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06.03.2018

Knapp 30 Tonnen Papier fein säuberlich sortiert

Irene Bähler, Verena Oberli und Alexandra Helmle (von rechts) haben alle Hände voll zu tun – sie verpacken Wahlmaterial für die kantonalen Wahlen vom 25. März.

Irene Bähler, Verena Oberli und Alexandra Helmle (von rechts) haben alle Hände voll zu tun – sie verpacken Wahlmaterial für die kantonalen Wahlen vom 25. März.

Thun/Gwatt • Am 25. März werden im Kanton Bern die Mitglieder der Regierung und des Parlaments gewählt. Niemand kennt einige der kandidierenden «Köpfe» so gut wie Mitarbeitende der Stiftung Silea. Sie verpacken die Wahlunterlagen.

Yvonne Baldinini

Irene Bähler zieht vier Hochglanzpapierzettel mit hübsch lächelnden Politikerinnen und Politikern aus dem Stapel. Sie steckt diese ihrer Tischnachbarin Verena Oberli zu, die selber nach vier farbig bedruckten Flyern verschiedenster Parteien greift. Alexandra Helmle erhält das Bündelchen, während sie zwei Prospekte aus ihrer Kiste weiterleitet. Rund 50 jüngere und ältere Menschen mit Unterstützungsbedarf bauen an diesem Nachmittag nach und nach ihre Papiertürmchen ab und verteilen sie in die Umschläge.

Für Irene Bähler ist die Verpackung des Wahlmaterials für die Grossrats- und Regierungsratswahlen jedes Mal ein Höhepunkt in ihrem 40-jährigen Wirken in der Silea: «Das ist eines meiner Hobbys. Denn dabei muss ich etwas überlegen. Ich bin ein Mensch, der gerne sinnvolle Arbeiten erledigt.» Wählen würde sie diese Dame hier und zeigt auf den Prospekt mit der amtierenden Regierungsrätin Beatrice Simon. Wenn die aufgestellte 58-Jährige nicht Wahlzettel zurechtlegt, presst sie Bauformen für das Frutiger Unternehmen Mägert oder stanzt Farbschachteln für die Firma Hoffmann.

Verena Oberli ist genauso eifrig – jedoch etwas weniger begeistert – bei der Sache. «Die Welt ist schon genug verschmutzt. Die Hälfte dieses Papierbergs wandert sowieso in den Ghüder», meint die 50-Jährige. Erst mal landen aber ihre Flugblätter bei Monika Aegerter, die sie in den Briefumschlag bettet. «Heute bin ich bei den Couverts eingeteilt. Die Prospekte vom Stapel zu ziehen, gefällt mir allerdings besser. Das erfordert Konzentration, die Blätter sind zum Teil nur einen Millimeter dick.» Bevor zwei Männer stolz die Umschläge zukleben, wiegt eine Fachperson die Couverts. Genau 290 Gramm muss die Waage anzeigen. Bei einem Gramm zu viel oder zu wenig, wird der Inhalt kontrolliert. 25 Unterlagen in der richtigen Reihenfolge müssen darin liegen.

200 gefragte Hände

Bis die knapp 30 Tonnen Papier systematisch in den rund 100?000 Briefumschlägen verschwunden sind, verstreichen zwei Wochen. Die Stiftung für integriertes Leben und Arbeiten (Silea) übernimmt diese Aufgabe seit 35 Jahren. Das Regierungsstatthalteramt erteilt und organisiert den Auftrag. «Es war immer schwierig, genügend Menschen zu rekrutieren, die das Wahlmaterial verpacken. Die Silea-Angestellten zählen zuverlässig alle amtlichen Beilagen und Prospekte ab», erläutert Regierungsstatthalter Marc Fritschi. Die Stiftung im Gwatt ist auch für die meisten Gemeinden mit den Druckschriften der jährlichen vier ordentlichen Abstimmungstermine sowie der National- und Ständeratswahlen betraut.
Das Personal der Silea setzt die 100 beteiligten Mitarbeitenden je nach ihren Fähigkeiten ein. «Manche ermüden schneller oder können nicht allzu viele Prospekte schichten», erklärt Hans Rudolf Zaugg, Bereichsleiter Produktion. Im Ganzen sind in der Silea 240 Menschen mit Unterstützungsbedarf beschäftigt. Während viele flinke Hände Wahlunterlagen einpacken, montieren im gleichen Raum einige Männer hochmotiviert Bauteile. «Wir können unsere anderen Kundenaufträge nicht während 14 Tagen abstellen», begründet Zaugg.
Die Stiftung Silea gibt die von den Gemeinden nach Postleitzahlen angelieferten und nun feinsäuberlich verpackten Couverts bei der Post Rosenau auf. Genau zwischen dem 5. und 9. März – nicht zu früh und nicht zu spät vor den Wahlen – müssen sie beim Wahlberechtigten in den Briefkasten flattern.