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20.09.2016

Bettwanzen – Bedrohung im Bettgestell

Heinz Wälti bei der Behandlung eines Bettrosts mit einem Dampfgerät.

Heinz Wälti bei der Behandlung eines Bettrosts mit einem Dampfgerät.

Heimenschwand • Gerade im Sommer bleiben Bettwanzen oft lange unbemerkt, sagt Heinz Wälti. Der Schädlingsbekämpfer geht mit einer chemiefreien Methode gegen das Ungeziefer vor.

Janine Zürcher



«Bis ein Kunde sich wegen Bettwanzen bei mir meldet, dauert es oft mehrere Monate», erklärt Kammerjäger Heinz Wälti. Grund dafür sei besonders im Sommer eine Fehlinterpre-tation: «Wenn es juckt, denken viele Leute sofort an Mückenstiche. Erst wenn im Herbst oder gar Winter keine Besserung eintritt, werden Wanzen vermutet.» Schädlingsbefall im eigenen
Zuhause ist zudem ein ungeliebtes Thema und gerade Bettwanzen gelten als Zeichen von mangelnder Hygiene. Dass dem nicht so ist, bestätigt Fachmann Wälti: «Man kann heute überall mit Bettwanzen in Kontakt kommen, sei es in der Jugendherberge oder im Fünf-Sterne-Hotel.» Man reise schneller und öfter als noch vor wenigen Jahren, dadurch sei es für die Parasiten einfach, sich zu verbreiten. Trotzdem erlebt Wälti tagtäglich, dass ein Bettwanzenbefall den Betroffenen äusserst unangenehm ist. «Diskretion und Vertrauen sind deshalb das Wichtigste in meinem Beruf. Im Grunde habe ich eine Schweigepflicht wie ein Arzt», so der Kammerjäger. Bettwanzen sind nicht die einzigen Schädlinge, die Heinz Wälti bekämpft. Oftmals wird er auch angerufen, wenn Hornissen, Wespen, Marder oder Mäuse Schaden anrichten und entfernt werden müssen.

Kontrollblick im Schlafzimmer


Um Bettwanzen zu vermeiden, rät Heinz Wälti, gerade in Hotels das Zimmer kurz zu überprüfen: Finden sich an Bilderrahmen, rund um Steckdosen oder direkt auf dem Lattenrost kleine schwarze Punkte, könnte es sich dabei um Kotspuren von Bettwanzen handeln. Diese befinden sich nicht hauptsächlich in der Matratze, wie oft angenommen wird, sondern vielmehr im Bettgestell und in der Schlafzimmerwand. Hilfreich sei auch, Gepäck nach den Ferien nicht direkt im Schlafzimmer zu deponieren, sondern Kleidung erst einmal zu waschen. Bemerkt man daheim einen Bettwanzenbefall, so empfiehlt Wälti, sofort einen Fachmann zu rufen. «Im Internet finden sich zwar Methoden zur Selbstbehandlung von Bettwanzen, diese machen das Problem aber nur schlimmer», erzählt er und erinnert sich an einen Einsatz, bei dem er das gesamte Haus von Bettwanzen reinigen musste. Die Besitzer hatten erst selbst versucht, die Wanzen im Schlafzimmer durch eine Wärmebehandlung loszuwerden. Mit handelsüblichen Öfen wird aber nicht genug Hitze erzeugt, die Tiere wichen vor der Wärme zurück und verteilten sich so im ganzen Haus. Bei einer Profibehandlung sterben die Wanzen in der Hitze des Thermogeräts.


Ohne Gift gegen die Wanzen


Wälti war während Jahren in einer internationalen Firma als Schädlingsbekämpfer tätig. Dort wurden früher zur Bekämpfung von Bettwanzen oft Insektizide eingesetzt, «giftiges Zeug, das ich nicht in meinem Schlafzimmer haben möchte», sagt er. Als Alternative dazu bietet sich die ebenfalls weit verbreitete Thermobehandlung an, eine Methode, bei der ein Raum auf über 55 Grad Celsius erwärmt wird und Wanzen sowie deren Eier abgetötet werden. Seit Wälti sich 2013 selbständig machte, ist er vermehrt auf der Suche nach neuen Methoden zur Schädlingsbekämpfung. So setzt er heute gegen die Bettwanze vor allem ein spezielles Dampfgerät ein, das mit Wasser und Desinfektionsmittel gegen die Tiere vorgeht. Dabei verzichtet Wälti während einer Behandlung nach Möglichkeit auf Chemikalien und geht effizient gegen Wanzen und deren Eier vor. «Ich denke, dass gerade solche nachhaltigen Methoden in Zukunft immer gefragter sein werden», begründet er diese Wahl.