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«Etwas aufbauen, das der Menschheit hilft»

Kuby • Quader Engineering entwickelte einen intelligenten Würfel für effizientes Zeitmanagement. Das Team durchlief das Youngpreneurs-Programm und gewann an der Award Night den dritten Platz.
| Adrian Hauser | Wirtschaft
Intuitive Zeiterfassung ohne grossen Aufwand. (Bild: zvg)

«Hinter Quader Engineering steht ein hoch motiviertes, interdisziplinäres Team aus fünf Berufsmaturandinnen und -maturanden, die ihre vielfältigen Fachkompetenzen perfekt bündeln», erklärt Nicol Stucki stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen. Sie ist für das Marketing, den Verkauf und die Social-Media-Kanäle verantwortlich. «Dieser einzigartige Mix aus Industrie, Elektronik und Informatik erlaubt es uns, die Vision von ‹Kuby› komplett in Eigenregie zu realisieren.» «Kuby» ist ein physischer Würfel mit fünf LCD-Displays. Jede Seite repräsentiert ein Projekt oder einen Timer. Man dreht den Würfel einfach auf die gewünschte Seite, wobei die Zeitmessung für ein bestimmtes Projekt automatisch startet und stoppt. Man muss keine App öffnen oder sonst ein kompliziertes Programm bedienen; die Zeiterfassung erfolgt ohne grossen Aufwand sehr intuitiv. Gleichzeitig ist die Zeitmessung aber auch genau, ohne dass man irgendwelche Stunden ausrechnen muss. Auf die Idee von «Kuby» gekommen ist der Elektroniker Ambros Ellenberger, der eines Tages einen Rubik's Cube vor sich liegen sah und sich fragte, warum man so was nicht für die Zeiterfassung einsetzen könnte. Er hatte sogar schon Material für einen Prototypen gekauft. Aber über das «wäre eigentlich cool» sei er lange nicht hinausgekommen. Das habe sich geändert, als er mit Sahid Fakiry ins Gespräch kam, der bereits Software für die Zeiterfassung programmiert hatte. Plötzlich sei ein hybrides Hardware- und Software-Tool keine Spinnerei mehr gewesen, sondern ein realistisches Projekt. «Den Rest hat Youngpreneurs gemacht. Name, Firma, Aussehen, Funktionen, Schnittstellen – ‹Kuby›, wie man ihn heute kennt, ist in diesem Programm entstanden», erklärt das Team hinter «Kuby».

Etwas aufbauen

Das «Youngpreneurs-Programm» in Thun vermittelt Tools und Methoden, um ein eigenes Start-up aufzubauen. Das Programm zur Nachwuchsförderung richtet sich an Personen, die das Gymnasium oder als Lernende eine Berufs- oder Wirtschaftsschule absolvieren (siehe Interview Seite 2). «Wir hatten die Wahl», erklärt das Team seine Motivation, am Youngpreneurs-Programm teilzunehmen. «Entweder wir verfassen eine klassische, theoretische Arbeit für die Schublade, oder wir nutzen das Start-up-Förderprogramm, um etwas aufzubauen, das der Menschheit hilft.» Da alle in der Gruppe eine gros-se Leidenschaft für das Unternehmertum und Start-ups hätten, sei die Entscheidung leichtgefallen. «Wir wollten die Theorie direkt in der echten Wirtschaft anwenden und ein echtes Produkt zum Leben erwecken», so die Gründer von Quader Engineering weiter. «Wir wollten durchstarten und so schnell wie möglich anfangen.» Im Programm von Youngpreneurs sei den Teilnehmenden der gesamte Entstehungsprozess eines Start-ups vermittelt worden. Das reichte von der systematischen Problemidentifikation über strukturierte Kundeninterviews bis hin zur Geschäftsmodellierung mittels Lean Canvas. «Wir erhielten Coachings in Marketing, Finanzplanung und Pitch-Training.» Fast an jedem Abend seien zudem erfahrene Gründerpersönlichkeiten zu Gast gewesen. Diese hätten «ungeschönt» von ihrem Weg, ihren Fehlern und ihren Erfolgen berichtet. «Diese praxisnahen Erfahrungen kann kein Lehrbuch ersetzen», sind sich die Gründenden von «Kuby» einig. Der grösste Nutzen sei der Sprung vom reinen Gedankenexperiment hin zum echten Unternehmertum gewesen. «Wir haben gelernt, uns selbst zu organisieren, als interdisziplinäres Team unter Druck zu funktionieren und agile Lösungen für unvorhergesehene Probleme zu finden. Ohne die Strukturen, den Freiraum und die wertvolle Unterstützung der Youngpreneurs-Coaches wäre Kuby wohl eine reine Idee in unseren Köpfen geblieben. Heute halten wir einen voll funktionsfähigen Prototyp in den Händen.» Die Faszination am Unternehmertum liegt für die Köpfe hinter «Kuby» in der absoluten Selbstbestimmtheit und der Möglichkeit, eigene Ideen ohne bürokratische Schranken direkt umzusetzen. Ihr Projekt finanzieren sie ausschliesslich aus eigenen Mitteln. Löhne zahlen sie sich selbst keine aus, um die Fixkosten tief zu halten. Das langfristige Ziel ist es, organisch und ohne den Druck externer Investoren zu wachsen. Ohne Investoren auch deshalb, um die volle Kontrolle über die strategischen und qualitativen Entscheidungen zu behalten.

Barrierefrei und ablenkungsarm

Von ihrem Produkt ist das Team von Quader Engineering überzeugt. Die genaue Zeiterfassung sei am hocheffizienten Wirtschaftsstandort Schweiz, wo personelle und finanzielle Ressourcen optimal genutzt werden müssten, von zentraler Bedeutung. Doch in der Praxis stiessen herkömmliche Methoden jedoch schnell an ihre Grenzen: Manuelle Aufzeichnungen auf Papier oder Notizzetteln sowie das nachträgliche Schätzen und Rekonstruieren von Arbeitszeiten seien äusserst ineffizient,
fehleranfällig und ungenau. Dabei bestehe ein hohes Risiko, dass das Notieren im hektischen Arbeitsalltag schlichtweg vergessen werde und somit wertvolle abrechenbare Stunden verloren gingen. Digitale Lösungen auf PCs oder Smartphones böten zwar funktionale Alternativen. Doch bei den herkömmlichen Instrumenten bestehe das Risiko, die Erfassung zu vergessen oder sich ablenken zu lassen. Genau hier setzt «Kuby» an: Er ist ein physisches, haptisches Tool, das Mitarbeitende stets in Griffweite und permanent im Sichtfeld haben. Es ist gemäss den Herstellern eine barrierefreie, ablenkungsarme Methode und schafft über die Begleitsoftware eine exakte, verlässliche Datenbasis für die Projektabrechnung sowie für die gezielte Analyse und Optimierung betrieblicher Abläufe. Das Team ist überzeugt: «Kuby ist die smarte, physische Antwort für Unternehmen und Selbstständige, die das fehleranfällige Zettelchaos beenden und stattdessen auf höchste Effizienz und Transparenz setzen wollen.»


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