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Teil des grossen Ganzen

 

Die nächste Push-Nachricht. Weggewischt, es waren schon so viele heute. Die Flut an Neuigkeiten nimmt stetig zu, der Begriff der Nachrichtenmüdigkeit wird immer präsenter. Sich dem Sog zu entziehen ist schwer, doch gleichzeitig wachsen Frustration und Ohnmacht im Angesicht aller Schrecken. Anstrengend ist es, sich überhaupt noch um Zusammenhänge zu bemühen. Doch der Algorithmus gibt immer mehr, also wollen wir immer mehr. Eine gedruckte Zeitung aufzuschlagen, kostet gefühlt mehr Mühe. Es ist eine andere Handlung, sich mit ihr hinzusetzen, ihre unbequem gewordene Grösse zuzulassen. Sie stellt den Anspruch, dass wir ihre Texte wirklich wahrnehmen müssen. Und das ist gut so. Keine Chatnachrichten, keine Benachrichtigung, dass es regnen wird, kein Systemupdate. Nur das gedruckte Wort. Genau das kann uns Orientierung sein, den Fokus in diesem kuratierten Rahmen wieder zu schärfen. Was sich vor dem eigenen Fenster abspielt, scheint dabei in dieser komplizierten Welt noch greifbar und sich direkt auf unser Leben auszuwirken. Lokaljournalismus ist in diesen unruhigen Zeiten voller Poly-krisen relevant, damit nicht nur die Über-lieferung des Nachbarn unsere Meinung formt, sondern eine Einordnung ins Gesamtbild. Die Nachrichten aus unserer unmittelbaren Lebensumgebung können viel mehr, als uns zu informieren. Mit der Sicht auf das Kleine können wir unsere Fähigkeit schulen, auch den grossen Kontext wahrzunehmen und zu unterscheiden, was wirklich passiert und was in die Irre führt. Wo Unrecht geschieht, für das es keine Begründung gibt ausser Hass und der Gier nach Macht und Überlegenheit. Trotz aller Hilflosigkeit dürfen
wir uns dabei immer wieder bewusst machen, dass es eben doch auf jede und jeden Einzelnen ankommt. Auch kleine Handlungen bewirken etwas, denn alles hängt mit allem zusammen, wir sind immer Teil des grossen Ganzen. Wischen wir also die Nachrichten nicht einfach weg, sondern suchen bewusst nach jenen aus seriösen Quellen. Entscheiden wir uns lieber einmal mehr für Offenheit, Toleranz und Verständnis. Denn es gibt sicher jemanden, der genau das gerade braucht.