15.05.2018

Buch und Ausstellung zur Jahrhundertflut

Münsingen erlebte am 28. Mai 1968 ein Hochwasser, das grosse Verwüstungen anrichtete.

Münsingen erlebte am 28. Mai 1968 ein Hochwasser, das grosse Verwüstungen anrichtete.

Münsingen • Vor 50 Jahren hat Münsingen das grösste Hochwasser erlebt: Eine Sonderausstellung im Ortsmuseum und ein Buch erinnern an die Fluten, die das Dorf verwüsteten.

pd

Nach einem heftigen Hagelwetter trat der Grabenbach über die Ufer, riss in Tägertschi und im Mühletal Holz, Geschiebe, Bäume, Autos mit, verstopfte seinen unterirdischen Abfluss am Ausgang des Mühletals und bahnte sich seinen Weg durchs Dorf. Es war das grösste Hochwasser, das Münsingen erlebte, und richtete Millionenschäden an. Die Sonderausstellung zeigt fünfzig Jahre danach die Bilder der hochgehenden Fluten auf den Dorfstrassen und die Schäden, die sie anrichteten. In einem Film schildern Zeitzeugen, wie sie das Hochwasser und das grosse Aufräumen erlebten.


 Vom Rinnsal zum Strom


Die starken Niederschläge, vermischt mit Hagel, gingen am frühen Abend des 28. Mai 1968 vor allem über dem Geländekessel von Tägertschi nieder. Die Wassermassen machten das sonst sanft gurgelnde Rinnsal des Grabenbachs zum zerstörerischen Strom, der Kinderwagen, Velos, Kisten, Fässer, aber auch landwirtschaftliche Geräte, Holzbalken und lange und dicke Baumstämme mitführte. Die Flut bahnte sich ihren Weg teils gegen den Bahnhof, hauptsächlich aber via Thunstrasse an den südlichen Dorfrand, wo sich bis zur Firma USM ein gros­ser See bildete.


 Das neue Rückhaltebecken im Mühletal


Münsingen traf im Jahr 2009 Schutzmassnahmen, um ein allfälliges neues und aussergewöhnliches Hochwasser möglichst ohne grössere Schäden bewältigen zu können. Im Mühletal, unterhalb Tägertschi, baute die Gemeinde ein Rückhaltebecken mit einem bis zu zehn Meter hohen Damm. Sein Ausfluss dosiert den Wasserabfluss, so dass bei Extremniederschlägen nicht alles Wasser sofort abfliessen kann, sondern in der Thalmatt einen See bildet.


In der Ebene beim Schlossmattschulhaus mündet der unterirdische Grabenbachkanal seit 2009 in einen neuen, offenen Bachlauf. So wird einerseits ein Rückstau im Grabenbachkanal vermieden, andererseits der Siedlungsrand ökologisch aufgewertet. Bilder und Fakten zu diesen Schutzmassnahmen sind Teil der Ausstellung.


Der Grabenbach war schon in früheren Zeiten nicht nur Lieferant erwünschter Wasserkraft, sondern auch ein Gewässer, das bei «Wassergrössen» immer wieder «Überschwemmung und Übergrienung» entlang seines Laufs verursachte. Nach langen Auseinandersetzungen kam 1904 endlich ein Sanierungsprojekt zustande, das eine Absenkung und Pflästerung der Bachsohle vorsah. Doch im letzten Moment wurde dieses Projekt sistiert; stattdessen realisierte die Gemeinde 1910 eine unterirdische Ableitung des Dorfbachs. Pläne und Dokumente aus dieser Zeit sind in der Ausstellung ebenfalls zu sehen.


Das Museum Münsingen gibt zum Hochwasser 1968 eine reich bebilderte Schrift heraus, verfasst durch den ehemaligen «Bund»-Redaktor Fritz Lauber. Die Dokumentation beleuchtet auch die Schutzmassnahmen und die Geschichte der «Correction» des heutigen Grabenbachs, der einst den Namen Dorfbach trug.