Die Welt im Kleinen
Orientierung verlieren. Liegen wir vielleicht bereits zu Füssen der Welt?
Eines hat sich mit Digitalisierung, KI und Algorithmen noch nicht verändert: Das wahre Leben findet immer noch kleinräumig statt. Bei jedem von uns. Direkt vor der Haustüre. Dort finden spontane Begegnungen statt, der Austausch mit dem Nachbarn oder der
Verkäuferin in der Bäckerei. Wir identi-fizieren uns mit dem, was uns unmittelbar umgibt. Mit dem, was wir riechen, mit unseren Sinnen real erfahren, womit wir interagieren können.
Der Mikrokosmos ist tot, lang lebe der Mikrokosmos! Der Begriff steht für die Welt des winzig Kleinen im Gegensatz zum Makrokosmos, der Welt des riesig Grossen. Wir sind darauf angewiesen, die Welt zu segmentieren, um sie als Ganzes überhaupt noch verstehen zu können. Daher gewinnt das Kleinräumige wieder zunehmend an Bedeutung. Der Begriff Mikrokosmos bezeichnet in der Philosophie traditionell den Menschen als eine «kleine Welt», in der sich der Makrokosmos – das Universum oder die «grosse Welt» – widerspiegelt. Antike und mittelalterliche Philosophen sahen den Menschen nicht als isoliertes Wesen, sondern als eine Entsprechung zum Ganzen. Strukturen, Kräfte und Gesetzmässigkeiten des Universums (Makrokosmos) finden sich im Aufbau und Wesen des Menschen (Mikro-kosmos) wieder.
Es besteht also eine Analogie vom winzig Kleinen zum grossen Ganzen. Oder anders ausgedrückt: Verstehe ich meine kleine Welt, so lässt dies Rückschlüsse auf die grosse Welt zu. Das Kleinräumige hilft uns dabei, die Orientierung im Grossen nicht zu verlieren. Tragen wir Sorge dazu!