Weitere Artikel von Sonja Laurèle Bauer
Das Belper Schulmodell könnte schweizweit Schule machen
Belp • Das von Daniela Schädeli angedachte und von der Gemeinde Belp willkommen geheissene, neue Schulprojekt könnte Ruhe, Sicherheit und Kontinuität und dadurch ein gutes Gefühl in den Alltag von Eltern und Schülerinnen und Schüler bringen. Und über die Anzahl der Ferienwochen kann diskutiert werden.
«Auch junge Menschen haben grosses Interesse an freiwilliger Arbeit»
Dachverband Freiwilligenarbeit • Nina Gutweniger ist Geschäftsleiterin von benevol Kanton Bern, der Fachstelle für Freiwilligenarbeit. Sie hebt den Gewinn hervor, den Freiwilligenarbeit für die Gesellschaft darstellt.
«Neue Mitglieder zu finden, ist ein Dauerprozess»
Vereine/Freiwilligenarbeit • Christof Ramseier präsidiert den Berner Kantonalgesangverband und die Schweizerische Chorvereinigung. Was tut zum Beispiel der Belper Chor, in dem Christof Ramseier aktiv und kreativ tätig ist, um für den Nachwuchs attraktiv zu bleiben?
Für ein Leben in Eintracht und Würde
Einigen • Katrin Berger, die in vier Tagen 48 Jahre alt wird, zog mit ihren Tieren vor vier Jahren auf einen Lebenshof in Frankreich. Weil diese Frau, die ab und an in der Region, aus der sie kommt, zu Besuch ist, einfach einmalig ist und ihr ganzes Leben den Tieren widmet, möchten wir sie hier vorstellen.
Wunder
Eigentlich impliziert diese Frage genau drei Wunder. Erstens: Ein fremder Mensch spricht einen an. Zweitens: Dieser Mensch fragt nach der Uhrzeit. Drittens: Es fühlt sich für den Fragesteller wie auch für die Gefragte völlig normal an – wir sind etwa im gleichen Alter.
Dass ein fremder Mensch einen anderen fremden Menschen anspricht, ist für manche Menschen, oft sind es Jugendliche, undenkbar geworden. Wobei sie es, sollte es doch geschehen, wohl eher als ein kleines Erdbeben denn als Wunder empfinden.
Ich habe dies nach diesem Ereignis in jüngster Vergangenheit ein paarmal ausprobiert und junge Menschen unvermittelt nach dem Weg gefragt. Manche waren verdattert, kriegten ihre Kopf-hörer kaum aus dem Ohr, sofern sie es überhaupt versuchten. Andere nestelten
an ihrem Handy herum, um die Antwort dort zu finden, bevor sie überhaupt aufblickten, um zu eruieren, wo sie sich geografisch gerade befanden. Einige fragte ich nach der Uhrzeit. Niemand unter 40 blickte auf die Uhr, alle auf ihr Handy.
Viele von den Jungen, liest man heute, könnten kein Telefonat mehr führen, da sie es im SMS-Zeitalter nie gelernt und Angst davor hätten. Niemals würden sie jemand Fremden auf der Strasse ansprechen und reagierten irritiert, wenn sie von einem fremden Menschen angesprochen würden. Sie müssen auch nicht mehr mit Fremden sprechen. Sie müssen sich nicht mehr auf das anstrengende Sich-auf-jemanden-Einlassen einlassen. Denn Handy respektive KI kennen alle Antworten. Auch auf die Fragen, die sie nicht haben. Denn dafür müssten sie sich auf das Denken einlassen. Aber wie das, wenn es keine Minute gibt, in der das Gehirn sich vom digitalen Overflow ausruhen könnte? Wenn kein Gedanke mal einfach so kommen kann? Kein Prozess stattfindet, der die Synapsen verknüpft. Denken braucht Raum und Energie, keine ewige Konsumation. Diese armen, erschöpften Gehirne des fliehenden Jahres 2025!
Im KI-Zeitalter wird das nicht besser werden. Der Literaturprofessor Philipp Theisohn erklärt es im Interview mit Alexandra Kedves (Ausschnitt: «Der Bund», 28. Oktober; sehr empfehlenswert) so: «Der Mensch kommt zu Erkenntnissen, wenn er sich formulierend mit der Wirklichkeit auseinandersetzt. KI hingegen simuliert Verstehen.» Und: «Der Horizont der Geisteswissenschaften ist die Erfahrung des Nichtverstehens. Die Lücke, die sich zwischen dem eigenen Standort und dem nicht verstandenen Gegenstand auftut: Die gilt es auszubuchstabieren. Die gesellschaftliche Gefahr von KI hat mit dieser Lücke zu tun: dass wir unser Nichtver-stehen einfach maschinell überschreiben lassen, weil die Maschine es wohl besser wissen wird, denn immerhin hat sie auf alles eine Antwort.» Ja, das ist brandgefährlich.
«Wir brauchen Herausforderung und Lämpe»
Zwischen dem Oberland und der Karibik
Giovanni
Er lacht nicht. Er schmunzelt nicht. Er ist freundlich und abwesend zugleich. Und er spricht alle an, die am Strand über den schmalen Holzsteg und am Restaurant, für das er arbeitet, vorübergehen. Er fragt auf englisch, woher man komme und wechselt sofort in die Landessprache der Gefragten. Er erzählt, dass er Giovanni heisse, weil seine Eltern Italiener seien, dass er zwei Kinder habe, die er während der Saison nicht gesehen habe und es tue ihm leid, dass auf der Insel, auf der wir einander begegnen, so viel Müll liege, wo doch das ägäische Meer so klar und hellblau sei. Wie viel Müll die Touristen verursachen, sagt er nicht. Nur, dass heute die Fähre nicht weiterfahre, wegen des Windes und dort drüben, dort sitze wieder die ältere, einsame Frau aus der Schweiz, schaut mal, sie wartet jeden Abend herausgeputzt auf eine mögliche Liebe, die nicht kommt. Ich denke an «Griechischer Wein» von Udo Jürgens und dass es damals die griechischen Gastarbeiter in der Schweiz waren, die ihre Familien vermissten und deren Herzen voller Heimweh waren. Er freue sich auf seine Familie, sagt Giovanni. Trotzdem, die Leute hier, die werde er vermissen.
Das Restaurant, vor dem Giovanni animiert, ist stets voll. Von weitem schon ruft er den Gästen, die er ein, zwei Tage zuvor kennengelernt hat, ihre Namen entgegen. Er weiss sie alle. Spricht mit denen portugiesisch und mit jenen russisch. Antwortet in Spanisch, Französisch, Schweizerdeutsch. Da kommen die Israelis, sagt Giovanni. Und ja, tatsächlich, die spricht er in Hebräisch an. Giovanni, wie viele Sprachen sprichst du eigentlich?
Japanisch will ich noch lernen, sinniert er und schaut mich an: Elf. Aber nur neun fast perfekt und zählt sie auf. Zwei muss er noch vertiefen: Russisch und Chinesisch. Wie ist das möglich? Ich lerne jeden Tag mindestens ein neues Wort. Seit vielen Jahren. Ich mache das einfach für mich. Giovanni, du wärst der perfekte Protagonist in einem Film. Ich könnte das in den Sozialen Medien machen, überlegt er. Als Komiker. Der nie lacht, denke ich. Giovanni, du würdest reich dabei. Er schaut mich an. Vielleicht. Aber ich mag das Internet nicht.
«Deine Mama kommt nicht wieder»
Narzissmus • Noch vor drei Jahren konnte Judith Gysmann nicht darüber sprechen: über die leidvolle Zeit, die sie und ihre Tochter Nele und ihre Zieh-söhne Alexander und Lukas mit deren narzisstischen Vater, respektive Judiths damaligem Partner, erleben mussten. Judith Gysmann heisst in Wirklichkeit anders, so wie auch ihre Tochter und die Söhne. Sie möchte, um sich und ihre Kinder zu schützen, ihre richtigen Namen und den Wohnort – sie lebt in der Region – nicht bekannt geben.
«Ich denke weder in Kulturen noch in Religionen»
Thun/Gaza • Urs Marc Eberhard war Sekundarlehrer und während vieler Jahre IKRK-Mitarbeiter. Darunter waren zig Einsätze im Nahen Osten. Eberhard kennt die Menschen dort. Und zwar auf beiden Seiten und aus verschiedenen Kulturen. Neben Deutsch spricht er Französisch, Italienisch, Englisch, ein bisschen Spanisch und Arabisch. «Die Menschen im Nahen Osten haben kaum eine Chance auf Frieden», sagt er, der vor dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde.