Alles-Wissen wird zur Gewohnheit
Der schnellste Weg zum gesuchten Restaurant. Wie alt ist eigentlich Schauspieler xy? Und überhaupt, wie viel hat es diesen Monat geregnet, und gibt es einen Trick, wie man graue Haare vielleicht doch noch loswerden kann? Alles wird recherchiert, das Handy immer in Reichweite, alle Fragen des Lebens
können scheinbar im Bruchteil einer Sekunde beantwortet werden. Bis vor einiger Zeit waren es die Suchmaschinen, die uns vermeintlich zu jeder Tages- und Nachtzeit weiterhelfen konnten, immer mehr werden sie von KI-gestützten Formaten abgelöst. Schätzungs-weise verzeichnet man weltweit täglich 5,8 Milliarden Suchanfragen allein via Google.
Wie viel davon interessiert uns wirklich, was müssen wir tatsächlich in diesem Moment wissen? Praktisch ist es in vielen Lebenslagen, keine Frage. Und beruflich inzwischen sogar oft hilfreich und unabdingbar. Doch das Alles-Wissen wird zur Gewohnheit und gerade im Privatleben auch zu einem Stück Bequemlichkeit; das Lexikon in 26 Bänden im Regal hat längst ausgedient. Doch waren wir wirklich ungebildeter, als manche Frage eine Weile unbeantwortet blieb? Eher nicht.
Studien zeigen, dass das ständige Suchen nach einer Information dazu führt, dass das Gehirn nur noch so viel wie unbedingt nötig genutzt wird. Wir vertrauen blind darauf, dass das, was uns als Erstes ausgespielt wird, wohl stimmen wird. Jede einzelne Anfrage trägt ausserdem zu unserem digitalen Fussabdruck bei; geringste Schätzungen gehen von einem CO2-Ausstoss von 0,2 Gramm aus. Klingt wenig, summiert sich im Laufe eines Jahres aber rasant; eine traurige Bilanz für das Klima. Manchmal ist es vielleicht doch auch schön, einen Moment nachzudenken, ob man die Antwort nicht doch schon selber kennt oder sie sich zumindest herleiten kann. Oder tatsächlich einen Menschen zu fragen, der einem weiterhelfen kann. Ob die Antwort auch einen Moment warten kann, wird zeigen, wie dringend wir es wirklich wissen wollten.