Potenzial ist belegt
«Das Potenzial wird von der Wissenschaft, Gemeinden, politischen Personen, Wirtschaftsverbänden, Privatpersonen und einem Jahr Marktpräsenz deutlich belegt», sagt Christian Wohlwend, Gründer und Leiter von «Verd». «Über 300 Geschäfte machen mit, über 1000 ‹VERD.cash›-Nutzende, und es gibt einen Geldrückfluss in 131 Gemeinden.»
Erfolgreiches Crowdfunding
Gerade konnte «Verd» auf der Plattform «Wemakeit» ein erfolgreiches Crowdfunding abschliessen. Das gesteckte Ziel von 80 000 Franken an Spenden wurde sogar noch übertroffen. Insgesamt kamen 84 000 Franken zusammen; das Geld wird für die Entwicklung einer App eingesetzt. Eine App würde «VERD.cash» für mehr Menschen zugänglich machen. Man möchte möglichst bald mit der Entwicklung starten und eine erste Version auf den Markt bringen. Später sollen dann Funktionen wie eine direkte Kontoanbindung oder Geldtransfers zwischen Personen folgen. Viele Gemeinden sind «Verd» gegenüber sehr positiv eingestellt. So haben beispielsweise Belp und Rubigen einen entsprechenden Gemeindetopf geöffnet. Von Anfang an mit dabei war Riggisberg. «Das Projekt fördert das gemeinsame Handeln im Dorf auf ein Ziel hin und stärkt die Mitverantwortung und Partizipation der Dorfbevölkerung für das Gemeindeleben», sagt beispielsweise Daniel Ott Fröhlicher, Gemeindepräsident von Rubigen. Und Stefan Neuenschwander, Gemeindepräsident von Belp, fügt hinzu: «Die lokale Wertschöpfung wird durch ‹Verd› doppelt gestärkt, da bei Einkäufen nicht nur das Gewerbe profitiert, sondern auch ein Teil des Geldes zurück in die Gemeinde fliesst.»
Zweifel in Köniz
Trotzdem sind nicht alle Gemeinden restlos von «Verd» überzeugt. In Köniz beispielsweise beantwortete der Gemeinderat an seiner letzten Parlamentssitzung eine Interpellation aus der SVP-Fraktion durchaus kritisch. Die Interpellanten stellten insbesondere die Frage, ob es der Gemeinderat als sinnvoll erachte, einen entsprechenden Gemeindetopf zu öffnen. Der Gemeinderat von Köniz erachtet dies als nicht sinnvoll, wie er in seiner Antwort zu Protokoll gab: «Einerseits erscheint es nicht notwendig, sich als Gemeinde an einem lokalen Zahlungsmittel zu beteiligen, andererseits können bereits heute gemeinnützige Projekte unterstützt werden, sofern dies gewünscht wird.» Die öffentlich zugänglichen Begründungen des Gemeinderats lassen Christian Wohlwend aufhorchen. Denn diese widersprechen diametral den Erkenntnissen aus einem Jahr Praxiserfahrung. Christian Wohlwend bedauert diesen Umstand. «Verd» biete grosses Potenzial für Gemeinschaften, die Aktivierung des Gemeindetopfs sei ein Katalysator. Dies belegten ebenfalls die bisherigen Erfahrungen. Er empfiehlt den Gemeindebehörden, bei Fragen oder Unsicherheiten direkt «Verd» zu kontaktieren oder den Austausch mit einer Kollegin oder einem Kollegen einer der aktivierten Gemeinden zu suchen.
Volkswirtschaftlicher Nutzen
Zur Aussage, dass vor allem kleine, überschaubare Gemeinden mitmachen, führt Christian Wohlwend Belp, Murten und Solothurn an. Seiner Meinung nach sollten demokratische Prozesse auch in Städten möglich sein – Demokratie ist eine Säule der Schweiz. Der demokratische Prozess der Mittelverteilung wird von der Fachhochschule Nordwestschweiz mit Unterstützung der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse begleitet. Die Fachhochschule Nordwestschweiz schätzt, dass die Mittelverteilung der Gemeindetöpfe einen auf die ganze Schweiz hochgerechneten volkswirtschaftlichen Nutzen von jährlich 100 bis 250 Millionen Franken bringen könnte. Indem gemeinschaftliche und gemeinnützige Projekte gefördert werden, könnte dies nicht zuletzt zu hohen Einsparungen von Kosten im Gesundheitswesen führen. Und das wäre – ganz nach dem Grundgedanken von «Verd» – im Interesse von uns allen. Jeden Tag flies-sen Gelder aus den Gemeinden weg und geht Potenzial verloren. Christian Wohlwend freut sich deshalb über jede Gemeinde, die ihren Einwohnerinnen und Einwohnern die Möglichkeit gibt, Geld zu lenken und zu wirken.




