13.06.2017

Biomilk verlagert Produktionsstandort nach Worb

Die naturnahe und schonende Milchverarbeitung erfordert viel Handarbeit.

Die naturnahe und schonende Milchverarbeitung erfordert viel Handarbeit.

Münsingen • Die Philosophie der Firma Biomilk AG gründet auf naturnaher Produktion: Joghurt, Quark und Desserts werden aus frischer Rohmilch hergestellt. Nun baut Biomilk mit der Fusionspartnerin Chäsi Worb eine neue Milchmanufaktur.

Yvonne Baldinini

Die Schafe von Eugen und Catherine Vonwiller ruhen sich an diesem Frühsommertag im Schatten des Hofs in Burgistein aus. Das Blöken eines zwei Tage alten Lämmleins unterbricht kurz die Stille. Rund zwei Monate wird es bei seiner Mutter verbringen. Von ihr und weiteren 25 Schafen können die Bauers­leute in dieser Zeit keine Milch gewinnen. Einige Schafe grasen auf der hügeligen, florareichen Weide des nach biologisch-dynamischen Ansprüchen geführten Betriebes. Soeben hat Eugen Vonwiller einen Teil der Schafe gemolken. Er bringt nun den frischen Rohstoff nach Münsingen.

Handwerklich schonende Verarbeitung

Ein Angestellter der Biomilk AG schüttet die Milch vorsichtig in die Behälter. Statt sie durch Leitungen zu pumpen ist hier, hinter dem Bahnhof in Münsingen, Handarbeit gefragt. «So bleiben die Fettmoleküle unverändert», erklärt Geschäftsleiter Marcel Schär. Die Fachleute der Biomilk entziehen dem kostbaren Gut kein Fett. Vonwillers Schafmilch behält je nach Fütterung und Laktationszeit des Tieres einen hohen oder niedrigen Fettanteil. Die Milch wird nur pasteurisiert und nicht auf 130 Grad erhitzt wie beim UHT-Verfahren. Eine Angestellte kocht frische Aprikosen für die Fruchtjoghurts. Letztere fallen etwas dünnflüssiger aus als die herkömmlichen. Denn die Mitarbeitenden geben kein Milchpulver bei, um die Festigkeit zu erhöhen. «Wir sehen, riechen und schmecken die Milch, bis wir sie in die Becher abfüllen», beschreibt Schär den naturnahen Ablauf der Verarbeitung. 

Die Hälfte der abgefüllten Becher und Flaschen landet im Biofachhandel. Weitere Abnehmer sind zu je 20 Prozent Coop und Manor. Elf Landwirte aus der Umgebung liefern dem Unternehmen pro Jahr 730?000 Kilogramm Kuh- und 120?000 Kilogramm Schafmilch. Diese stammt ausschliesslich aus Demeter- und Bio-zertifizierten Betrieben.

Erweiterte Produktion in Worb

Laut Schär ist die Nachfrage für Nahrungsmittel mit diesen Labeln gestiegen. Um ein Mehrfaches herstellen zu können, zieht die Biomilk AG nächstes Jahr in eine neue Milchmanufaktur in Worb. Den Bau ermöglicht die Pensionskasse CoOpera, die grossen Wert auf nachhaltige Investitionen legt. Das Ittiger Unternehmen ist gleichzeitig einer der Hauptaktionäre.

Der Umzug hat zudem praktische Gründe: Die Biomilk AG fusionierte im vergangenen Jahr mit dem 100-jährigen Traditionsgeschäft Chäsi Worb. Damit werden beide Produktionen zusammengefasst. Mit einem Umsatz von 4,5 Millionen Franken schreibt die Biomilk AG zurzeit eine schwarze Null. Schär schweben für die Zukunft 10 Millionen Franken Umsatz vor. Über einen Franken pro Liter zahlt die Münsinger Molkerei dem Bauern für Demeter-Milch – doppelt so viel wie für konventionelle Milch. «Wir stehen unter Druck des Lieferanten, der ein höheres Entgelt wünscht, und dem Konsumenten, der weniger bezahlen möchte», sagt der gelernte Käser.

Grossverteiler kurbeln Produktion an

Früher setzte die Münsinger Firma ausschliesslich auf den Biofachhandel. Als die Grossverteiler jedoch das Label «Bio» entdeckten, wurde es schwierig, in diesem Segment zu überleben. Wer Bio-Joghurte suchte, fand sie nun auch im Gestell der Detailhandels-Riesen. Die Biomilk AG machte aus der Not eine Tugend und erreichte, dass Manor und Coop besondere Produkte wie das Panna Cotta in ihr Sortiment aufnahmen. «Das gab uns einen Wachstumsschub», schildert Schär.

Starbucks und Alnatura als Kunden

Im Weiteren kommt die Biomilk AG Spezialwünschen nach. Die amerikanische Kaffeekette Starbucks bestellt beispielsweise ihr fruchtunterlegtes Bio-Joghurt beim Münsinger Produzenten. Neu füllt die Firma auch Bio- und Demetermilch für Bioläden ab. «Uns hilft zusätzlich, dass die deutsche Bio-Supermarktkette Alnatura in der Schweiz Fuss fasst», erläutert der Geschäftsleiter.

Die Biomilk AG entwickelte «Vitaljoghurte» und «Vitalquark» für das Psychiatriezentrum Münsingen, um dem Ernährungstrend der «fitten» Gesellschaft zu folgen. Dort stellen die Verantwortlichen zurzeit die Gastronomie auf zuckerarme und proteinreiche Ernährung um. Schär hofft, dass andere Kliniken bald mitziehen.