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Liebe

Passend zur Vorweihnachtszeit wird verschiedentlich der Begriff der Liebe thematisiert. Doch was genau ist Liebe? Was wird darunter verstanden? Ich denke, es ist ein Wort – so positiv es auch sein mag –, das auch enttabuisiert werden muss. Oft wird Liebe in einem romantischen possessiven Sinn verstanden.

Doch Liebe ist mehr als das und hat verschiedene Facetten. Bereits im Altgriechischen gibt es verschiedene Begriffe für Liebe: «Eros» bezeichnet die sinnliche Liebe, «Philia» steht für Freundesliebe oder Bruderliebe, «Agape» für die selbstlose, fördernde Liebe, aber auch für Nächstenliebe, ja sogar Feindesliebe. 

Bezeichnen und unterscheiden diese Begriffe vor allem eine Grundhaltung der liebenden Person, kann sich Liebe auch je nach Art des «Zielobjekts» unterscheiden. Es gibt Selbstliebe, Partnerliebe, familiäre Liebe, darunter die Liebe zu seinen Kindern, Objektliebe, Ideenliebe, die Liebe zu einer bestimmten Tätigkeit (Leidenschaft), die Gottesliebe, hier verstanden als Gottes bedingungslose Liebe zu seiner Schöpfung, also auch zu uns Menschen. Christliche Mystiker wie beispielsweise der Theologe und Philosoph Meister Eckhart kannten sogar den Begriff der objektlosen Liebe als Grundhaltung des bedingungslosen Öffnens. Der Philosoph und Metaphysiker Jean Emile Charon bezeichnet diese «universale» Liebe als «Finalität der Evolution». 

Liebe ist also ein Zustand, eine Geisteshaltung, eine Gefühlshaltung, eine Lebenseinstellung, ein bestimmter Blick auf die Welt. Weihnachten als das Fest der Liebe soll an die bedingungslose Liebe von Gott zur Menschheit erinnern, deren ultimativer Beweis die Geburt von Jesus ist. 

Doch sind wir angesichts der verschiedenen politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Welt auch in der Lage, diese Liebe zu erwidern, aufzunehmen und im umfassenden Sinn zu leben? Die Antwort kennen Sie selbst! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und der Welt ein schönes Fest mit unendlich viel Liebe!