06.03.2018

Genuss aus pflanzlicher Vielfalt

Céline Gàl, Gastgeberin im «V-mOnd», dem ersten veganen Restaurant im Kanton Bern.

Céline Gàl, Gastgeberin im «V-mOnd», dem ersten veganen Restaurant im Kanton Bern.

Thun • Fleischliebhaberinnen sind genauso willkommen wie Tierrechtsaktivisten – doch serviert werden im «V-mOnd» ausschliesslich Köstlichkeiten aus pflanzlichen Zutaten.

Salome Guida

Auf der Suche nach guter Küche ohne tierische Zutaten tappen Oberländerinnen und Oberländer nicht mehr länger im Dunkeln: Lauter kleine Vollmonde weisen in der Thuner Altstadt den Weg zum Restaurant und Take-away «V-mOnd». Unweit des Rathausplatzes, zwischen Aare und Gerberngasse, erstrahlen die vormaligen Räumlichkeiten des Restaurants Passage in neuem Glanz. Indirektes Licht sorgt für Gemütlichkeit, gepolsterte Bänke laden zum Verweilen ein, und auf den Vierertischen liegen verschiedenfarbige Vollmonde mit dem Speise- und Getränkeangebot. Céline Gàl, Inhaberin und Wirtin, heisst alle herzlich willkommen: «Ich will einen Ort zum Geniessen schaffen», erklärt sie. Es geht ihr nicht darum, Leute zum Veganismus zu bekehren: «Ich wünsche mir sogar Gäste, die der pflanzenbasierten Küche kritisch gegenüber stehen», so die Gastgeberin. Gerade ihnen möchte sie die Vielfalt und die schöne Seite des Veganismus zugänglich machen.

Durchdachtes Konzept

In Thun und im Oberland sei das Angebot an rein pflanzlichen Speisen noch sehr dürftig, so Gàl. Mit ein Grund, warum die Lehrerin alles auf die Karte Gastronomie setzte. Das «V-mOnd» erweitert das Thuner Gastro-Angebot in der Tat um einige Facetten: Verarbeitet werden ausschliesslich hochwertige Rohstoffe, wenn immer möglich in Bio-Qualität. Dabei werden auch Nischenprodukte von lokalen Anbietern ins helle Vollmondlicht gerückt, etwa der schweizweit als Geheimtipp gehandelte «Casheeze», eine an Käse erinnernde fermentierte Spezialität aus Cashew-Nüssen. Sie wird um die Ecke produziert, nämlich hinter dem Schloss Thun. Nachhaltigkeit ist für die Wirtin Gàl nicht nur ein Schlagwort: In der Küche wird auf Produkte mit dem umstrittenen Palmöl verzichtet, und die Take-away-Gäste dürfen ihr eigenes Geschirr mitbringen. Spontane Besucherinnen und Besucher können ihren Lunch in Kartonbehältern mitnehmen.

Konzepte wie diese kennt man sonst eher aus Berlin oder Zürich. Doch Gàl zog es nicht in die grossen Zentren: «Ich mag es klein und gemütlich – Thun ist meine Stadt.»

Vom Märit-Zmorge bis zum Fünfgänger

Ein Mondzyklus beginnt bei Céline Gàl am Montagmorgen: Frühstücksteller mit Brot, süssen und salzigen Aufstrichen, Cashewkäse und Müesli. Über den Mittag sind diverse Snacks im Angebot: Etwa Salatteller, «Belegte Brötli» oder «Lauwarme Gschweuti». Am Dienstag, Donnerstag und Freitag steht mittags zusätzlich ein warmes Buffet bereit. Am Freitag wird abends ein «Dinner» angeboten – auf Reservation. Jeder dieser Abende ist einem Thema gewidmet: Von «Schwizer Chuchi» über «Naher Osten» bis zu «Tapas» oder einem Degustations-Fünfgänger. Der Samstag beginnt früh: Aufgrund der direkten Nachbarschaft zum Rathausplatz wird bereits ab 6 Uhr bis kurz vor Mittag ein «Märit-Zmorge» serviert. Abgeschlossen wird die Woche mit Pancakes, Rösti, Fruchtsäften und mehr: Der Sonntagsbrunch tönt vielversprechend – vorgängiges Reservieren ist sicher empfohlen.

Ein Spezialabend darf nicht unerwähnt bleiben: Das Erdtrabanten-Thema zieht sich nämlich durch bis auf den Teller: Jeweils zu Vollmond wird ein Omelettenabend durchgeführt, mit süss oder herzhaft gefüllten Teigmonden, einer Spezialität Gàls.