22.03.2016

Gemeinnützige Freiwilligenarbeit analysiert

Markus Sieber hat in seiner Masterarbeit die gemeinnützige Freiwilligenarbeit auf Gemeindeebene am Beispiel des Gemeinnützigen Vereins (heute Ortsverein) Wattenwil untersucht.

Markus Sieber hat in seiner Masterarbeit die gemeinnützige Freiwilligenarbeit auf Gemeindeebene am Beispiel des Gemeinnützigen Vereins (heute Ortsverein) Wattenwil untersucht.

WAttenwil • Die 150-jährige Geschichte des Ortsvereins ist von Markus Sieber, Diplomand an der Universität Bern, wissenschaftlich aufgearbeitet worden. Seine Masterarbeit ist nicht nur für Historiker interessant.

Rita Antenen

Wattenwil: So ganz unbekannt ist Markus Sieber dieser Ort im Gürbetal nicht. Seine Urgrosseltern hatten in der Mett­len ein Bauernhaus und sein Grossvater ist dort aufgewachsen. Das Dorf seiner Vorfahren näher kennenzulernen, war jedoch nur einer der Gründe, warum er sich für die Ausschreibung beworben hatte. «Mein Interesse galt ebenso der freiwilligen Vereinsarbeit. So bot mir die gemeinnützige Freiwilligenarbeit des Ortsvereins Wattenwil die Gelegenheit für eine historische Analyse», erklärt Sieber. Da ein grosser Teil der Freiwilligenarbeit von Vereinen geleistet wird, ist in der Vergangenheit in mehreren Studien deren unersetzliche Bedeutung für das öffentliche Leben der Schweiz aufgezeigt worden. Übereinstimmende Erkenntnisse zeigten deutlich, dass sowohl das politische System als auch viele Einrichtungen ohne das freiwillige Engagement von Bürgerinnen und Bürgern nicht möglich wären.

Schriften gesichtet 

«Es war gar nicht so einfach, sich bei den vielen Unterlagen einen Überblick zu verschaffen», sagt Markus Sieber. Rund neun gefüllte Bundesordner, alte Schriften, die nicht alle gut lesbar waren, ausführliche Notizen sowie nur stichwortartige Bemerkungen forderten ihn heraus. Wertvolle Gespräche führte er mit Gerrendina Gerber-Visser. Sie hat die Masterarbeit von Seiten des Vereins als wissenschaftliche Expertin begleitet. Die Unterlagen von Erich Obrist sowie die Bereitstellung der Dorf­chronik durch Peter Herzog halfen Sieber bei seinem gesamten Arbeitsprozess. Während dieser Zeit stand ihm Chris­tian Rohr als wissenschaftlicher Betreuer des Historischen Instituts ebenfalls bei Bedarf beratend zur Seite. Letztlich hat sich der Aufwand gelohnt. Markus Sieber erhielt für seine 151 Seiten umfassende Masterarbeit die Höchstnote 6. Der Verfasser ist natürlich erfreut von der guten Resonanz. 

Soziales Engagement soll bestehen

Anlässlich einer Diskussion zum 150-Jahr-Jubiläum beschloss der Vereinsvorstand, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Deren Mitglieder sollten eine Beziehung zum Ortsverein haben. Innerhalb dieser Arbeitsgruppe wurde schnell einmal klar, dass niemand die notwendige Zeit für die Aufarbeitung der Vereinsgeschichte aufbringen konnte. So gelangte der Vereinsvorstand an die Abteilung für Wirtschaft-, Sozial- und Umweltgeschichte der Universität Bern und hat am Historischen Institut einen Auftrag für die Erstellung einer entsprechenden Masterarbeit ausgeschrieben. Nach der Ausschreibung erhielt Markus Sieber im August 2013 den definitiven Zuschlag. Rund ein Jahr später reichte er seine Arbeit ein.

Der Präsident des Ortsvereins, Christoph Bornhauser, ist sich bewusst: «Die Masterarbeit sagt dem Ortsverein sehr zu und gefällt. Sie ist nicht nur für Historiker, sondern für alle Interessierten vielfältig, wissenschaftlich und sehr gut lesbar. Mir liegt das soziale Engagement des Ortsvereins sehr am Herzen. Es ist aber bei uns schwierig, motivierte Personen für die Arbeit in den verschiedenen Ressorts zu finden.» Der gesellschaftliche Wandel wird den Ortsverein in Zukunft beschäftigen. Ziel wird sein, die heutigen Standbeine Spielgruppe, Ferienpass, Bibliothek und den Weihnachtsmarkt unbedingt zu erhalten.