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17.04.2018

Kameradschaft wird gelebt wie eh und je

Das Soldatendenkmal bei der Kirche Oberdiessbach erinnert an die vor 100 Jahren verstorbenen «9er-Dragoner». Jürg Amsler

Das Soldatendenkmal bei der Kirche Oberdiessbach erinnert an die vor 100 Jahren verstorbenen «9er-Dragoner». Jürg Amsler

Oberdiessbach • An einem Gedenkgottesdienst soll an die zwölf ehemaligen Dragoner des «Berner Oberländer Schwadrons» erinnert werden, die 1918 im Aktivdienst an den Folgen der Spanischen Grippe verstorben sind.

Jürg Amsler

Die Vereinigung der ehemaligen «9er-Dragoner» zählt heute – 46 Jahre nachdem die Schweiz als letztes europäisches Land die berittenen Truppen abgeschafft hat – noch knapp 300 Mitglieder. Die Wehrmänner der einstigen «Berner Oberländer Schwadron» rekrutierten sich aus dem Aare- und Gürbetal, Teilen des Emmentals und aus dem ganzen Berner Oberland. Wie vor Jahren im Militärdienst ist die Kameradschaft unter den Kavalleristen nach wie vor ungebrochen, was sich in immer wiederkehrenden Anlässen manifestiert. «9er bleiben 9er», sagt Andreas Dähler aus Oppligen. Er ist gegenwärtiger Obmann der Vereinigung und diente bis 1972 als Feldweibel bei der Dragoner Schwadron 9. Ab 1973 wurden die Kavalleristen zu Panzergrenadieren umgeschult.

Das Jahr 2018 ist für die ehemaligen «Neuner» mit einer besonders schmerzlichen Erinnerung verbunden. Vor 100 Jahren – in der Schlussphase des 1. Weltkrieges und in der Zeit der sozialen Unruhen in der Schweiz, die im November 1918 mit dem Landesstreik ihren Höhepunkt erreichten – starben zwölf Angehörige des Dragoner Schwadrons 9 an den Folgen der «Spanischen Grippe», sechs alleine aus der Kirchgemeinde Oberdiessbach. Ihre Namen sind neben der Inschrift «Für Friede und Freiheit im Vaterlande» am Soldatendenkmal bei der Kirche verewigt.

Alle sind willkommen

«Zu Ehren dieser Kameraden, die im Einsatz für ihr Vaterland das Leben lassen mussten, veranstalten wir am kommenden Sonntag in der Kirche Oberdiessbach einen Gedenkgottesdienst. 210 Personen sind bereits angemeldet. In der Kirche hat es jedoch genügend Platz, damit die Bevölkerung aus der Kirchgemeinde und der Region an der Gedenkfeier teilnehmen kann. Alle sind herzlich willkommen», sagt Andreas Dähler. Er freut sich über das grosse Interesse und darüber, dass im Anschluss an den von Pfarrer Hansruedi Spichiger gehaltenen und von den «Hore-Jodlern» umrahmten Gottesdienst alle Besucherinnen und Besucher von der Familie von Wattenwyl zum Apero in den Gasthof Löwen eingeladen sind. «Vorfahren der heutigen Schlossbesitzer haben als stolze ‹9er-Dragoner› die Schwadron kommandiert», knüpft Dähler die Verbindung.

Vereinigung ehemaliger «9er-Dragoner», Gedenkgottesdienst in der Kirche Oberdiessbach, Sonntag, 22. April, 9.30 Uhr.

Fast 25 000 Todesopfer

Die «Spanische Grippe» gilt als eine der schlimmsten Pandemien der Geschichte. Sie traf die Schweiz in drei Wellen: im Juli 1918, im Oktober–November 1918 und im Dezember–März 1918–1919. In der Schweiz fielen der Grippe fast 25 000 Menschen zum Opfer und etwa 744 000 Menschen erkrankten daran. Verschiedenen Schätzungen zufolge soll sie weltweit 25 bis 50 Mio. Menschenleben gekostet haben.

Berittene Kampftruppe

Die Kavallerie war bis Ende 1972 die berittene Kampftruppe (Infanterie) der Schweizer Armee. Eine Schwadron bildete eine Einheit, ähnlich einer Kompanie/Batterie bei anderen Waffengattungen, und umfasste gemäss Etat 6 Offiziere, 26 Unteroffiziere, 128 Dragoner, 153 Reitpferde, 11 Tragpferde, 4 Maschinengewehre MG 51 und 6 Raketenrohre. Die Dragoner ersteigerten vom Bund ein Bundespferd («Eidgenoss»). Dieses unterhielten, pflegten, und trainierten sie, um jederzeit für einen sofortigen, militärischen Einsatz bereit zu sein. Sie absolvierten mit ihrem «Eidgenoss» jährlich ihre militärischen Wiederholungskurse. Nach Auflösung der Kavallerie wurde als Traditionseinheit die Schweizer Kavallerieschwadron 1972 gegründet. Als militärischer, ausserdienstlicher Verein bezweckt sie die Erhaltung der Kavallerietradition sowie die Bewahrung und Weitergabe des Wissens der ehemaligen Dragoner an die Nachwelt.

www.kavallerieschwadron.ch