Weitere Artikel von Adrian Hauser
Liebe
Passend zur Vorweihnachtszeit wird verschiedentlich der Begriff der Liebe thematisiert. Doch was genau ist Liebe? Was wird darunter verstanden? Ich denke, es ist ein Wort – so positiv es auch sein mag –, das auch enttabuisiert werden muss. Oft wird Liebe in einem romantischen possessiven Sinn verstanden.
Doch Liebe ist mehr als das und hat verschiedene Facetten. Bereits im Altgriechischen gibt es verschiedene Begriffe für Liebe: «Eros» bezeichnet die sinnliche Liebe, «Philia» steht für Freundesliebe oder Bruderliebe, «Agape» für die selbstlose, fördernde Liebe, aber auch für Nächstenliebe, ja sogar Feindesliebe.
Bezeichnen und unterscheiden diese Begriffe vor allem eine Grundhaltung der liebenden Person, kann sich Liebe auch je nach Art des «Zielobjekts» unterscheiden. Es gibt Selbstliebe, Partnerliebe, familiäre Liebe, darunter die Liebe zu seinen Kindern, Objektliebe, Ideenliebe, die Liebe zu einer bestimmten Tätigkeit (Leidenschaft), die Gottesliebe, hier verstanden als Gottes bedingungslose Liebe zu seiner Schöpfung, also auch zu uns Menschen. Christliche Mystiker wie beispielsweise der Theologe und Philosoph Meister Eckhart kannten sogar den Begriff der objektlosen Liebe als Grundhaltung des bedingungslosen Öffnens. Der Philosoph und Metaphysiker Jean Emile Charon bezeichnet diese «universale» Liebe als «Finalität der Evolution».
Liebe ist also ein Zustand, eine Geisteshaltung, eine Gefühlshaltung, eine Lebenseinstellung, ein bestimmter Blick auf die Welt. Weihnachten als das Fest der Liebe soll an die bedingungslose Liebe von Gott zur Menschheit erinnern, deren ultimativer Beweis die Geburt von Jesus ist.
Doch sind wir angesichts der verschiedenen politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Welt auch in der Lage, diese Liebe zu erwidern, aufzunehmen und im umfassenden Sinn zu leben? Die Antwort kennen Sie selbst! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und der Welt ein schönes Fest mit unendlich viel Liebe!
Greifbare Liebe
Die Advents- und Weihnachtszeit ist die Zeit des Schenkens. Die schönsten Geschenke sind klein. Ein Lächeln kann unerwartetes Glück bedeuten. Sich einem einsamen oder traurigen Menschen zuwenden kann Grosses bewirken, wie eine kurze Geschichte von Charles Dickens zeigt. Sie heisst «Die Apfelsine des Waisenknaben» und beginnt so: Schon als kleiner Junge hatte ich meine Eltern verloren und kam in ein Waisenhaus. Es war wie ein Gefängnis. Wir mussten 14 Stunden am Tag arbeiten. Kein Tag brachte Abwechslung, und im ganzen Jahr gab es für uns nur einen einzigen Ruhetag: den Weihnachtstag. Dann bekam jeder Junge eine Apfelsine. Das war alles. Keine Süssigkeiten. Kein Spielzeug. Aber auch diese eine Apfelsine bekam nur derjenige, der sich im Laufe des Jahres nichts hatte zuschulden kommen lassen. Diese Apfelsine an Weihnachten verkörperte die Sehnsucht eines ganzen Jahres.
So war wieder einmal das Christfest herangekommen. Aber es bedeutete für mein Knabenherz fast das Ende der Welt. Während die anderen Jungen am Waisenhausvater vorüberschritten und jeder seine Apfelsine in Empfang nahm, musste ich in einer Zimmerecke stehen und zusehen. Das war meine Strafe dafür, dass ich im Sommer hatte aus dem Waisenhaus weglaufen wollen. Als die Geschenkverteilung vorüber war, durften die anderen Knaben im Hof spielen. Ich aber musste in den Schlafraum gehen und dort den ganzen Tag über im Bett liegen bleiben. Ich war tieftraurig und beschämt. Ich weinte und wollte nicht länger leben. Nach einer Weile hörte ich Schritte im Zimmer. Eine Hand zog die Bettdecke weg, unter die ich mich verkrochen hatte. Ein kleiner Junge namens William stand vor meinem Bett, hatte eine Apfelsine in der rechten Hand und hielt sie mir entgegen. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Wo sollte eine überzählige Apfelsine hergekommen sein? Ich sah abwechselnd auf William und auf die Frucht. Auf einmal kam mir zu Bewusstsein, dass die Apfelsine bereits geschält war, und als ich näher hinblickte, wurde mir alles klar, und Tränen kamen in meine Augen. Und als ich die Hand ausstreckte, um die Frucht entgegenzunehmen, da wusste ich, dass ich fest zupacken musste, damit sie nicht auseinanderfiel. Was war geschehen? Zehn Knaben hatten sich im Hof zusammengetan und beschlossen, dass auch ich zu Weihnachten meine Apfelsine haben müsse. So hatte jeder die seine geschält und eine Scheibe abgetrennt, und die zehn abgetrennten Scheiben hatten sie sorgfältig zu einer neuen, schönen und runden Apfelsine zusammengesetzt. Diese Apfelsine war das schönste Weihnachtsgeschenk in meinem Leben. Sie lehrte mich, wie trostvoll echte Kameradschaft sein kann. Einfühlungsvermögen und Mitgefühl machen uns Menschen aus. Wo wir miteinander teilen, wird die g.ttliche Liebe, von der Weihnachten kündet, greifbar.
Daniel Winkler (Jg. 1967) ist seit 2005 ev.-ref. Pfarrer in Riggisberg.
«Ich bin der Heilsarmee ein Leben lang dankbar für diese Gitarre»
Ruth Margot • Geboren als aussereheliches Kind kann sie am Weihnachtstag ihren 80. Geburtstag feiern. Die ersten Jahre ihrer Lebensgeschichte und die Suche nach ihrem leiblichen Vater hat sie in einem autobiografischen Roman niedergeschrieben.
Wird der nächste «Stapi» eine Frau?
Thun • Nach der Ankündigung von Raphael Lanz, nächstes Jahr nicht mehr fürs Stadtpräsidium zu kandidieren, dreht sich das Kandidatenkarussell. Kandidieren wollen bisher die Gemeinder.tinnen Eveline Salzmann (SVP), Andrea de Meuron (Grüne) und Katharina Ali-Oesch (SP).
Jahreswechsel
Der Spruch ist alt. Und trotzdem immer wieder wahr: Wie schnell vergeht doch die Zeit. Oder wie Polo Hofer tiefsinnig gesungen hat: «… u grad so wie Sand, rünnt d’Zyt eim dür d’Hand …» Schon bald geht ein weiteres Jahr zu Ende. 365 Tage werden Geschichte sein.
8760 Stunden haben von der Gegenwart in die Vergangenheit gewechselt. Über 31 Millionen Sekunden Lebenszeit sind vorbei. Bis Ende dieses Jahres hat Ihr Herz ungefähr 31 Millionen Mal geschlagen; dies ohne je eine Pause einzulegen. Was für eine Meisterleistung des Lebens! Jeder Jahreswechsel bietet die Chance für einen Rückblick auf die vergangene Zeit. Welche Erinnerungen habe ich, wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke? Was hat mir grosse Freude bereitet? Was hat mich bedrückt? Von wem musste ich Abschied nehmen? Die kommenden Festtage bieten Zeit, über solche Fragen nachzudenken. Fragen sind wichtig, weil sie uns zwingen, Antworten zu suchen. Antworten, die unsere Zukunft mitbestimmen.
Wenn wir dann um Mitternacht des 31. Dezembers auf das neue Jahr anstossen, so spüren wir die Chancen, die das Jahr 2026 anzubieten hat. Denn es liegen 365 Tage voller Möglichkeiten vor uns. Es liegt an uns, die neuen Wochen, die Tage und die Stunden des neuen Jahres mit guten Gefühlen und schönen Erlebnissen zu füllen. Den Kontakt zu liebevollen Menschen zu pflegen. Das Zusammensein mit ihnen zu geniessen. Und dabei immer auch genügend Zeit für sich selber zu reservieren. Denn ohne das «Ich» gibt es kein «Wir». Beides muss stimmen und ausbalanciert sein. Schon heute wünsche ich Ihnen Frohe Festtage. Mit freudigem Zusammensein mit Ihren Lieben.
Und Ihnen allen dann am 1. Januar 2026 einen guten Start in ein neues Jahr. Möge uns das neue Jahr wunderschöne Erlebnisse und tiefmenschliche Begegnungen ermöglichen. Mögen wir genügend Zeit haben, um all dies geniessen zu können. Möge uns das neue Jahr Gesundheit und Wohlergehen bringen. Und möge uns das neue Jahr auch immer genügend Kraft geben, um die Stürme des Lebens zu bewältigen. Oder wie es der weise Aristoteles formuliert hat: «Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen.» Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Setzen Ihrer persönlichen Segel.
Martin Muerner ist Mitgründer von Radio BeO und Vizepräsident des Verbands Schweizer Privatradios VSP.
Zweiter Anlauf für Erneuerung der Schulanlage
Diversifiziert und stabil
Wirtschaftsraum Thun• Der Wirtschaftsraum Thun ist robust und stabil, da er durch viele KMU breit abgestützt ist. Die Zeit der Klumpenrisiken ist vorbei, Thun ist attraktiv für Unternehmen und Arbeitnehmende.
Umsichtige Wirtschaftsförderung
Die Kunst des (digitalen) Grüssens
dergestalt mit der Grussformel gespielt und variiert wie im E-Mail-Verkehr.
Wenn die Presseabteilung eines Verlags mich als Kulturjournalisten anfragt, ob ich ein Buch besprechen möchte, wird immer «herzlich» gegrüsst. Die ungeschriebenen Grussgesetze zeigen den Aggregatszustand der Beziehungen an. Da war zum Beispiel die Dame, mit der ich für ein Projekt zu tun hatte. Wir wechselten via E-Mail vom «Sie» zum «Du». Jede E-Mail in der Startphase schloss mit «Liebe Grüsse» oder «Herzliche Grüsse» oder gar nur mit «Herzlich».
Dann kamen die ersten Herausforderungen in Planung, Budgetierung und das liebe Geld. Hier begannen die ersten unterschiedlichen Ansichten und Arbeitsmethoden zum Vorschein zu kommen, also auch Meinungsunterschiede. Demgemäss schienen sich die Grussworte der Stimmungslage an-zupassen. Vom «Herzlich» mutierte es sich herunter auf «Beste Grüsse» und «Gruss». Wenn Kalter Krieg herrscht,
so liest man dann wieder «Freundliche Grüsse», der eisige Tiefstand in der
Austauschkultur.
In einem Comic würden an den Sprechblasen dann Eiszapfen hängen. Ich wollte es schon mit dem veralteten «Hochachtungsvoll» versuchen, aber das wäre eines zu viel aufgesetzt.
Wir hüpfen also heutzutage zwischen «Herzlichst», was ja schon eine Um-armung bedeutet, und dem Formalen, wo wir uns fast zwingen müssen, überhaupt zu grüssen. Ich stelle mir die Frage, was heutzutage Freundschaften – ausserhalb von Facebook – noch auszuhalten vermögen.
Als die Verhandlungen mit der oben erwähnten Kundin sich entspannten und es mit dem Projekt wieder vorwärts ging, erwärmte sich die Korrespondenz wieder von den «besten
Grüs-sen» über «sonnige Grüsse» über «liebe Grüsse» bis hin zurück zum «herzliche Grüsse».
Deshalb kann die bewusst gewählte Grussform einen Stimmungsbarometer über die Qualität der Beziehung darstellen. So misst der Empfänger das Betriebsklima, und der Absender kann sie steuern. Darum sei empfohlen, in der Signatur auf eine automatisch definierte Grussformel zu verzichten. Denn
wie liest sich das denn, wenn jemand herzlich grüsst, und unten über der
Absenderadresse steht dann nochmals «freundliche Grüsse».
Sie, liebe Zeitungslesende, werden sich nun fragen, wie ich mich hier aus der Kolumne verabschiede. Gute Frage. Da wir uns noch nicht so gut kennen, Sie und ich, versuche ich es mal mit fröhlichen Grüssen.
Der passende Buchtipp: «Duden Ratgeber: Briefe, E-Mails und Kurz-nachrichten gut und richtig schreiben», Ingrid Stephan, Cornelsen-Verlag, ISBN 978-3-411-74304-9.
Urs Heinz Aerni ist Journalist und Feldornithologe, der öfters im Berner Oberland unterwegs ist. Regelmässig interviewt er eine interessante Persönlichkeit im Hotel Beatus in Merligen. Die Talk-Reihe ist öffentlich.
Steigende Prämien fördern Armut
Hintergrund • Während reiche Haushalte den Prämienanstieg verkraften können, ist er für arme Haushalte verheerend. Caritas schlägt Alarm: Die Krankenkassenprämien seien ein wichtiger Grund, warum Menschen in Armut gerieten.