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Ein Haus mit Geschichte

 
Walkringen •1772 wurde das Haus von Theres und Res Amstutz zum ersten Mal amtlich erwähnt. Im Jahre 2020 brannte es vollständig ab, was zu Ermittlungen führte. Vermutet wurde ein technischer Defekt. Dabei hätten die beiden lieber das alte Haus erhalten.
| Adrian Hauser | Begegnung
Theres und Res Amstutz. (Bild: Adrian Hauser)

Der Ort hat schon fast etwas Verwunschenes. Von der Strasse aus kaum ersichtlich, befindet sich das Haus etwas versteckt an einem Abhang. Auf der einen Seite stehen Hügel, auf der gegenüberliegenden Seite sieht man ins Tal, sofern die Bäume die Aussicht nicht versperren. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es sei oft dunkel und düster hier. Doch majestätisch erhebt sich die Nachmittagssonne über die Hügel, flutet das Haus mit Licht und verbreitet trotz des frischen Wintertages angenehme Wärme. 

Holz aus der Region

Unsere Gastgeber sind Res und Theres Amstutz. Res Amstutz eilt dem Besucher entgegen, verbreitet auf Anhieb gute Laune, man fühlt sich willkommen. Sofort beginnt er von seinem Haus zu sprechen, das er als Zimmermann selbst wieder aufgebaut hat. Das Holz ist unbehandelt, stammt hier aus der Gegend und «nichts wurde verleimt». Sondern verkeilt. Die verschiedenen Balken passen nahtlos aufeinander. Auch das ungeübte Auge sieht: Hier hat man es mit traditionellem Qualitätshandwerk zu tun. Wichtig ist Res Amstutz auch die Nachhaltigkeit: «Wir haben 70 Kubikmeter Holz aus der Region verbaut. Das Holz stammt von Naters am Schallenberg, Herrenschwanden und der Zettenalp», erklärt Res Amstutz. 60 Prozent ist Rottanne und 40 Prozent Weisstanne. Die Isolation besteht aus Holzwollen. Der Bau kann sich sehen lassen. Er ist mit Schnitzereien verziert, auf jedem Meter kann man etwas Neues entdecken, das helle Holz verströmt eine heimelige Atmosphäre.

Wie im Krimi

Das idyllische Bild täuscht darüber hinweg, dass sich hier vor 5 Jahren ein wahres Horrorszenario abspielte. Im Jahr 2020 brannte das Haus vollständig nieder. Res Amstutz erinnert sich noch gut an diese Nacht. Die Feuerwehr war vor Ort, Polizei, Blaulichter, Brandermittler. Gleich vor Ort wurde er während eineinhalb Stunden von der Polizei verhört. Die Brandursache musste geklärt werden. Man wollte wissen, was , wann und warum gebrannt hat. Während rund drei Tagen wurde ermittelt. «Das Haus gehörte damals während 72 Stunden offiziell dem Kanton», erzählt Res Amstutz. Während dieser Zeit musste er dem Ort fernbleiben, um die Ermittlungen nicht zu stören. Einige Tage nach dem Brand wurde er auf dem Polizeiposten nochmals während drei Stunden verhört. Dabei sei einer der Polizisten gebannt hinter einer Kamera gesessen, die ihn während der Befragung filmte. Res Amstutz vermutet, dass dabei seine Körpersprache und jede seiner Regungen beobachtet und analysiert wurde, also eine Art «Profiling» stattfand. Wie im Film. Und wie es zu seinem spannenden Krimi dazugehören würde, gab es im Dorf Gerede. Man munkelte, Res Amstutz selbt könnte das Feuer gelegt haben, um die Versicherungssumme zu kassieren. Die Polizei ermittelte unter anderem wegen «menschlichen Versagens». Die Ermittler beschäftigte unter anderem die Frage, ob das Haus zum Zeitpunkt des Brandes verschlossen gewesen sei oder nicht. In den Aschen fand man schliesslich das verschlossene Schloss aus Eisen. Dies liess darauf schliessen, dass sich zum Zeitpunkt des Brandes niemand im Haus aufgehalten hat, was nicht auf Brandstiftung oder menschliches Versagen hindeutete.

Nicht abschliessend geklärt

«Wir hingen am alten Haus», erklären Theres und Res Amstutz wehmütig. Schon lange gefiel es ihnen. Und zwar so, wie es damals war. Doch sie mussten eine Weile warten, bis sich die Vorbesitzer im Jahre 2015 davon trennen konnten. Der Plan war, das Haus, das 1772 erstmals amtlich erwähnt wurde, Stück für Stück zu renovieren. «Wenn Du einen Oldtimer liebst und kaufst, baust Du ihn auch nicht zu einem neuen Auto um, sondern restaurierst ihn», erklärt Res Amstutz schmunzelnd. Zudem sei der Wiederaufbau mit 1,2 Millionen Franken teurer geworden, als die Renovation gewesen wäre. «Und wir haben durch den Brand 100 Flaschen Wein verloren», bedauert der Hobbywinzer und passionierte Weinliebhaber.

Der Verdacht auf Brandstiftung konnte nach Abschluss der Ermittlungen nicht erhärtet werden. Zwar konnte man die Brandursache nicht abschlies-send klären, aber es lag nahe, dass es ein Kaminbrand war. Die Staatsanwaltschaft Bern Mittelland schrieb damals: Gemäss den Untersuchungen «stehen ein technischer Defekt an der Hausinstallation oder ein technischer Störfall im Zusammenhang mit der Feuerungs-/Abgasanlage im Vordergrund. Aufgrund des hohen Zerstörungsgrads konnte die Brandursache nicht mehr abschliessend geklärt werden. Der entstandene Sachschaden beläuft sich gemäss Abklärungen auf mehrere Hunderttausend Franken.»

Zimmermannsfamilie

Beim Wiederaufbau des Hauses kam Res Amstutz sein Beruf entgegen. «Ich komme aus einer Zimmermannsfamilie», sagt Res Amstutz. Er ist in Biglen aufgewachsen und machte seine Lehre in Walkringen, wo er danach auch wohnte. 1983 machte er sich zusammen mit seinem Vater selbstständig, gemeinsam gründeten sie die Zimmerei Amstutz in Grosshöchstetten. Ein Jahr zuvor waren Theres und Res Amstutz zum ersten Mal Eltern geworden. Beide waren damals Mitte zwanzig, starteten als junges Ehepaar also voll ins Leben. Inzwischen sind die drei Söhne erwachsen und alle haben das Handwerk des Zimmermanns gelernt. Zwei von den Söhnen arbeiten heute ebenfalls im elterlichen Betrieb. Der eine übernahm zusammen mit seiner Frau die Geschäftsführung und ist seit 2013 Besitzer der Firma, der andere leitet den Parkettbereich. Der dritte Sohn arbeitet inzwischen beim Kanton in einem anderen Beruf. Die Firma ist seit der Gründung stark gewachsen. Sie zählt zurzeit rund 40 Mitarbeitende, darunter neun Lernende. Der Familienbetrieb bietet einen Rundumservice am Bau bis hin zu Architektur. Bei Bedarf wird zwecks Baueingaben und Bewilligungen Rücksprache mit Baubehörden und gegebenenfalls mit der Denkmalpflege genommen. Im Umgang mit den Behörden kommt Res Amstutz sicher auch seine Zeit als Gemeinderat zugute. Insgesamt war er sieben Jahre als Parteiloser im Gemeinderat. Ursprünglich rutschte er nach dem Rücktritt von Christoph Fankhauser nach, bei der Wahl für die zweite Amtszeit erzielte er das beste Ergebnis. Er habe in dieser Zeit viel gelernt. Was ihn für ein solches Amt interessiert hat? «Man kann ja nicht immer nur von aussen kritisieren», schmunzelt Res Amstutz. «Man sieht, wie eine Gemeinde funktioniert, was es alles braucht, damit eine Gemeinde bestehen kann. Als Ressortleiter Hochbau machte ich viele Bekanntschaften, die man sonst nicht macht.»

Hobbywinzer

Im Familienbetrieb arbeitet er inzwischen als Projektleiter und will sich langsam zurückziehen. Ende März erreicht er das Pensionsalter, ab dann will er nur noch 50 Prozent arbeiten. Theres Amstutz, welche die Administra-tion verantwortete, ist bereits pensioniert, ebenfalls etwas kürzergetreten und unterstützt ihre Schwiegertochter bei Bedarf bei der Administration und macht Ferienvertretungen. Der nächsten Generation Platz zu machen, bereitet den beiden keine Mühe. Sie haben viel Vertrauen in ihre Söhne und pflegen ein enges, freundschaftliches Verhältnis zu ihnen. Die fünf Enkelkinder kommen immer gerne zu den Gross-eltern ins Haslerloch. 

Langweilig wird’s den beiden bestimmt nicht, auch wenn sie beruflich etwas kürzertreten. Ihr grosses Hobby ist das Winzern. Res und Theres Amstutz besitzen im Wallis einen Rebberg, einige Rebstöcke befinden sich auch im Haslerloch. Mit Morgensonne, wie Res Amstutz betont, was für die Reben vorteilhafter ist. Sie haben sogar Rebstöcke, die zwischen 60 und 70 Jahre alt sind. «Ältere Rebstöcke ergeben mehr Geschmack», berichten die beiden. Den Wein machen die beiden nicht selbst, sondern sie geben dessen Produktion in Auftrag. Daneben haben sie auch Bienen und Schafe. Da sie mit allem sehr beschäftigt sind, waren die beiden bisher kaum länger als eine Woche weg. Doch wer weiss. Vielleicht reicht es bald mal für länger. Zum Beispiel für eine längere Flussfahrt, was die beiden gerne mal wieder machen würden.


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