«Eine rundum gute Sache»
«Verd» ist ein neues bargeldloses Bezahlungsmittel, das Geld nicht vermehren will, sondern nachhaltig und fair verteilen. Jede in der Schweiz wohnhafte Person ist berechtigt, einen Anteilschein der «Verd Purpose Genossenschaft» für 5 Franken zu erwerben. Seit Januar 2025 führt «Verd» für jede politische Gemeinde in der Schweiz ein eigenes Gemeindetopf-Konto. Dieses Konto sammelt automatisch einen Anteil der Einnahmen aus Transaktionen mit der Prepaid-Karte «VERD.cash», abhängig vom Wohnsitz der zahlenden Personen. Wenn eine Gemeinde das so gesammelte Geld für lokale Projekte einsetzen will, muss die Exekutive der Gemeinde, also der Gemeinderat, die Aktivierung eines Gemeindetopfs beantragen. Erfolgt keine Aktivierung durch die Gemeinde, wird das Guthaben, das dieser zustehen würde, dem Landestopf gutgeschrieben. Die erste Gemeinde, die einen solchen Topf äufnete, war die Gemeinde Riggisberg für einen einmaligen Beitrag von 650 Franken. Die Gemeinden zahlen eine einmalige Gebühr von 50 Rappen oder einem Franken pro Haushalt. Bei der Variante mit einem Franken pro Haushalt zahlt die Gemeinde erst dann, wenn derselbe Betrag im Gemeindetopf angesammelt wurde.
Gemeinde Belp ist überzeugt
Inzwischen schliessen sich immer mehr Gemeinden «Verd» an. Darunter befindet sich auch die Gemeinde Belp. «Die Idee, dass durch alltägliche Finanztransaktionen Geld zurück in die Gemeinde fliesst und dadurch gemeinschaftliche Projekte finanziert werden können, hat uns überzeugt», sagt Gemeindepräsident Stefan Neuenschwander (SP). Die Gemeinde wurde Anfang 2025 als eine der ersten von Christian Wohlwend, dem Gründer von «Verd», kontaktiert. Darauf sei das Geschäft im Gemeinderat zweimal diskutiert worden. «Bei der ersten Diskussion war man sich noch zu wenig sicher, ob es auch genügend Rückhalt im Belper Gewerbe gibt», erklärt Stefan Neuenschwander. Denn «Verd» könne nur funktionieren, wenn das Gewerbe mitmache. «Nach diversen Abklärungen konnte dann in einem zweiten Schritt dem Beitritt zugestimmt werden», so Stefan Neuenschwander.
Alle profitieren
«Die Geschäftsidee ist beeindruckend sowie innovativ und wir möchten unserer Kundschaft einen Mehrwert bieten», sagt Martin Schwander, Inhaber der Metzgerei Schwander in Belp. Als Geschäftsinhaber profitiere er von tieferen Gebühren auf den Transaktionen, klarer Abrechnung und pünktlicher Überweisung. Einzelne Geschäfte und Online-Shops können sich «Verd» ohne grossen Aufwand anschlies-sen. Das Zahlungssystem kann auf bestehenden EFT/POS-Geräten aktiviert oder per App auf dem Smartphone empfangen werden.
Martin Schwander hat einen weiteren Standort in Riggisberg und war daher von Anfang an dabei. Die ersten Wochen sei die Karte noch etwas zögerlich eingesetzt worden, aber mittlerweile werde immer häufiger damit bezahlt. In Riggisberg zurzeit noch etwas mehr als in Belp. Insgesamt sei die neue Bezahlmethode von der Kundschaft aber «wohlwollend» aufgenommen worden. Er selbst ist von der Idee überzeugt: «Ich denke, dass sich ‹Verd› durchsetzen wird, da alle Marktpartner davon profitieren können», erklärt er.
Zusammenleben fördern
Auch Stefan Neuenschwander lobt das Konzept: «Die lokale Wertschöpfung wird durch ‹Verd› doppelt gestärkt, da bei Einkäufen nicht nur das Gewerbe profitiert, sondern auch ein Teil des Geldes zurück in die Gemeinde fliesst», erklärt er. «Jene Belperinnen und Belper, welche über einen ‹Verd›-Genossen-schaftsschein verfügen, können dann basisdemokratisch abstimmen, wie sie das Geld im Gemeindetopf gemeinnützig einsetzen wollen. Das wiederum fördert den Austausch und das Zusammenleben im Dorf. Eine rundum gute Sache.» Gemäss Stefan Neuenschwander wird die Wirkung umso grösser, je mehr Gemeinden und Menschen sich bei «Verd» beteiligen. «Daher empfehle ich allen Gemeinden und ihren Einwohnenden, möglichst bald ein Teil von ‹Verd› zu werden.»