
Weitere Artikel von Adrian Hauser
Vitamin-G-Effekt
Meine Tante bewohnte mit ihrer Familie ein kleines Einfamilienhaus mit grossem Gemüse- und Obstgarten. Daneben bepflanzte ihr Vater zwei weitere Schrebergärten mit Gemüse und Beeren. In der Regel wurden auch Kaninchen gehalten, damit der Tisch etwas reicher gedeckt werden konnte. Es ist erst wenige Jahrzehnte her, dass diese Gärten für zahlreiche Familien lebensnotwendig waren.
«Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum.» (Dieter Kienast, Schweizer Landschaftsarchitekt)
Heute ist der Garten tatsächlich zum Luxus geworden, sind wir doch nicht mehr von dessen Erträgen abhängig. Demgegenüber ist wissenschaftlich belegt, dass Gartenarbeit unseren Körper und unsere Seele positiv beeinflusst. Stresshormone wie Cortisol werden gesenkt und Depressionen können gelindert werden. Gartenarbeit ist ein entspannendes mentales Training und somit Balsam für die Seele. Mittlerweile wird deshalb vom Vitamin-G-Effekt gesprochen. Wenn wir uns in der glücklichen Lage befinden, einen Garten oder ein paar Beete beackern zu dürfen, sollten wir stets reflektieren, ob wir das auch im Sinn der Natur tun. Naturnahe Ansätze fokussieren sich auf Kreisläufe, heimische Pflanzen und die Verbindung zur belebten Natur. Vitamin-G-Effekt, ausformuliert, würde demnach bedeuten, dass wir im Garten, im Balkonkistchen oder und vor allem auch in Wohnsiedlungen beachten, dass wir der Natur Raum geben. Und das heisst prioritär: Nahrung schaffen für Insekten, was wiederum heisst, dass wir uns an einheimischen Wildstauden und -sträuchern erfreuen können. Die Liste einheimischer Wildpflanzen ist schier endlos. Bei richtiger Pflanzenwahl wächst bald ein wahres Paradies. Angenehmer Nebeneffekt: Diese Gärten sind wenig anspruchsvoll in der Pflege und benötigen kein Gies-sen. Erst nachdem sich blühende einheimische Pflanzen etabliert haben und somit natürliche Insektenwohnungen und -nahrung in Hülle und Fülle vorhanden sind, kann als nächster Schritt die Förderung von Plätzen für Vögel, Igel, Eidechsen und andere Kleintiere beginnen. Ihnen allen gemein ist, dass sie Insekten fressen. Eine Meise verfüttert während der 2- bis 3-wöchigen Brutzeit ihren Nestlingen bis zu 10 000 Raupen, Larven, Spinnen, Blattläuse und anderes mehr. Ein Marienkäfer frisst täglich bis zu 150 Blattläuse. Es ist der Blickwinkel, den wir einnehmen sollten: Marienkäfer gelten als Glücksboten und stehen nicht nur für gute Gesundheit und die Erfüllung von Wünschen, sondern für eine gute Ernte! Wo also endet der Schädling, wo beginnt der Nützling? Oder sollte die Frage lauten: Gibt es den Schädling überhaupt? Letztlich sind wir alle Natur, weshalb wir uns darin quicklebendig fühlen.
Informationen zur Gartengestaltung mit einheimischen Pflanzen:
www.bafu.admin.ch/de/der-klima-garten / Buch: Praxishandbuch Stadtnatur, Sabine Tschäppeler, Andrea Haslinger
Ruth Sutter bezeichnet sich selbst als Naturkind; sie wünscht sich die bunten Wildblumenwiesen ihrer Kindheit zurück.
Alles-Wissen wird zur Gewohnheit
Der schnellste Weg zum gesuchten Restaurant. Wie alt ist eigentlich Schauspieler xy? Und überhaupt, wie viel hat es diesen Monat geregnet, und gibt es einen Trick, wie man graue Haare vielleicht doch noch loswerden kann? Alles wird recherchiert, das Handy immer in Reichweite, alle Fragen des Lebens
können scheinbar im Bruchteil einer Sekunde beantwortet werden. Bis vor einiger Zeit waren es die Suchmaschinen, die uns vermeintlich zu jeder Tages- und Nachtzeit weiterhelfen konnten, immer mehr werden sie von KI-gestützten Formaten abgelöst. Schätzungs-weise verzeichnet man weltweit täglich 5,8 Milliarden Suchanfragen allein via Google.
Wie viel davon interessiert uns wirklich, was müssen wir tatsächlich in diesem Moment wissen? Praktisch ist es in vielen Lebenslagen, keine Frage. Und beruflich inzwischen sogar oft hilfreich und unabdingbar. Doch das Alles-Wissen wird zur Gewohnheit und gerade im Privatleben auch zu einem Stück Bequemlichkeit; das Lexikon in 26 Bänden im Regal hat längst ausgedient. Doch waren wir wirklich ungebildeter, als manche Frage eine Weile unbeantwortet blieb? Eher nicht.
Studien zeigen, dass das ständige Suchen nach einer Information dazu führt, dass das Gehirn nur noch so viel wie unbedingt nötig genutzt wird. Wir vertrauen blind darauf, dass das, was uns als Erstes ausgespielt wird, wohl stimmen wird. Jede einzelne Anfrage trägt ausserdem zu unserem digitalen Fussabdruck bei; geringste Schätzungen gehen von einem CO2-Ausstoss von 0,2 Gramm aus. Klingt wenig, summiert sich im Laufe eines Jahres aber rasant; eine traurige Bilanz für das Klima. Manchmal ist es vielleicht doch auch schön, einen Moment nachzudenken, ob man die Antwort nicht doch schon selber kennt oder sie sich zumindest herleiten kann. Oder tatsächlich einen Menschen zu fragen, der einem weiterhelfen kann. Ob die Antwort auch einen Moment warten kann, wird zeigen, wie dringend wir es wirklich wissen wollten.
Wildbienen als entscheidender Faktor für das Ökosystem
Potenzial ist belegt
«Ängste überwinden und die Komfortzone verlassen»
«Etwas aufbauen, das der Menschheit hilft»
«Ich will keinen Tag missen»
Die Welt im Kleinen
Orientierung verlieren. Liegen wir vielleicht bereits zu Füssen der Welt?
Eines hat sich mit Digitalisierung, KI und Algorithmen noch nicht verändert: Das wahre Leben findet immer noch kleinräumig statt. Bei jedem von uns. Direkt vor der Haustüre. Dort finden spontane Begegnungen statt, der Austausch mit dem Nachbarn oder der
Verkäuferin in der Bäckerei. Wir identi-fizieren uns mit dem, was uns unmittelbar umgibt. Mit dem, was wir riechen, mit unseren Sinnen real erfahren, womit wir interagieren können.
Der Mikrokosmos ist tot, lang lebe der Mikrokosmos! Der Begriff steht für die Welt des winzig Kleinen im Gegensatz zum Makrokosmos, der Welt des riesig Grossen. Wir sind darauf angewiesen, die Welt zu segmentieren, um sie als Ganzes überhaupt noch verstehen zu können. Daher gewinnt das Kleinräumige wieder zunehmend an Bedeutung. Der Begriff Mikrokosmos bezeichnet in der Philosophie traditionell den Menschen als eine «kleine Welt», in der sich der Makrokosmos – das Universum oder die «grosse Welt» – widerspiegelt. Antike und mittelalterliche Philosophen sahen den Menschen nicht als isoliertes Wesen, sondern als eine Entsprechung zum Ganzen. Strukturen, Kräfte und Gesetzmässigkeiten des Universums (Makrokosmos) finden sich im Aufbau und Wesen des Menschen (Mikro-kosmos) wieder.
Es besteht also eine Analogie vom winzig Kleinen zum grossen Ganzen. Oder anders ausgedrückt: Verstehe ich meine kleine Welt, so lässt dies Rückschlüsse auf die grosse Welt zu. Das Kleinräumige hilft uns dabei, die Orientierung im Grossen nicht zu verlieren. Tragen wir Sorge dazu!
Für Chancengleichheit und Gleichberechtigung
Gesundheitskosten senken
VERD • Die Fachhochschule Nordwestschweiz schätzt, dass «Verd» einen volkswirtschaftlichen Nutzen von über 100 Millionen Franken bringen könnte. Indem sich Menschen durch «Verd» weniger einsam fühlen, wird das Gesundheitssystem entlastet. Dies hat auch einen qualitativen Nutzen.