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Das bringt doch nichts!

Als kleiner Einzelmensch auf eine Autofahrt verzichten, während China neue Kohlekraftwerke baut? Den Zug anstatt das Flugzeug nehmen, während die halbe Schweiz fliegt und Reiche in Privatjets hemmungslos herumdüsen? Weniger Fleisch essen, während Millionen andere fröhlich grillieren? Für nachhaltig produzierte Kleider mehr ausgeben, während Versandhäuser fabrikneue, retournierte Billigklamotten ungebraucht ent-sorgen? Das bringt doch nichts!

Wirklich? Dass Einzelne angeblich nichts bewirken können, gilt als unbestritten. Aber auch ganze Länder werden als zu schwach taxiert: Die kleine Schweiz kann doch keine Pionierrolle im Klimaschutz einnehmen, während die grossen USA immer neue Erdöl-felder erschliessen! Aber könnte denn nicht ein ganzer Kontinent etwas bewirken? Nein, Fehlanzeige! Denn was nützt es, wenn Europa allein handelt, während Grossmächte ohne Rücksicht auf Umwelt und Natur handeln?

Und so weiter mit der Ausreden-Kaskade: Was bringt es, wenn nur Europa, Amerika und Asien handeln, so lange Afrika nicht mithilft? 

In Politik und Öffentlichkeit werden kleine Schritte in die richtige Richtung als sinnlos abgeschrieben. Zahllos die Leserbriefe, die auf den «verschwindend kleinen» Anteil der Schweiz am weltweiten CO2-Ausstoss mit knapp 0,1 bis 3 Prozent hinweisen – je nach Berechnung. «Ich soll etwas ändern? Der andere aber nicht?» Oder: «Man müsste halt im Grossen handeln», heisst es – um es umgehend als utopisch einzustufen. So wird jede Handlungsoption verworfen. Es sei denn, sie eröffne einen lukrativen Markt, aber dies ist ein anderes Thema.

Der Denkfehler in diesem Schema, auch kleinste Schritte abzulehnen und jeden persönlichen Verzicht zu verteufeln: Wir vergessen, dass Millionen, die etwas tun oder nicht tun, eine gewaltige Wirkung entfalten. Ein gigantischer Masseneffekt kommt zum Tragen – zum Schlechten, aber genauso auch zum Guten. 

Wahr ist aber auch: Wenn sich von heute auf morgen die Zahl der Flug-passagiere, Autofahrenden, Fleisch-esser halbieren würde, hätten wir sofort neue Probleme – ganze Industrien gingen zu Boden. Allerdings würde ein solches Umdenken kaum kurzfristig erfolgen – eher innert Jahren. Dem könnte sich die Wirtschaft genauso dynamisch anpassen wie all den sofort erkannten Wachstumschancen, die dem Motto «mehr und immer mehr» folgen.

Deshalb: Machen wir noch heute erste Schritte in die richtige Richtung, und seien sie noch so klein – im Wissen, dass wenig unendlich viel mehr ist als nichts. Und in der Hoffnung, dass Millionen andere – wer weiss! – mit ebensolchen Schritten zu einem sinnvollen Masseneffekt beitragen.

Jürg Alder, pensionierter freier Journalist