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06.04.2018

Tamilischer Verein bietet Beratung auf Augenhöhe

Die Beraterinnen Darshikka Krishnanantham (l.) und Rajani Tharshan.

Die Beraterinnen Darshikka Krishnanantham (l.) und Rajani Tharshan.

Thun • Ein Verein für die tamilische Diaspora betreibt eine neue Beratungsstelle für Menschen ausländischer Herkunft.

dv

Mitgründerin ist die Thuner SP-Stadträtin Darshikka Krishnanantham. Zwei Beraterinnen stehen bei Alltagsproblemen bei.

An der Buchholzstrasse 10c in Thun haben die SP-Stadträtin Darshikka

Krishnanantham und Rajani Tharshan eine Beratungsstelle für Menschen ausländischer Herkunft eröffnet. Träger ist der gemeinnützige Verein für die tamilische Diaspora, der sich zum Ziel gesetzt hat, «Menschen mit Migrationshintergrund» zu unterstützen, sie zu beraten und wenn nötig auch juristisch und finanziell beizustehen. Zielpublikum seien vor allem Asylsuchende, Flüchtlinge und Opfer von Straftaten, sagt Krishnanantham, Co-Präsidentin der Beratungsstelle. Frauenthemen, Gewalt in der Familie, Alkoholprobleme und Schuldensanierung sind weitere Bereiche. «In Einzelfällen ziehen wir Rechtsanwälte, die für die Beratungsstelle als Konsulenten zur Verfügung stehen, für die anwaltliche Vertretung bei.»

Krishnanantham ist jeweils an zwei Nachmittagen pro Woche auf der Beratungsstelle im Einsatz und hilft Ratsuchenden im Umgang mit Behörden. Sie verfügt über ein Diplom als amtliche Übersetzerin. Ratsuchende dürfen auch Kinder mitnehmen.

Das Bedürfnis nach Dienstleistungen auf dem Weg der Integration sei gross, sagt Krishnanantham. Denn viele Ausländerinnen und Ausländer seien überfordert mit Versicherungsfragen, Steuern, Behördenkontakten oder schulischen Problemen. «Wir sind von Anfragen überrannt worden», so Krish­na­nantham. Sie hat selbst durchgemacht, was es heisst, in der Schweiz Fuss zu fassen: Als Zweijährige reiste sie mit ihrer Mutter hierher zum Vater, der bereits als Asylsuchender in der Schweiz angekommen war. Die erste Zeit verbrachte die Familie in einem Durchgangszentrum, bevor sie in Thun eine Mietwohnung beziehen konnte. In Sri Lanka herrschte zu dieser Zeit blutiger Bürgerkrieg. Ihre Familie hatte damals keine Beratungs- oder Anlaufstelle, an die sie sich wenden konnte.

Integration als Dauerthema

Darshikka Krishnanantham erwarb vor einigen Jahren das Schweizer Bürgerrecht und trat der SP bei. 2016 rückte sie ins Thuner Stadtparlament nach. Integration ist für sie ein Dauerthema. Zunächst absolvierte die junge Seconda eine kaufmännische Ausbildung und bildete sich in London in Ökonomie weiter. Ihre Kenntnisse will sie nun zum Nutzen anderer anwenden.

An der Eröffnung überbrachte ihre Fraktionskollegin, SP-Ko-Präsidentin Katharina Ali-Oesch, eine Grussbotschaft. Die Beratungsstelle erfülle wichtige Brückenfunktionen zwischen staatlichen Stellen, Bürgerinnen und Bürgern. Weitere SP-Prominenz steht dem Verein bei: Die Bolliger SP-Nationalrätin und Rechtsanwältin Margret Kiener Nellen, Delegierte bei der parlamentarischen Versammlung der OSZE, war Ehrengast an der Eröffnung.