31.10.2017

Plötzlich ist es aus mit Harmonie und Frieden

Auf dem Liebiwil-Hof hängt der Haussegen schief (v.?r.) Chrischte (Hans Rudolf Kummer), Änneli (Antonia Flury), Resli (Bendicht Eggimann), Annelisi (Jessie Fankhauser) und Chrischti (Dominik Zürcher).

Auf dem Liebiwil-Hof hängt der Haussegen schief (v.?r.) Chrischte (Hans Rudolf Kummer), Änneli (Antonia Flury), Resli (Bendicht Eggimann), Annelisi (Jessie Fankhauser) und Chrischti (Dominik Zürcher).

Walkringen • In neun Tagen ist im Rüttihubelbad Premiere für die neuste Produktion der Emmentaler Liebhaberbühne: eine Neuinszenierung Rudolf Stalders berndeutschen Bühnenfassung von Gotthelfs «Geld und Geist».

Jürg Amsler

Die Emmentaler Liebhaberbühne (ELB) hat in den letzten Jahren mit neuzeitlicher Theaterliteratur bewiesen, dass sie jedes Bühnenstück spielen kann. Die Emmentaler Laienbühne und der Emmentaler Dichterpfarrer scheinen jedoch eine besondere, erfolgreiche Symbiose zu sein. Über 2000 Platzreservationen seien für die diesjährige Produktion bereits eingegangen, wird von der ELB-Geschäftsstelle vermeldet. «Geld und Geist» von Jeremias Gotthelf zieht offensichtlich – und lässt die Kasse klingeln. 24 Mal wird die von Ulrich Simon Eggimann neu inszenierte berndeutsche Bühnenfassung von Rudolf Stalder im Rüttihubelbad gespielt. Unter dessen Regie wurde der Gotthelf-Klassiker 1990/91 von der ELB in Mundart uraufgeführt. Jetzt, fast drei Jahrzehnte später, ist Eggimann sprachlich und dramaturgisch auf das Theaterverständnis der heutigen Zeit eingegangen. So wie es das Publikum von der ELB gewohnt ist. 

Unterhalten, nicht belehren

In seinem 1842 geschriebenen Roman ging es Jeremias Gotthelf vordergründig nicht um die kleinbäuerliche Lebenswelt zweier Emmentaler Familien. Vielmehr wollte er aufzeigen, wie Gelddenken die Harmonie und den Frieden zu zerstören drohten. Christen, der Bauer vom Liebiwil-Hof lässt sich vom hinterlistigen Dorfschreiber überreden, mit Mündelgeldern zu spekulieren. Alles Geld geht jedoch verloren und der Geprellte muss der Gemeinde alles zurückzahlen. Seine Frau Änneli, die zwar kaum ausser Haus geht und doch alles weiss, bekommt Wind von der Sache. Der Hausfrieden gerät arg ins Wanken. Erst ein Predigtbesuch lässt den Scherbenhaufen nicht noch grösser werden.

«Wo der Geist eine Heimstatt hat, kann Geld sehr wohl zum Segen werden.» Gotthelfs Botschaft ist heute nicht weniger bedenkenswert als zu seinen Zeiten. Die ELB wolle dies mit ihrer Inszenierung von «Geld und Geist» allen in Erinnerung rufen. Nicht in belehrendem Ton, sondern unterhaltend und dennoch mit Tiefgang, ist im Programmheft zu lesen.

Jeremias Gotthelf schrieb «Geld und Geist» in zwei Etappen. Der erste Teil endet mit der Versöhnung der Eheleute auf Liebiwil, der zweite, im Jahr darauf, mit dem glücklichen Ausgang der Liebesgeschichte von Liebiwil-Resli und Dorngrüt-Annemareili.