Jobs von A bis Z.

14.11.2017

Zwei Streithähne und viel Italianità

Die konservativen Anhänger von Priester Don Camillo auf der einen, die roten Revoluzzer um Bürgermeister Peppone auf der anderen Seite.

Die konservativen Anhänger von Priester Don Camillo auf der einen, die roten Revoluzzer um Bürgermeister Peppone auf der anderen Seite.

Münsingen • Die Aaretaler Volksbühne will mit «Don Camillo und Peppone» beste Werbung für das bevorstehende Junbiläum im nächsten Jahr machen.

Jürg Amsler

«Wir müssen in diesem Jahr mit unserem Stück beim Publikum ankommen.» Samuel Kobel, Präsident der Aaretaler Volksbühne (AVB), weiss um die grosse Erwartungshaltung, die an «Don Camillo und Peppone» gestellt wird. «Die Zuschauerinnen und Zuschauer im Schlossgutsaal werden uns an der gezeigten Leistung im aktuellen Stück messen. Was wir in den letzten 99 Jahren vollbracht haben, ist für die Meisten nur noch blasse Erinnerung.» Kobel – er spielt Peppone, «für mich eine Prachtsrolle» – denkt bereits ans nächste Jahr. Dann kann die AVB ihr 100-jähriges Bestehen feiern.

Der unmittelbaren Zukunft blickt er zurecht getrost entgegen: «Wir stellen uns der Herausforderung. Unser Gastregisseur, Ueli Remund, hat alles im Griff. Seine fachliche Kompetenz wird von allen wahrgenommen. Seine ruhige Art hat sich auf die ganze Truppe übertragen.» Und das ist in diesem Jahr ein stattlicher Haufen.

Über 30 Spielerinnen

und Spieler stehen auf der Bühne. Auf der einen Seite die roten Revoluzzer um Bürgermeister Peppone Botazzi. Ihnen gegenüber stehen die kirchentreuen, konservativen Anhänger von Priester Don Camillo.

«Es ist nicht einfach, so viele Leute zu dirigieren. Doch meine Anweisungen werden restlos befolgt und umgesetzt», lobt Ueli Remund die Probearbeit der «Aaretaler». Er führt zum ersten Mal Regie bei der AVB und hat für sie die Komödie von Georg Theobalt nach dem Roman von Giovanni Guareschi in Mundart übersetzt. Samuel Kobel kann nur beipflichten: «Wir schätzen es sehr, dass uns in diesem Jahr das Jugendtheater Münsingen unterstützt. Die jungen Spielerinnen und Spieler haben unter der Leitung von unserem Mitglied Hans Abplanalp erste Bühnenerfahrung gesammelt und sich bestens integriert. Es ist für alle eine Bereicherung.» Für den erfahrenen Theatermann Remund ist es wichtig, dass seine Inszenierung deutlich macht, was Guareschi den zerstrittenen Parteien in Italien in den Nachkriegsjahren aufzeigen wollte:

«Politische Gegner sind keine Feinde. Nur wer sich wie Don Camillo und Peppone letztlich zusammenraufen und versöhnen kann, wird eine Zukunft haben.»

Das sei vor über 60 Jahren so gewesen und gelte nach wie vor. Für Ueli Remund hat der durch Fernandel in der Rolle des streitbaren Priesters berühmt gewordene

Kinoklassiker aus den 1950-er Jahren an Aktualität nichts verloren. Wers nicht glauben will, kann sich an einer der Vorstellungen – es hat für alle noch freie Plätze – selber ein Bild machen. In «Don Camillo und Peppone» gibt es viel zu sehen, Amüsantes und Tiefgründiges und vor allem ein versöhnliches Ende. Etwas, das gut in die kommende Adventszeit passt.