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Lagom

Nicht zu viel und nicht zu wenig. Nicht das Streben nach immer mehr, sondern nach der Balance. In Schweden gibt es einen Begriff dafür, der eigentlich viel mehr ist als das: eine ganze Lebenseinstellung. Lagom. In vielen Betrachtungen wird Lagom als «die schwedische Philosophie der Ausgeglichenheit» bezeichnet, gerne auch als «Glücksformel». Doch worin genau besteht dieses Glück? Wie immer, wenn es um das langfristige Empfinden von Glück geht, gibt es nicht nur den einen Knopf, der gedrückt werden muss. Lagom wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus und kann das Leben definitiv nicht nur entschleunigter, sondern auch zufriedener machen. Das richtige Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit wird hoch gewichtet – beides ist Lebenszeit und darf sich nicht fortwährend im Weg stehen. Pausen einzulegen ist erwünscht, und eine obligatorische Zimt- oder Kardamomschnecke darf auch in stressigen Situationen nicht fehlen. Das Glück wird eher im Einfachen verortet und muss gar nicht viel Aufwand bedeuten. Das Essen darf gesund und zugleich simpel sein, das Beisammensein und die Atmosphäre zählen mehr als das investierte Geld und stundenlanger Aufwand der Gastgebenden. Funktionalität ist ein weiteres Stichwort, wodurch IKEA ein Teil des Lagom-Gefühls weltweit exportiert hat. Oftmals einfach aussehende Möbel ohne grossen Schnickschnack, klare Farben, praktisch und gerne mit mehrfachem Verwendungszweck, man empfindet sie direkt als gemütlich. Auch hier lässt man Unnötiges beiseite (okay, wenn manchmal ein paar Schrauben im Bausatz fehlen, dürfen wir das allerdings nicht mit Lagom verwechseln, das ist dann einfach nur ungünstig). Extreme werden generell vermieden, man fühlt sich wohl im gesunden Mittel – wobei Mittelmass nicht mit mittelmässig verwechselt werden darf.

Gut hört sich das an, doch Lagom passiert nicht von selbst, es verlangt auch etwas von jedem Einzelnen. Vereinfachung muss man wollen und erkennen, wie viel oder wenig man wirklich braucht und wann es eigentlich genug ist. Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaft sind wichtige Schlüsselworte; man schaut nach dem anderen. Allerdings nicht, um immer nur zu vergleichen oder gar zu neiden, sondern wo man sich gegenseitig unterstützen kann. Gleichstellung gehört dazu, wodurch auch hin und wieder akzeptiert werden muss, nicht die wichtigste Person zu sein und sich zu engagieren. Im Einklang mit der Natur zu leben, zählt ebenfalls dazu, sie zu schätzen und zu geniessen, doch auch für sie Verantwortung zu übernehmen und Sorge zu ihr zu tragen. Verzicht wird zwar nicht als Lagom angesehen, doch für den einen oder anderen mag es sich im ersten Moment so anfühlen. Lagom ist ein Lebensmodell, das vieles vereinfacht und ein entspannteres Miteinander ermöglicht, aber auch Aufgaben mit sich bringt. Ein schönes Experiment ist es, manches für sich alleine auszuprobieren. Doch wirklich funktionieren kann es nur, wenn sich niemand als Ausnahme sieht und jede und jeder seinen Beitrag leistet.