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Was für eine kluge Erfindung

Spiez/Thun • Lukas Gräppi ist Spengler, aber auch Erfinder. Er erfand «gräppiflex», ein Produkt, das den fachgerechten Umgang mit Dunstrohren unter Solaranlagen ermöglicht. So können austretende Gase ins Freie gleiten, ohne die Solaranlage oder das Dach in Mitleidenschaft zu ziehen.
| Sonja Laurèle Bauer | Begegnung
Lukas Gräppi mit seinem «gräppiflex», einem Produkt, das den fachgerechten Umgang mit Dunstrohrer unter Solaranalgen ermöglicht. (Bild: Sonja L. Bauer)

Ich treffe Lukas Gräppi in seiner Werkstatt in Spiez. Vor dem Spengler liegen – jedenfalls für die Journalistin – unbekannte Objekte, die allerdings nicht fliegen können, also keine UFOs sind, wohl aber UOs – noch. Denn diese Dinger aus dem Material EPDM – «das ist künstlicher Kautschuk, den man zum Beispiel auch für das Abdichten von Weihern und Teichen braucht oder für begrünte Flachdächer», so Gräppi – sind das Herzstück der Erfindung, zwischen Dunstrohr und Flachkanal. «Die meisten Personen, die Solardächer aufs Dach montieren lassen, wissen nicht, dass die Dunst- und Lüftungsrohre, die aus ihren Häusern hinaus ins Freie führen, von den Solardachbauern einfach abgeschnitten werden», so der Spengler. «Ja, sie sägen sie einfach ab!» 

Gräppi ist ein leidenschaftlicher Spengler und hat sowohl als Spengler als auch im Solarbau Erfahrung. «Ich gehe davon aus, dass die Solarpanels darunter leiden», sagt er. «Die Panels und deren Unterkonstruktion sind aus Alu, Glas und elektrischen Anschlüssen. Sie vertragen die Säure der Haus-‹Abfallgase› nicht.» Heute sagten die Solarbauer zwar, die neuen Panels seien resistent gegen diese Gase. Er hingegen sei aus Erfahrung überzeugt, dass es sich anders verhalte: «Wenn die feuchte Luft aus den abgeschnittenen Rohren hochsteigt und am Panel kondensiert, tropft diese dann irgendwo unbemerkt runter. Wer sagt, dass es nicht in die Öffnung zwischen der Blechfassung und dem Dunstrohr hineintropft und so ins Unterdach gelangt?!» Klar, diese Lücke lasse sich abkleben, so Gräppi, «doch ein Klebeband löst sich irgendwann». 

Schutz für Dach und Panels

Er zeigt auf seine geniale Erfindung: «Damit hat man die Gewissheit, dass man erstens das Dach schützt und zweitens die Panels.» Gräppi erklärt: «Als Spengler machte ich viele Dunstrohr-Einfassungen. Man muss wissen, dass die Rohre stark riechen, respektive stinken.» Denn sie reichten bis in die Kanalisation. Ihre Funktion sei es, dass sie – eben – die Luft nachzögen, wenn man zum Beispiel die Toilettenspülung betätige, aber gleichzeitig auch permanent säurehaltige Luft ausstiessen. 

Er selbst sei ein grosser Fan der Solaranlagen, so Gräppi. «Ich kaufte mir, als sie aufkamen, sofort eine für aufs eigene Hausdach.» Und so sei er auch auf die Idee zu seiner Erfindung gekommen. Denn Lukas Gräppi stieg mit den Solardachbauern aufs Dach und montierte die Anlage mit. So sah er, dass hier ein Problem bestand, für das es tatsächlich noch keine Lösung gab. «Nächtelang überlegte ich und suchte eine funktionierende, einfache Lösung für die Dunstrohre.» Eben gerade, weil die alten Panels nicht säurebeständig waren. «Es musste etwas her, woran die Säure nicht geht.» Lacht: «Es war im Wortsinn ein Sch…-Problem. Klein, aber eben doch ein Problem.» So habe er sich zu Beginn überlegt: «Es müsste doch was geben, das funktioniert. Das man an die Solarbaufirmen verschicken kann. Das sich einfach und schnell und günstig montieren lässt und das passt und sowohl die Dächer als auch die Panels schont …» Das Problem sei gewesen: «Jedes Dach hat eine andere Neigung, jedes Rohr einen anderen Durchmesser. Und jeder Spengler macht sein Dunst-Röhrlein etwas anders.» So sei das eine konisch, das andere zylindrisch gerade, das dritte ein schiefer Trichter. Irgendwie müsse man das auf einen Kanal adaptieren können, so überlegte Gräppi, «dessen Querschnitt gleich gross wie der Rohrquerschnitt ist, aber von der Höhe her so wenig aufträgt, dass er zwischen Dach und Solarpanels Platz hat».

Lukas Gräppi demonstriert anhand eines der von ihm fabrizierten Dunstrohr-Anschlusstrichter mit Anschlusskanal, was er meint: «Der flexible Gummitrichter adaptiert das Dunstrohr luftdicht auf das Anfangsstück des Flachkanals.» Das Grund-paket beinhalte 45 cm Flachkanal, was je nach Standort des Dunstrohres manchmal schon ausreiche. Doch falls sich das Dunstrohr mitten im Panelfeld befinde, brauche es eben die Kanalverlängerungen. «Sie sollten fünf Zentimeter über den letzten Panelrand hinausreichen, damit die Gase entschwinden können.» Bei Raumabluft reiche das Anschlussstück, da diese Luft nicht säurehaltig sei und somit unter die Panels dürfe. 

Absolut durchdacht

«Die Idee bescherte mir einige -schlaflose Nächte», so Gräppi noch mal. Doch als aus ihr Wirklichkeit geworden sei, sei er begeistert gewesen über seine funktionierende Erfindung. Leider habe er merken müssen, dass nicht alle diese Begeisterung teilten. «Ich wünsche mir, dass die Kundschaft der Solarbauer über die Problematik informiert würde und somit selber entscheiden könnte, ob sie die fachgerechte Lösung oder das kostengünstige Abschneiden wählen möchte.» Er berate Solarbauer und deren Kundschaft objektspezifisch. «Je nach Situation gibt es auch andere, günstigere Lösungen.» 

Wer «gräppiflex» bestelle, bekomme die nötigen Komponenten für die Montage inklusive Montageanleitung mitgeliefert. Je genauer die Angaben seien, desto montagefreundlicher werde geliefert. Die Käufer von «gräppiflex» seien vorwiegend Solarbauer, Dachdecker, Zimmerleute oder die Bauherrschaft selbst. «Obwohl die Vorgehensweise und das Prinzip gut erklärt sind, ist handwerkliches Geschick Voraussetzung für eine erfolgreiche Montage.»

Er habe Kunden, so Lukas Gräppi, die «gräppiflex» von ihm selbst montiert haben wollten. «Das gibt mir die Möglichkeit, das Produkt laufend zu hinterfragen und zu optimieren. Dieser Umstand beeinflusst auch die Beratungsqualität.» Inzwischen wird «gräppiflex» in der ganzen Schweiz und selten sogar nach Deutschland verkauft.

Erfinder und Familienvater

Lukas Gräppi ist nicht nur seit vielen Jahren erfahrener Spengler, sondern vor allem auch Ehemann und Vater einer acht Jahre alten Tochter. Seine Erfindung fiel zeitgleich auf die Geburt der Tochter. «Das war nicht einfach. Ich wurde als Vater gebraucht und mein Kopf war immer ein bisschen auch auf den Dächern bei den Dunstrohren», gesteht er. So habe er rechtzeitig Prioritäten gesetzt. 

Eigentlich habe er als junger Mann nicht Spengler lernen wollen, gesteht Gräppi. In der Ausbildung sei es nicht immer einfach gewesen. «Erst nach mehreren Jahren des Ausharrens habe ich die kreativen Seiten des Berufes erkannt.» Inzwischen liebt er seine Tätigkeit und setzt sich für den Spenglerberuf ein: «Leider wird er vor allem in städtischen Gegenden oft unterschätzt.» Wer ein gutes Vorstellungsvermögen habe und gerne eigenständig bautechnische Probleme löse, könnte im Spenglerberuf eine Berufung finden. So wie Lukas Gräppi, der mit seiner Erfindung bewies, wie kreativ der Spenglerberuf sein kann. 

Ein Dach ist eben nicht nur ein Dach

Was ihn heute beschäftige, sei das «Problem des Solarbaus» allgemein: «Spengler und Dachdecker auf der einen Seite und Solarbauer auf der anderen sehen vieles nicht gleich. Es geht darum, einen Mittelweg zu finden.» Spengler und Dachdecker genössen die längere und tiefer greifende Ausbildung im Bereich der Dachtechnik. «Es gilt, die Schnittstelle vom Solarbauer zum Spengler und Dachdecker anzusprechen und auszuleuchten und einen Konsens zu finden. Ich sehe beide Seiten.» Ein undichtes Dach unter einer montierten Solaranlage könne grosse Schäden verursachen und diese seien schwer zu erkennen respektive zu reparieren. 

Lukas Gräppi betont, dass er gern Kurse in der Ausbildung zum Solarbauer geben würde. «Ich möchte den Auszubildenden dies erklären. Denn es besteht eine Kluft zwischen den verschiedenen Berufsgruppen.» Man müsse einander respektieren und das gemeinsame Arbeiten und das Verständnis fördern. «Ein Dach ist eben nicht nur eine Fläche für PV-Module, aber ein geeignetes Dach ohne Photovoltaikanlage nützt der Umwelt wenig.» 

Lukas Gräppis Dunstrohr-Anschluss-stück für Photovoltaikanlagen kostet 342 Franken. Pro weiteren Meter Kanal kommen 48 Franken dazu. «So hat man die Gewissheit, dass bestimmt nichts geschieht.» Ja, er habe viel Herz für die Sache, bestätigt der Spengler. «Als ich es erfand, gab ich alles rein.» Und ja, deshalb funktioniert Lukas Gräppis Erfindung wohl auch so gut.

graeppiflex.ch

 


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