Region mit Innovationskraft
«Nach zwei Jahren Umsetzung von Verd zeigt sich klar, dass eine Aktivierung des Bevölkerungstopfes durch die jeweilige Gemeinde der Startschuss für die Entfaltung der Wirkung im Dorf ist», sagt Fabian Zulliger, SVP-Grossrat und Inhaber eines Treuhandbüros in Gerzensee. Um den Gedanken der Solidarität von Verd zum Fliegen zu bringen, braucht es also möglichst viele Gemeinden, die sich dem neuen Zahlungsmittel anschliessen. Bisher haben sich über 20 Gemeinden angeschlossen. Bezahlt man als Konsument oder Konsumentin mit der Karte von Verd, so fliesst ein Teil der Transaktionsgebühren an die Gemeinde. Die angeschlossenen Einzelpersonen werden zu Genossenschaftern oder Genossenschafterinnen, die darüber entscheiden, wie das Geld in ihrer Gemeinde eingesetzt wird. Dies allerdings nur, wenn sich die betreffende Gemeinde entschliesst, den «Gemeindetopf» zu aktivieren. Ist dies nicht der Fall, so fliessen die Erträge aus der jeweiligen Gemeinde in einen nationalen Sammeltopf.
Lokale Wertschöpfung gestärkt
Die erste Gemeinde, die sich für Verd entschied, war Riggisberg. «Verd kann Wertschöpfung in die Gemeinde zurückbringen», erklärt Michael Bürki, Gemeindepräsident von Riggisberg. «Die Bürgerinnen und Bürger können aktiv den Einsatz der Gelder mitgestalten. Zusätzlich fördert Verd durch den Genossenschaftsgedanken den aktiven Austausch untereinander in der Gemeinde.» Auch in der Gemeinde Belp ist man von dem Konzept begeistert; der Gemeinderat beschloss daher vergangenen Herbst die Aktivierung eines entsprechenden Gemeindetopfes. «Der Gemeinde-rat ist von der Grundidee überzeugt und möchte mithelfen, das neue Zahlungsmittel zu verbreiten», hiess es damals in einer Mitteilung. «Er hat die Aktivierung des Belper Gemeindetopfes beschlossen und die einmaligen Aktivierungskosten von 2670 Franken gutgeheissen.» Gemeindepräsident Stefan Neuenschwander ergänzt auf Anfrage: «Die lokale Wertschöpfung wird durch Verd doppelt gestärkt, da bei Einkäufen nicht nur das Gewerbe profitiert, sondern auch ein Teil des Geldes zurück in die Gemeinde fliesst.» Doch es braucht auch die lokale Wirtschaft: «Verd kann nur funktionieren, wenn das Gewerbe mitmacht», so Stefan Neuenschwander. Das Gewerbe seinerseits profitiert von tieferen Gebühren als bei anderen digitalen Zahlungsmitteln. Geht die Gemeinde mit einem Richtungsentscheid voraus, kann dies helfen, damit das Gewerbe vor Ort nachzieht.
Gemeindekassen entlastet
«Es geht nun auch darum, nebst Gemeinden möglichst viele KMU-Partner in unserer Region zu motivieren, Verd als Zahlungsmittel aufzunehmen», erklärt Fabian Zulliger, der Ende März erneut für den Grossrat kandidiert und sich auf politischer Ebene unter anderem für den regionalen Wirtschaftsstandort einsetzt. «Je mehr Gemeinden und Unternehmen in unserer Region mitmachen, desto mehr Geld kann bei den KMU eingespart werden», führt Fabian Zulliger weiter aus. Das Geld bleibe bei den KMU und bei den Gemeinden vor Ort. Damit werde einerseits der Wirtschaftsstandort gestärkt, andererseits fördere es die Solidarität und den Zusammenhalt in der Region. «Die Gemeinden werden finanziell entlastet und können in Zukunft verschiedene Projekte mit Mitteln aus Verd und nicht über die Gemeindekasse finanzieren», ergänzt Fabian Zulliger. Die Gemeinden würden mittelfristig bei Kosten für Gesundheit und Soziales von Einsparungen profitieren können. «Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) geht gesamtschweizerisch von Einsparungen bei der öffentlichen Hand von 100 Millionen Franken aus», so Fabian Zulliger weiter.
Die Nase vorn
Verd zeuge zudem von der Innovationskraft des regionalen Wirtschaftsstandortes. «Es sprudelt im Dorf und in der Region», freut sich Michael Bürki. «Unsere Region hatte bei der Einführung von Verd in der Schweiz von Anfang an die Nase vorne», erinnert sich Fabian Zulliger. In Gerzensee entstehe zudem der erste «Verd-Träff» der Schweiz. Dieser soll eine intakte und lebendige Dorfgemeinschaft fördern sowie die Teilhabe für alle möglich machen. Dies unabhängig von Alter, Herkunft oder Einkommen. Wegen dieser regionalen Innovationskraft ist gemäss Christian Wohlwend die Wahl als «Pilotgemeinde» auch auf Riggisberg gefallen. «Für die Lancierung von Verd suchten wir eine Gemeindebehörde, die neuen Themen gegenüber offen ist, entscheidet und handelt», so Christian Wohlwend. «Die Gemeinde musste zudem ein innovatives, lokales Gewerbe und ein aktives Vereinsleben haben.» Es hätten sich damals auch interessierte Gemeinden aus dem Thurgau und Graubünden gemeldet, die Gemeinde Riggisberg habe jedoch von Anfang an herausgestochen. Gerzensee und Belp zogen rasch und ebenso unkompliziert nach, weitere werden bestimmt folgen.




