«Der Biber erledigt gratis wichtige Arbeiten»
Die Jungen werden ab April geboren; sie wachsen gut geschützt in den ausgeprägt sozialen Familienstrukturen auf. Eigentlich können sie von Geburt an schwimmen, doch wie für alles im Leben braucht es Übung, und so wird im gestauten Gewässer spielerisch gelernt. Gerade zu Beginn ihres Lebens, wenn das Fell noch nicht wasserdicht ist und sie nicht tauchen können, kann es zu gefährlichen Situationen kommen, wenn es Hochwasser gibt. «Vor allem die Mutter weicht ihnen kaum von der Seite», bemerkt Susanna Meyer. «Auch draussen werden sie zunächst immer von den Eltern begleitet, darüber hinaus helfen auch die Jungtiere aus dem Vorjahr mit und bringen sie auch mal in den Bau zurück, wenn sie übermütig werden.»
Zusammenarbeit zum Nutzen der Allgemeinheit
Nebst der Jungenaufzucht ist der Biber auch sonst ein geschäftiger Zeitgenosse, der seinen Lebensraum aktiv gestaltet. Circa 20 Meter links und rechts des Gewässers, in dem er lebt, bewegt er sich. Die Länge des Reviers hängt wiederum davon ab, wie viel Nahrung er findet, vor allem im Winter. «Das ist sehr unterschiedlich und kann von 500 Metern bis zu sechs Kilometern reichen», so Meyer. Ungewöhnliche Standorte, wie etwa in Stras-sennähe, seien meistens von jüngeren Bibern besetzt, denn «die ‹guten› Reviere sind oftmals schon vergeben». In die Quere komme man sich ungern, und wenn doch einmal ein Artgenosse eindringe, werde das Revier verteidigt.
Wie Susanna Meyer weiter ausführt, könne es dabei durchaus, wenn auch nicht häufig, zu Todesfällen kommen, da durch die scharfen Zähne Verletzungen möglich seien, die sich infizieren können. Der Eingang zu seinem Bau unter Wasser ist zudem wichtig, um vor Eindringlingen geschützt zu sein.
Genügend Raum und Akzeptanz
Das Bild des Bibers, der wahllos Dämme baue und willkürlich an Bäumen nage, stimme nicht, sagt Meyer. Die Landschaft gestalte er komplex, und er leiste vor allem einen bedeutenden Beitrag für das Funktionieren natürlicher Kreisläufe in Gewässerlebensräumen und fördere damit deren Artenvielfalt. Sein Schaffen wirke sich unter anderem auf die Fliesseigenschaften von Gewässern aus, was zum Beispiel Hochwasser regulieren könne, da Wasser länger zurückgehalten werde. Auch der Grundwasserspiegel könne durch sein Zutun erhöht werden.
Gerade mit der Tendenz, dass die Sommer immer trockener werden, könne das gemäss Meyer ein positiver Effekt sein, der auch der Landwirtschaft nützen könne. «Aufgrund von Klimawandel, Verbauungen und Verschmutzungen sind die Schweizer Gewässer massiv unter Druck und werden unseren Schutz und unsere Förderung immer stärker brauchen, um sich positiv zu entwickeln», führt Meyer weiter aus. «Der Biber macht die Arbeit gratis, für die man sonst kostenintensive Revitalisierungen umsetzen müsste.»
Um konstruktiv zu wirken, helfe dem Biber genügend Raum und vor allem Akzeptanz der Menschen. Es brauche Offenheit, die Natur machen zu lassen, damit alle profitierten. Dazu gehöre ein Dialog von Behörden, Landwirtschaft und Naturschutz ebenso wie Flexibilität bei der Nutzung und Gestaltung von Uferbereichen und Massnahmen zur Minderung von Biberschäden, erläutert Meyer. Wo Biber, Landwirtschaft und Naturschutz zusammenarbeiten, profitiert letztlich die Allgemeinheit.




