandidierende haben Mandate auf Gemeindestufe; die Stärke der Parteien variiert von Ort zu Ort stark: Weshalb die BDP in Rubigen und die FDP in Hilterfingen mächtig wurden, dafür gibt es historische, gesellschaftliche und geografische Erklärungen. Bei den Wahlen auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene fallen die unterschiedlichen Parteistärken jeweils ins Gewicht.
Immer stärker wird indes die Zahl Parteiloser auf Gemeindestufe, wie Umfragen zeigen. Doch bei den Kantonswahlen spielen sie praktisch keine Rolle. Im Grossen Rat sitzt mit Peter Studer aus Utzenstorf heute ein einziges ungebundenes Mitglied.

Grosser Andrang auf 17 Parlamentssitze

Thun • Der Wahlkreis Thun umfasst nebst der Stadt auch Landgemeinden von Amsoldingen bis Zwieselberg. 242 Persönlichkeiten aus 17 Parteien bewerben sich um 17 Sitze.


Für die Verteilung der Mandate pro Wahlkreis ist die Bevölkerungszahl ausschlaggebend: Der Wahlkreis Thun hat mit 106?739 Einwohnenden (Bundesamt für Statistik per 31. Dezember 2015) Anrecht auf 17 Mandate; bei den letzten Wahlen 2014 hatte der Wahlkreis Thun auf Kosten des Oberlands ein zusätzliches Mandat erhalten.


Von diesem Zuwachs profitierten damals die SVP, die ihre Sitzzahl von fünf auf sechs steigern konnte, sowie die Grünliberalen, die mit dem ehemaligen Gemeindepräsidenten von Uetendorf, Hannes Zaugg-Graf (ehemals SP), neu einen Sitz eroberte. Zaugg führt die GLP-Liste mit 17 Kandidierenden an.


Die SVP konnte mit Madeleine Amstutz, Samuel Krähenbühl und Raphael Lanz neue Leute in den Grossen Rat schicken; der Thuner Stadtpräsident machte das beste Wahlresultat im Wahlkreis Thun. Die Stadt Thun ist im Rathaus stark verankert: Nebst dem Stadtpräsidenten schafften zwei weitere Mitglieder der Stadtregierung den Sprung ins Rathaus, nämlich Marianne Dumermuth und Peter Siegenthaler für die SP. Mehrere Grossratsmitglieder sitzen auch im Thuner Stadtparlament.


BDP holt Künstler Gartentor


Verliererpartei im Wahlkreis Thun war vor vier Jahren die BDP: Sie verlor einen Sitz, BDP-Grossrat Mathias Kohler wurde abgewählt. So blieb die BDP Thun nur noch mit Ueli Frutiger im Rat vertreten. Der Wähleranteil ging von 14,4 auf 10,04 Prozent zurück. Diesen verlorenen Sitz will die BDP nun zurückholen: Wahlkreispräsident Alfons Bichsel (Sigriswil) gibt sich zuversichtlich: «Wir haben durchs Band spannende und verdiente Kandidatinnen und Kandidaten am Start. Ueli Frutiger ist bekannt als Brückenbauer im Grossen Rat.» Schub erhofft sich die BDP auch von einem Exoten auf der Liste, nämlich dem als Heinrich Gartentor bekannten Künstler Martin Lüthi aus Horrenbach.


SP achtet auf Gleichstellung


Die SP im Wahlkreis Thun konnte bei den letzten Wahlen ihren Besitzstand von vier Sitzen halten. Getrennte Listen sorgen für eine ausgewogene Repräsentation zwischen Frauen und Männern. Die Bisherigen Marianne Dumermuth und Peter Siegenthaler, beide Mitglieder des Thuner Gemeinderats, Regina Fuhrer-Wyss aus Blumenstein sowie Ueli Egger aus Hünibach treten wieder an. Unterstützt werden sie von je 15 Kandidatinnen und Kandidaten auf der Frauen- und der Männerliste. Zusätzlich tritt die SP mit einer jungen linken Liste an, auf der 9 Kandidatinnen und Kandidaten mit einem eigenständigen Wahlkampf junge Wählerinnen und Wähler ansprechen. Im Parlament hat die SP gegenüber der bürgerlichen Allmacht einen schweren Stand. Die Niederlagen, die sie in der jüngsten Spardebatte einstecken musste, möchte sie nun in einen Erfolg verwandeln, indem sie der Bevölkerung die einschneidenden Sparfolgen vor Augen führt. Ihre vier Sitze verteidigt die SP mit einer Basiskampagne und Standaktionen. Mit einer Listenverbindung mit Jungen Linken und Grünen kann die SP alle linken Stimmen sichern. Wahlkampfleiter Beat Haldimann erklärt das sozialdemokratische Credo: «Die SP will eine Gesellschaft, an der alle Menschen teilhaben können.»


Stadtpräsident Lanz als Zugpferd


Die SVP setzt wieder auf ihre zwei Listen Thun Land sowie Thun Stadt und Seegemeinden. Fünf Bisherige treten wieder an, angeführt von Stadtpräsident Raphael Lanz. Auch der Thuner Gemeinderat Roman Gimmel kämpft für einen Sitz. Prominenter Kopf auf der SVP-Landliste ist Jürg Iseli aus Zwieselberg, designierter Grossratspräsident 2018/2019. Sowohl in Stadt- als auch Landgemeindegremien ist die SVP stark verankert.


Yves Bichsel, Präsident des SVP-Wahlkreisverbands, rechnet wiede­rum mit sechs Sitzen: «Unser Ziel ist es, mit unseren Leuten auch in der neuen Legislatur einen wichtigen Beitrag zu einem starken Kanton Bern mit tiefen Steuern und einer effizienten Verwaltung zu leisten.»


Bei den Grünen führt Andrea de Meuron als Bisherige die volle Liste an; zugkräftige Figur ist hier Freestyle-Coach und Stadtrat Reto Kestenholz. Grüne und Junge Grüne planen gemeinsame Anlässe, die durchaus über den bitteren Ernst des politischen Wahlkampfs hinausgehen dürfen. An der Pop-up-Bar beispielsweise schenken Kandidierende der Grünen ihrem Publikum «reinen Wein ein» und erläutern, «dass Panaschieren nichts mit Bier zu tun hat, und Kumulieren nichts mit Cumulus-Punkten». Roman Gugger, Stadtrat und Präsident Grüne Region Thun, liebäugelt mit einem zweiten Sitz.


Engagement, Vision, Profil


Die EVP kommt wiederum mit drei Listen daher, allesamt positiv besetzte Werbespots: Zukunft, Erfahrung, Vision, wobei 2014 lediglich erstere mit zwei Sitzen erfolgreich war. Mit «Engagement», «Vision» und «Profil» hat die EVP die Listenbezeichnungen leicht angepasst. Die beiden Bisherigen Marc Jost aus Thun und Melanie Sarah Beutler-Hohenberger aus Gwatt kandidieren auf der Liste Engagement. Mit der GLP bestehe der «ausgeprägte Wille mitzugestalten und die polarisierende Politik durch starke Mittepositionen zu durchbrechen, vor allem in ökologisch-unternehmerischen Themen», erklärt Wahlleiter und Stadtrat Jonas Baumann-Fuchs. Die CVP wiederum sei seit 40 Jahren treue Fraktionspartnerin der EVP.


FDP spannt mit BDP zusammen


Bei den Freisinnigen im Wahlkreis Thun tritt der einzige Bisherige Carlos Reinhard wieder an. Auf der FDP-Liste gibt es nebst Reinhard zwei weitere Persönlichkeiten aus der Stadt Thun, 14 stammen aus übrigen Gemeinden. Bei den Jungfreisinnigen Oberland ist die Stadt mit drei von 17 Kandidierenden vertreten. FDP Wahlkoordinator Bernhard Gyger begründet die Auswahl: «Für uns ist es wichtig, dass alle Regionen und vor allem Persönlichkeiten aus verschiedensten Berufen vertreten sind.» Aus arithmetischen Gründen ging die FDP Thun nicht mit der SVP, sondern mit der BDP eine Listenverbindung ein.


Nach ihrem Vormarsch 2014 verspüren die Grünliberalen Auftrieb und wollen nochmals Sitze zulegen. «Der Kanton Bern braucht dringend eine progressive Reformpolitik. Strukturwandel und Digitalisierung müssen endlich als Chance zur nachhaltigen Entwicklung unseres Kantons in der Stadt und auf dem Land erkannt werden», schreibt Parteipräsidentin Sandra Gurtner-Oesch.


Möglicherweise können GLP und JGLP von der grossen Listenverbindung mit EVP, EDU und CVP profitieren, analog der Fraktion der Mitte im Thuner Stadtrat. Starke Figur der EDU im Wahlkreis Thun ist der Bisherige Samuel Timutschin Kullmann aus Hilterfingen.

Wo die BDP durchregiert und die SP ihren roten Stempel aufdrückt

Parteihochburgen • In manchen bernischen Gemeinden haben sich Parteien regelrecht breitgemacht. Etwa in der SVP-Kaderschmiede Uetendorf, in Hilterfingen, wo sich das kumulierte Kapital in der Stärke der FDP manifestiert oder im «grünen» Münsingen. Ein Streifzug durch Parteinester.


BDP
Kanton:11,2?%
Rubigen:24,4?%?*

Die nationale BDP mag nicht in Hochform sein. Doch in Rubigen ist die Partei noch immer eine Macht. Bei den Grossratswahlen 2014 holte sie im Dorf mit 24,4 Prozent die meisten Stimmen aller Parteien. Im Gemeinderat hält die BDP mit 4 von 7 Mitgliedern gar die absolute Mehrheit. «Damit übernehmen wir auch eine Verantwortung, die Politik im Sinne der Bevölkerung zu gestalten», sagt Gemeindepräsident Renato Krähenbühl, ehemaliger Geschäftsführer der kantonalen sowie der nationalen BDP. So hat die Partei zusammen mit der Schule einen Kreisel verschönert, nachdem sich Bewohner mehrfach über das unansehnliche Bauwerk beklagt hatten. In Rubigen ist die Partei auch deshalb so stark, weil im bürgerlichen Lager die Konkurrenz fehlt. «Bereits 2006 opponierten wir gegen den harten, rechtspopulistischen Kurs der nationalen SVP», erinnert sich Krähenbühl. Als sich 2008 im Zug der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat liberale Kräfte von der SVP abspalteten und die BDP gründeten, war Rubigen in der ersten Reihe. Die ganze SVP-Sektion trat zur BDP über, eine der ersten Ortssektionen im Kanton Bern entstand. «Seither sind wir eine SVP-freie Zone», sagt Krähenbühl. Wer in Rubigen weder links noch die Freien Wähler oder EVP wählen wolle, dem bleibe auf kommunaler Ebene nur die BDP. Doch auch bei den Nationalratswahlen 2015 war die Partei in Rubigen mit 17 Prozent erfolgreich.
Die örtliche BDP-Sektion zählt 50 Mitglieder, was für die 3000-Seelen-Gemeinde ein hoher Wert ist. Neben Alteingesessenen seien auch Neuzuzüger und jüngere Leute darunter, so Krähenbühl. «Wir sind gut aufgestellt, weitere Mitglieder sind aber herzlich willkommen.» Für die Grossratswahlen geben sich die Bürgerlich-Demokratischen zuversichtlich. Mit dem Elektroingenieur Felix Häberli tritt ein Rubiger für die BDP an. Die 2 Sitze im Wahlkreis Mittelland-Süd zu verteidigen, sei realistisch, ein dritter Sitz wäre ein Grosserfolg. Ein neuerlicher Absturz wie vor vier Jahren, als die BDP im Kantonsparlament von 25 auf 14 Sitze absackte, soll verhindert werden. «Wir haben im Grossen Rat immer nach einvernehmlichen Lösungen gesucht», zeigt sich Krähenbühl zuversichtlich. «Wenn die Bevölkerung dies wahrnimmt, werden wir den Wähleranteil wieder steigern können.»


FDP
Kanton:10,7?%
Hilterfingen:16,9?%?*

Die SVP ist die Bauernpartei, Arbeiter wählen SP, junge Leute grün und die FDP ist die Partei der Wohlhabenden. Was nach überholten Vorurteilen klingt, hat einen wahren Kern. Und im Fall der FDP, die im Gemeinderat von Hilterfingen mit 4 von 7 Sitzen die absolute Mehrheit stellt und bei kantonalen sowie nationalen Wahlen überdurchschnittlich gut abschneidet, ist es mehr als ein ein Klischee: Im Dorf mit 4000 Einwohnern am rechten Thunerseeufer wohnen aus­serordentlich viele Verwaltungsräte von Schweizer Konzernen. In Bezug auf die grösste Kapitaldichte pro Verwaltungsrat liegt die Gemeinde schweizweit auf Platz zwei. Zumindest war dies 2012 der Fall, wie eine Auswertung des Handelsregisters der Orell Füssli Wirtschaftsinformationen AG ergab. 116 Personen aus Hilterfingen waren damals im Verwaltungsrat einer oder mehrerer Kapitalgesellschaften und vertraten im Schnitt 79,2 Mio. Franken, 10 von ihnen zusammen 3 Milliarden.
Dass sich gut Betuchte an der privilegierten Wohnlage wohl fühlen, sei kein Geheimnis, räumt der langjährige FDP-Ortsparteipräsident Franz Rüegg ein. Dies allein sei aber nicht der Grund für den Erfolg der Freisinnigen, die bei den letzten kommunalen Wahlen einen Stimmenanteil von 40 Prozent erreichten. Es seien die Personen und ihre erfolgreiche Arbeit, die die FDP Hilterfingen-Hünibach zu einer der erfolgreichsten Berner Sektionen gemacht hätten. «Das wird von den Bürgern geschätzt», so Rüegg, der das Präsidium letztes Jahr an Markus Brunner weitergab. Brunner unterstreicht die «exzellenten Leistungsausweise» der Freisinnigen sowie deren «konstruktive Sachpolitik». Auf der FDP-Liste für die Grossratswahlen im Wahlkreis Thun stellt die Sektion 5 von 17 Kandidaten. «Leider fanden wir keine Frauen», bedauert Rüegg. Ob es von Gerhard Beindorff, Markus Brunner, Peter Dütschler, Heinz Habegger oder Zeno Supersaxo einer in den Grossen Rat schafft, sei schwer vorauszusagen. Mit dem Direktor des Waldeigentümerverbandes WaldSchweiz Markus Brunner und dem ehemaligen Leiter des bernischen Amts für Wasser und Abfall, Heinz Habegger, verfüge die Ortspartei immerhin über in Politik und Verwaltung bekannte Namen. Klares Ziel sei im Wahlkreis Thun ein zweiter Sitz, postuliert Rüegg.


Grüne
Kanton:10,1?%
Münsingen:17,6?%?*

Das grüne Wunder im Kanton Bern erlebt Münsingen. Zwar wurde die Partei bei den Kommunalwahlen vergangenen November von der SVP überflügelt, hält aber im Siebner-Gemeinderat noch immer 2 Sitze, darunter den Gemeindepräsidenten Beat Moser. Bei den Grossratswahlen vor vier Jahren übertrumpfte die Ökopartei in Münsingen mit 17,6 Prozent das Kantonsresultat klar. Bei den Nationalratswahlen 2015 wählten immerhin 11,6 Prozent der Münsinger Stimmenden grün. Parteipräsident Jürg Schacher führt die Beliebtheit der eher urbanen Grünen-Bewegung auf den zunehmend städtischen Charakter Münsingens zurück. Im Vordergrund stehe aber die grosse Aktivität und die Präsenz der Parteimitglieder im Dorf. Etwa mit dem Organ «Grüner Pfeffer» das einmal pro Jahr in alle Münsinger Briefkästen verschickt wird und auf unkomplizierte Art über wichtige Ereignisse informiert. Es ist ein buntes Blatt mit vielen Bildern und wenig Text. «Wir reden nicht nur, wir machen auch etwas», begründet Schacher den Erfolg. Wenn es etwas zu tun gebe, hülfen die Grünen mit. Zum Programm gehörten auch Besuche in Gewerbebetrieben – ganz im Sinne eines Leitspruchs der Partei, dass Ökologie Arbeitsplätze schafft.


Bekannte Figuren der Münsinger Grünen sind Grossrat Antonio Bauen oder der Öko-Gärtner und ehemalige Gemeinderat Christoph Maurer. Auch der Gemeindepräsident, der bei der Fasnacht und der Feuerwehr mitmache, sei stark verwurzelt, sagt Schacher, der als Kernphysiker an der Uni Bern und am Cern in Genf tätig ist und die grüne Fraktion im Gemeindeparlament präsidierte. Eine Belastungsprobe für die Grünen war die Entlastungsstras­se Nord, die von der Partei abgelehnt, von Gemeindepräsident Moser aber befürwortet und vergangenen September an der Urne knapp genehmigt wurde. «Das erzeugte eine gewisse Spannung in der Partei», so Schacher.


Zu den Grossratswahlen vom 25. März treten vier Münsinger Grüne an, darunter der Bisherige Antonio Bauen. Jürg Schacher hofft, dass die Berner Grünen vom Höhenflug der Mutterpartei profitieren und die zwei Sitze im Wahlkreis Mittelland-Süd verteidigen. «Ich wäre überrascht, wenn wir einen Rückschlag erleben sollten.»

SP
Kanton:19,1?%
Spiez:21,9?%?*

Spiez als Hochburg der SP zu bezeichnen, wäre eine Übertreibung. Gerade in jüngerer Zeit zeigt der Trend abwärts. 2016 verlor die Partei nach 14 Jahren nicht nur das Gemeindepräsidium, sondern musste auch in der Exe­kutive, dem Gemeinderat, sowie im Parlament, dem Grossen Gemeinderat, Federn lassen. Im Gemeinderat hält die SP nach dem Rechtsrutsch noch einen von sieben Sitzen, im Gros­sen Gemeinderat 6 von 36. Im Vergleich mit der SVP ziehen die Sozialdemokraten in Spiez regelmässig den Kürzeren.


Dass die SP in den Städten stärker ist als auf dem Land, macht die Ausgangslage für die Partei im Wahlkreis Oberland nicht einfacher. Und doch holte die SP in Spiez bei den Grossratswahlen 2014 knapp 3 Prozent mehr Stimmen als kantonsweit. Spiez ist die grösste SP-Sektion im Wahlkreis Oberland und mit 10 Kandidaturen für die anstehenden Grossratswahlen am linken Thunerseeufer stark verankert. Neben der Bisherigen Ursula Zybach kandidieren Seraina Wagner, Eliane Baumann, Kurt Bodmer, Ruedi Bernet, Julia Kurzen, Michael Künzi und Jürg Walther. Auf der Liste sind auch Roland Müller-Aebi und Marianne Hayoz Wagner vom Co-Präsidium der SP Spiez.


Die Verankerung der SP ist auf die  Bähnler-Tradition in Spiez zurückzuführen. Selbst wenn die Sozialdemokraten bei Arbeitern oft nicht mehr erste Wahl sind, hat die BLS doch eine starke Gewerkschaftsbewegung in den Bahnknotenpunkt gebracht. 1893 war der erste Bahnhof errichtet worden, 1910 entstand das Bahnhofsgebäude am heutigen Ort sowie ein Depot. Noch immer beschäftigt die BLS als wichtige Arbeitgeberin in Spiez 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Das Beispiel von Ursula Zybach als Grossratspräsidentin und derzeit höchster Bernerin zeige, dass es Spiezer Sozialdemokratinnen weit bringen können, findet Marianne Hayoz Wagner. «Wir sind kein serbelnder Haufen, im Gegenteil.» Die Mitgliederzahl von rund 115 sei in letzter Zeit stabil, im Vorstand engagierten sich auch junge Leute. Wichtig ist für die Partei die Geschlechterparität. Als einzige Partei machen sich für die SP gleich viele Frauen wie Männer stark. «Darauf achten wir bei der Kandidatenrekrutierung», sagt Hayoz Wagner, die auch Co-Präsidentin des Regionalverbandes ist. In dieser Funktion ist sie zuversichtlich, dass die SP die beiden Sitze im Wahlkreis halten kann.

SVP
Kanton:29?%
Uetendorf:38,8?%?*
Wo liegt die Machtzentrale der SVP? In Herrliberg, würden wohl die meisten auf Anhieb sagen. Das mag de facto stimmen. Doch zu Hause ist der Präsident der grössten Partei im Land vor den Toren Thuns. Seit bald zwei Jahren dirigiert der Uetendorfer Albert Rösti die schweizerische SVP. Ein Vollzeitjob, könnte man meinen. Doch Rösti bringt zusätzlich das Gemeindepräsidium von Uetendorf mit 40-Prozent-Pensum, die Präsidien von mehreren politischen und wirtschaftlichen Organisationen sowie ein eigenes Beratungsbüro unter einen Hut. Dass er fast täglich in den Medien ist, verhelfe ihm gerade in seinem Heimatdorf durchaus zu Popularität, glaubt Ortsparteipräsident Marcel Kümin.


Neben Rösti wohnt ein weiterer SVP-Kadermann in Uetendorf. Yves Bichsel war unter Christoph Blocher stellvertretender Generalsekretär im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement und später Generalsekretär der SVP Schweiz. Aktuell krempelt er als Generalsekretär von Regierungsrat ­Pierre Alain Schnegg (SVP) das bernische Gesundheits- und Fürsorgewesen um. Dies fällt in Uetendorf auf fruchtbaren Boden. Bei den letzten kommunalen Wahlen holte die SVP die absolute Mehrheit und stellt 4 von 7 Gemeinderäten, auf kantonaler Ebene wählten knapp 39 Prozent stramm rechts und bei den Nationalratswahlen kam die Partei gar auf über 50 Prozent.


Den Erfolg erklärt sich Marcel Kümin mit der «geradlinigen, verlässlichen Politik», die bei der Bevölkerung gut ankomme. In Abstimmung mit einem tiefen Steuerfuss setzten sich die Parteivertreter für ein grosses Arbeits-, Freizeit-, Einkaufs-, Kultur- und Sportangebot in Uetendorf ein. Zudem sei die Partei bürgernah und veranstalte immer wieder gut besuchte Anlässe – etwa einen Seniorennachmittag, wo SVP-Gemeinderäte über die Dorfpolitik informieren oder kürzlich eine Après-Ski-Party. Zweimal im Jahr verschickt die SVP, die in Uetendorf nach eigenen Angaben rund 150 Mitglieder hat, ein Mitteilungsblatt in sämtliche Briefkästen.
Für die Grossratswahlen rechnet Armee-Kadermann Marcel Kümin im Thuner Westamt eher nicht mit einem Sitzzuwachs. «Da müssen wir realistisch sein.» Doch die 6 von 17 Sitzen im Wahlkreis Thun werde man halten können. Neben Kümin treten für die SVP aus Uetendorf Eva Bichsel und Trudi Mösching-Signer zu den Grossratswahlen an.