Ausser man tut es …
Dass Politik und Wirtschaft enger zusammenarbeiten sollten, darin sind sich Nicole Jost, Präsidentin «Belper KMU», Reto Kaser, Präsident «Gewerbeverein Aaretal» und Grossrat Fabian Zulliger (SVP) einig. Alle Anwesenden kommen aus der Privatwirtschaft, Nicole Jost ist Mitinhaberin der «Elektro Jost AG» in Belp, Reto Kaser Inhaber und Geschäftsführer des Schrauben-geschäfts «Intervis AG» in Münsingen und Fabian Zulliger ist Inhaber von «Zulliger Treuhand und Consulting» in Gerzensee. An einem Abend sind die drei zusammengekommen, um informell Ideen zu entwerfen, wie Wirtschaft und Politik sich gegenseitig weiterbringen könnten. Schnell wurde festgestellt, dass allem eine gute Vernetzung zugrunde liege. Dies wurde mit diesem Treffen gleich unter Beweis gestellt. Ganz nach dem berühmten Zitat des Schriftstellers Erich Kästner: «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.» Das Gespräch blieb nicht bei Oberflächlichkeiten. Ein Problem ortete Fabian Zulliger bei den lang dauernden Baubewilligungsverfahren. «Wenn ein Unternehmen aufgrund einer Innovation expandieren will, kann es bis zur Erteilung einer Baubewilligung gerne mal drei Jahren dauern», sagt er aus seiner langjährigen Erfahrung als Gemeinde-schreiber und Bauverwalter in Gerzensee. Dabei werden aber auch lokale Unterschiede festgestellt. So hielt Nicole Jost etwa fest, dass dies in Belp viel schneller gehe. «Die Gemeinde behandelt Baubewilligungsgesuche normalerweise innerhalb von 88 Tagen», sagt sie. Überhaupt funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Behörden und Politik in Belp gut. «Man redet miteinander», stellt sie fest. Zudem befänden sich einige «KMU-ler» aus Belp in der Politik. Dies ist gemäss Fabian Zulliger aber keine Selbstverständlichkeit. Denn gerade auf kantonaler oder nationaler Ebene verzichten viele Unternehmerinnen und Unternehmer aus Zeitgründen auf eine Kandidatur.
Kein Rosinenpicken
Dabei geht oft vergessen, dass ein politisches Amt kein Zuckerschlecken oder Rosinenpicken ist. «Will man es richtig machen, investiert man viel Zeit», sagt Fabian Zulliger Er selbst musste sich betrieblich umorganisieren, seit er für den zurückgetretenen SVP-Grossrat Ueli Augstburger vergangenen Herbst nachrückte. Doch er will etwas bewegen, es geht ihm um die Sache, um «Sinnstiftung», wie er sagt. «Ich bin überzeugt, dass es sehr wichtig ist, die Stimme des Unternehmertums im Grossen Rat ausreichend vertreten zu wissen. Gerade im Bereich der Baubewilligungsverfahren, der stetig zunehmenden Bürokratie und der steuerlichen Belastung der KMU im Kanton Bern gibt es einiges zu verbessern. Deshalb hoffe ich sehr, dass am 29. März mehr Unternehmerinnen und Unternehmer ins Kantons-parlament gewählt werden.» Er habe für seine Ende Januar eingereichte Motion Allianzen über die Parteigrenzen hinweg geschmiedet, was viele Gespräche erforderte. Bei der Motion geht es darum, bei Fangewalt gezielter Einzel-täter zu verfolgen, statt Kollektiv-strafen zu verhängen. In der ersten Session sei vieles für ihn neu gewesen. «Da braucht man auch etwas Zeit, um sich einarbeiten zu können.» Fabian Zulliger hofft, dass er in einer zweiten Session bereits von gewissen Erfahrungen aus der ersten profitieren kann und er die Wiederwahl Ende März schafft. «Die Arbeit im Gros-sen Rat bereitet mir viel Freude, und ich möchte mich gerne in den nächsten vier Jahren weiter für die KMU und den ländlichen Raum einsetzen dürfen.» Dabei könnte die Politik gemäss den Anwesenden durchaus mehr Unternehmerinnen und Unternehmer vertragen. Beiden sind die Menschen wichtig, beide erfüllen eine wichtige Funktion in der Gesellschaft. Reto Kaser engagiert sich beispielsweise für «Small Jobs» in Münsingen. Das ist ein Angebot der Kinder- und Jugendfachstelle Aaretal. Der Gewerbeverein -Aaretal dient als Vernetzungspartner zu regionalen Betrieben. Dabei werden «kleine Jobs» aus dem Einzugs-gebiet der Kinder- und Jugendfachstelle Aaretal vermittelt. Interessierte junge Menschen erhalten dabei die Gelegenheit, regelmässig oder zeitlich befristet in einem Betrieb mitzuarbeiten. Es ist ein erster Schritt bei der Vorbereitung auf das spätere Berufsleben und hilft den Jugendlichen, sich in einem neuen Setting zurechtzufinden. «Man muss den jungen Leuten helfen, Verantwortung zu übernehmen», ist Reto Kaser überzeugt. Viele Schülerinnen und Schüler kommen zu ihm, um zwischendurch an einem Nachmittag im Betrieb mitzuhelfen. Und dieses Angebot werde von diesen sehr geschätzt, weil es eine gewisse Orientierung
und – auch hier wieder – «Sinnhaftigkeit» vermittelt. Den Betrieben wiederum kann es nützen, indem sie damit etwas zur Ausbildung und letztendlich zum Erhalt von Fachkräften beitragen. Denn der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig. Nicole Jost wie auch Reto Kaser bestätigen, dass es vor allem im handwerklichen Bereich schwierig ist, Nachwuchs und gute Fachkräfte zu finden.
Zusammenspiel verschiedener Akteure
Ein anderes Projekt des Gewerbe-vereins Aaretal ist «Gewerbe trifft Schule». Rund 40 regionale Unternehmen führen während eines Tages drei Rundgänge durch ihr Unternehmen durch. Damit werden rund 250 Schülerinnen- und Schüler aus der Region erreicht. Und in Belp findet jährlich eine Lehrstellenplattform statt. Diese wird organisiert von «Belper KMU», der Gemeinde Belp und den Volksschulen Belp. Ziel der Plattform ist der «ungezwungene, direkte Kontakt zwischen Schülern, die eine Lehrstelle suchen, und KMU, die Lehrstellen anbieten». Die Schülerinnen und Schüler können so interessante Berufe kennenlernen. Die nächste Lehrstellenplattform in Belp findet am 25. März statt. «Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen und den Nachwuchs zu sichern, braucht es ein gutes Zusammenspiel zwischen Politik, Unternehmen und dem Bildungswesen sowie einen vermehrten Austausch unter diesen Parteien», sagt Fabian Zulliger. «Denn», so sind sich Nicole Jost, Reto Kaser und Fabian Zulliger als Eltern einig: «Wir glauben an unsere Jugend!»