05.12.2017

Fahrdienst für Schluckspechte und Schnapsdrosseln

Nez Rouge

Nez Rouge

Feiertage • Nun fahren sie wieder, die Freiwilligen, welche sich mitten im hektischen Advent die Zeit nehmen, um Angetrunkene nach Hause zu fahren und so Sicherheit zu schaffen.

Sebastian Meier/pd

Ein Schuss Kirsch im Fondue, dazu ein Gläschen Weissen, später vielleicht noch ein zweites, draussen noch einen Pappbecher mit Glühwein und dann auf spiegelglatten Strassen gemütlich nach Hause fahren – so oder ähnlich haben sich in der Vergangenheit viele tragische Unfälle angebahnt. Gefährlich ist die Kombination aus Alkoholkonsum und Autofahren allerdings nur dann, wenn sich der oder die Angetrunkene selbst ans Steuer setzt. Um dies zu verhindern gibt es in der Schweiz seit Jahren die Aktion Nez Rouge – freiwillige Helferinnen und Helfer verzichten auf Kirsch, Glühwein und alle anderen Rauschmittel, und sorgen dafür, dass die «roten Nasen» mitsamt ihrem Gefährt sicher wieder nach Hause kommen. 

Neu auch beim Abendverkauf

Nez Rouge ist eine nationale Präventions- und Sensibilisierungskampagne zur Förderung der Verkehrssicherheit. 26 unabhängige Sektionen engagieren sich im Fahrdienst oder setzen sich auch dafür ein, dass beispielsweise unter Freunden ein Fahrer bestimmt wird, der fahrfähig bleibt. Im Berner Oberland ist Nez Rouge bereits seit dem Jahr 2003 tätig. Zuletzt wurden in der Weihnachtszeit etwa 300 Freiwilligeneinsätze gezählt, rund 500 Fahrten gefahren, 19 000 Kilometer bewältigt und über 1100 Personen sicher nach Hause gefahren.

Laut Mitteilung werden gegenüber den Vorjahren die Einsatzzeiten angepasst. Neu ist Nez Rouge Berner Oberland auch während den Thuner Sonntagsverkäufen vom 10. und 17. Dezember jeweils von 17 – 22 Uhr im Einsatz.

Bern wächst weiter

Etwas jünger ist das Angebot in der Region Bern. Nach einigen Startschwierigkeiten (kurzzeitig machten sich zwei konkurrierende Fahrdienste die Fahrer und Kundinnen streitig) fahren die Freiwilligen Helferinnen und Helfer dort seit fünf Jahren unter der schweizweit bekannten Marke Nez Rouge. Im letzten Jahr waren bereits stolze 175 Freiwillige beteiligt, welche von Anfang bis Ende Dezember jeweils bis in die frühen Morgenstunden in knapp 300 Einsätzen exakt 378 Personen chauffierten. Dafür waren 656 Fahrten notwendig. Das bedeutete damals nicht nur einen Rekord für die junge Sektion, sondern lag auch deutlich über dem schweizerischen Durchschnitt. 

Nordamerikanisches Vorbild

Die Idee für Nez Rouge stammt übrigens aus Kanada, wo vor über drei Jahrzehnten ein Schwimmlehrer mit seinen Schwimmerinnen einen ähnlichen Fahrdienst aufzog. In der Schweiz wurde die Idee erstmals vor 27 Jahren im Jura aufgegriffen. Damals wie heute ist der Dienst kostenlos, Spenden sind aber hoch willkommen.