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Die Kinder von den Handys wegholen

 Münsingen • Die offizielle Eröffnung des Pumptracks (mit Festbetrieb) im Schlossgutareal findet am 9. Mai statt, initiiert und umgesetzt vom Verein «Freestyle Münsingen» in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendfachstelle Aaretal. 
Unglaublich, wie viele Menschen sich auf dem Pumptrack in Münsingen tummeln – nicht nur am Wochenende. (Bild: zvg)

«Diese Anlage ist ein unglaublicher Magnet für Junge und Ältere», sagt Andreas Wiesmann, Mitbegründer des Pumptracks in Münsingen. «Als die Kids zum ersten Mal mit ihren Velos, Trottis und Boards darauf gefahren sind, haben wir sie kaum noch weggebracht.» Dies zeige, wie enorm wichtig es sei, den Kids Möglichkeiten zu schaffen, wo sie sich bewegen, treffen und austoben könnten. «Schliesslich muss die Energie irgendwo raus. Das ist auch bei uns Erwachsenen nicht anderes.»

Akrobaten auf dem Velo

Initiiert und durchgesetzt hat den begehrten und wichtigen Begegnungsort der Verein «Freestyle Münsingen.» Vier Jahre lang kämpften die Mitglieder um die Anlage. Andreas Wiesmann: «Der Prozess zog sich zu Beginn sehr in die Länge.» Doch seit einem Dreivierteljahr ist die grosse Anlage auf dem Schlossgutareal nun fertiggestellt und in Betrieb. Und auch das Bild vor Ort beweist: Unglaublich, wie belebt und beliebt der Pumptrack ist. Und zwar von sehr klein auf dem Dreiradtrotti bis gross auf dem Velo. Natürlich nicht einfach so, sondern in Action: Akrobatik und Können pur! «Der Pumptrack verbindet Sport und Freizeit», so Wiesmann. «Er steht allen Interessierten offen.» Und dies mit allem drum und dran: mit Fahrstrecke, Grünflächen und Aufenthaltsmöglichkeiten.

BMX, Skates, Trottis

Die Rundstrecke eignet sich für Mountainbikes, BMX, Trottinetts, Skates und weitere Sportgeräte. Neben der eigentlichen Fahrstrecke wurden naturnah gestaltete Grünflächen mit Sitzgelegenheiten und einer Graffiti-Wand realisiert. Der Vorplatz beim Spycher wurde neu gestaltet: mit Sonnensegel und Tischtennistisch. «Es gab neben der professionellen Flying-Metal-Crew aus Thun, die für den Bau des Tracks verantwortlich ist, viele freiwillige Helferinnen und Helfer», sagt Wiesmann. Ein lokales Gartenbauunternehmen habe die Begrünung übernommen. «Ziel der Anlage ist es, sowohl Bewegung als auch Begegnung über Generationen hinweg zu fördern.» Die Gruppe der passionierten Skater trainiere allerdings auf dem Schulareal. «Sie haben ihre eigene Szene.» 

Verantwortliches Verhalten 

Wichtig sei, dass die Benutzerinnen und Benutzer der Anlage Verantwortung für ihr Verhalten übernähmen und sich an die Nutzungsordnung hielten, «so, wie auf einem normalen Spielplatz auch.» Dies funktionierte in dem knappen Jahr, in dem es die Anlage gibt, bestens. Auch für die Eltern ist die Anlage ein wichtiger Vernetzungsort. «Der Ort wurde zum Selbstläufer in Sachen Begegnung.» Manche gingen einfach auch ohne Fahrzeug hin, um Freunde zu treffen. Zudem gibt es eine gros-se Graffiti-wand: «Eine Paneele, die besprayt werden kann.» Sie sei so beliebt, dass Jugendliche sogar aus Worb dafür nach Münsingen gekommen seien. Nun also wird die Anlage eingeweiht und es wird gefeiert: Gemeinsam mit der Kinder- und Jugendfachstelle Münsingen wird ein Fest organisiert, angesetzt ist es auf den 9. Mai. 

Die gemeinsame Vision

Wie kam es, Andreas Wiesmann, dass Sie sich so für die Jugendlichen engagierten? «Ich wollte etwas für Kinder und Jugendliche schaffen», so der Vater dreier Kinder, der sich auch bei Pro Velo engagiert. Zuvor wurde in den Sommerferien 2020 und 2021 von der Jugendarbeit projektweise ein mobiler Pumptrack betrieben. «Doch Menschen brauchen nicht Treffpunkte, die man ihnen dann wieder wegnimmt.» Ein Pumptrack fordere heraus, Kinder würden aktiv, statt daheim vor den Handys zu hocken. Sie verlernten die Interaktion mit anderen nicht. «Durch diesen Input gibt es auch einen Impact.» Da das Land, eine ehemalige Schafweide, der Gemeinde gehört, habe nichts umgezont oder gekauft werden müssen. Dies habe den Prozess erleichtert. 

Im Sommer 2021 gründeten engagierte Personen aus Münsingen und Umgebung den Verein «Pumptrack Münsingen». Dieser organisiert Finanzierung, Planung, Bau und den Betrieb. Dazu arbeitet der Verein mit der Gemeinde Münsingen, die eine halbe Million Franken dafür sprach, der Kinder- und Jugendfachstelle Aaretal, Pro Velo Bern Ortsgruppe Münsingen und weiteren Organisationen zusammen. Der Verein ist politisch neutral und verfolgt keine kommerziellen Zwecke. Die Organe sind ehrenamtlich tätig. 

Nach wie vor freue sich der Verein über Zuwachs und Unterstützung, so Wiesmann. Auch die Gemeinden Rubigen und Wichtrach unterstützten Idee und Umsetzung. «Grosse Unterstützung gab es auch aus der Wirtschaft und der Gesellschaft. Als Platinsponsoren konnten mit der Mobiliar-Versicherung und der Bank SLM lokal verankerte Firmen gewonnen werden.» Unter den Gold-, Silber- und Bronzesponsoren fänden sich Kirchgemeinden, der Verein Freikirchen Aaretal, Clubs, Vereine, Firmen und auch Private. «Im Crowdfunding haben zudem über 120 Private und Familien mit teilweise hohen Beiträgen mitgemacht. Dies zeigt, welchem riesigen Bedürfnis diese Anlage entspricht!»

Andreas Wiesmann freut sich über die Begeisterung der Journalistin dieses Textes zum Hochbetrieb auf der Anlage: «Ja, das ist schön zu sehen und erleben. Wir fragen uns immer, wo die Kinder und Jugendlichen alle waren, bevor es den Pumptrack gab.» 


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| Adrian Hauser | Gesellschaft

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