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Die sanfte, ganzheitliche Körpertherapie

Belp • Antonietta Baccile ist Craniosacral-Therapeutin. Sie versteht sich, wie sie sagt, als Begleiterin und Vermittlerin von Verständnis und Selbstwirksamkeit. Wichtig ist ihr die Hilfe zur Selbsthilfe. Denn sie erfuhr am eigenen Leib, was es bedeutet, mit Schicksalsschlägen umgehen zu müssen. 

Antonietta Baccile in ihrer Praxis in Belp. (Bild: Sonja L. Bauer)

Antonietta Baccile ist eine strahlende Frau. Ihr eigenes Schicksal brachte sie vor über zwanzig Jahren zu ihrem Beruf: Nach einem Unfall konnte sie nicht mehr richtig gehen. Ihre beiden Kinder waren damals noch klein. «Ich weiss aus Erfahrung, was es bedeutet, von einem Tag auf den anderen als aktiver und lebensfroher Mensch die Selbstständigkeit zu verlieren; wie schwer es ist, Monat für Monat zu leben, ohne dass sich ein Lichtblick am Horizont zeigt. Ich weiss auch, wie es ist, Schmerzen zu haben, wie viel Kraft, Geduld und innere Arbeit es braucht, die Situation anzunehmen, Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln, mit ihm zusammenzuarbeiten und auf seine Signale zu hören. Auf diesem Weg hat mir die Craniosacral-Therapie immens geholfen.» Später machte sie selbst die Ausbildung zur Craniosacral-Therapeutin. 

Was ist Craniosacral-Therapie?

«Das ist eine sanfte, ganzheitliche Körpertherapie», so Baccile. Ganzheitlich bedeute, dass sie die Klientinnen und Klienten nicht isoliert anhand eines Symptoms betrachte, sondern als Einheit im Zusammenspiel von Körper, Geist, Emotionen und Lebensrealität. «Mit sanften, achtsamen und respektvollen Berührungen, beispielsweise am Kopf, Kiefer, Rücken oder an den Füssen, unterstütze ich das Nervensystem dabei, aus Anspannung und Überforderung wieder in einen Zustand von Balance und Regulation zu finden.» Dabei gehe es nicht nur um Entspannung im Moment, sondern um die Fähigkeit des Organismus, wieder flexibler auf Belastungen zu reagieren und innere Stabilität zu entwickeln. «Wenn sich das Nervensystem stabilisiert, kann sich dies positiv auf Bereiche wie Schlaf, Stressverarbeitung, Erschöpfung, Schmerzen und innere Unruhe auswirken.» 

Verständnis und Klarheit

Baccile verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im therapeutischen Bereich und über 20 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Menschen in beratenden und begleitenden Kontexten. Sie arbeitet mit Erwachsenen, Babys, Kindern und Familien. In ihrer Praxis in Belp bietet sie Craniosacral-Therapie, Beratung, Coaching und Kurse an (für Eltern sowie Angebote im Bereich Stressregulation, Achtsamkeit und Gesundheitsförderung – praxisnah und alltagsorientiert). «Was meine Arbeit prägt, ist die Verbindung von körpertherapeutischer Begleitung mit konkreter Unterstützung für den Alltag. Es geht nicht nur darum, Spannungen zu lösen, sondern darum, dass Menschen verstehen, wie sie sich selbst im Alltag besser regulieren und stärken können.» Ihr sei wichtig, dass die Arbeit nicht im Behandlungsraum stehen bleibe. Viele Klienten erlebten in der Behandlung tiefe Entspannung, «entscheidend ist jedoch, wie sich diese Veränderung in den Alltag übertragen lässt. Ich arbeite deshalb immer auch mit dem Blick darauf, wie Klienten ihre eigenen Signale besser verstehen und im Alltag mehr Sicherheit, Ruhe und Orientierung sowie Resilienz entwickeln können.» 

Körperliche Prozesse und Lebensrealität liessen sich nicht trennen. «Viele Klientinnen und Klienten brauchen neben der körperlichen Behandlung auch Verständnis, Klarheit und konkrete Unterstützung für ihre aktuelle Situation.»

Im Coaching und in der Beratung arbeite sie mit Klienten sowohl unabhängig von der Craniosacral-Therapie als auch ergänzend im Anschluss an einen therapeutischen Prozess. «Während die Craniosacral-Therapie körpertherapeutisch ausgerichtet ist, stehen im Coaching und in der Beratung das Verstehen von Zusammenhängen, die persönliche Entwicklung sowie konkrete Alltagsfragen im Mittelpunkt.» Manche nutzten diesen Rahmen, um Lebensthemen weiter zu vertiefen, mehr innere Klarheit zu entwickeln und das, was sie für sich erkannt hätten, konkret und nachhaltig in ihren Alltag zu integrieren. «Meine langjährige Erfahrung hat mir gezeigt, wie individuell jede Person auf Belastungen und Überforderung reagiert.» Dies ermögliche ihr, differenziert zu arbeiten und Klienten in unterschiedlichen Lebenssituationen gezielt zu begleiten. 

Das Wissen der Indigenen

Die Idee zur Craniosacral-Therapie entstand durch den Arzt Andrew Taylor Still, den Begründer der Osteopathie, der in den Grenzregionen von Kansas und Missouri arbeitete, wo er mit verschiedenen Stämmen der indigenen Bevölkerung in Kontakt kam. Ab 1853 lebte er mit seiner Familie in einem Reservat des Shawnee-Volkes in Kansas. Gemeinsam mit seinem Vater, einem Arzt und methodistischen Prediger, leistete er medizinische Versorgung für die indigene Bevölkerung und beobachtete traditionelle Heilmethoden. «Diese Erfahrungen bereicherten seinen persönlichen und beruflichen Werdegang. Welchen Einfluss sie auf die spätere Entwicklung seines medizinischen Denkens hatten, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen; es erscheint plausibel, dass sie dazu beitrugen, seine Perspektive auf Gesundheit und Betreuung des Menschen zu erweitern.» Der Mensch sei verbunden mit dem eigenen sozialen Umfeld, «unseren Emotionen, unserer Vergangenheit. Unser Körper, unser Geist, unsere Psyche bilden- eine Einheit mit allem, was mit uns in Berührung kommt.» Deshalb erfordere wirkliche Heilung tiefere Erkenntnisse. «Solche, die über das schulmedizinische Wissen hinausgehen.» Die Craniosacral-Therapie sei durch weitere Erfahrungen ergänzt worden, welche die Schulmediziner auf der Welt zusammengetragen und zu Wissen verbunden hätten. 

Die Gründe, weshalb ihre Klienten zu ihr kämen, seien vielfältig. «Oft geht es um Schmerzen, Muskelverspannungen, Stress, Erschöpfung, Schlafstörungen, Migräne, Kopf- und Rückenschmerzen oder das Gefühl, ständig unter innerer Spannung zu stehen.» Auch Long-Covid- oder Fatigue-Patienten therapiere sie. «Auch hormonelle Veränderungen wie Menstruationsbeschwerden oder die Wechseljahre sowie die Zeit rund um Schwangerschaft und Wochenbett sind Behandlungsgründe.» Ein weiterer Schwerpunkt sei die Begleitung bei Kiefer- und Nackenbeschwerden, wie zum Beispiel bei chronischen Verspannungen, Zähne-knirschen oder im Zusammenhang mit kieferorthopädischen Behandlungen. «Bei Kindern treten Themen im Zusammenhang mit Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation, Konzentrationsproblemen oder Schlafstörungen auf. Bei Säuglingen stehen Koliken sowie Fragen rund um den Schlaf oder das Stillen im Vordergrund.» 

Berührung als Lernprozess und Heilung

Jugendliche wüchsen heute in einer komplexen Welt auf. Die zu vielen Möglichkeiten und hohen Anforderungen führten sie in eine ständige Reizüberflutung. «Mir ist wichtig, junge Menschen früh zu stärken und ihnen Räume zu geben, in denen sie Stabilität entwickeln können.» Ebenso wichtig sei die Unterstützung der Erwachsenen, die sie begleiteten. «Babys und Kinder reagieren sehr direkt auf Belastungen, oft über Schlaf, Verhalten oder Körper-signale. Deshalb ist es mir wichtig, ihnen mit Ruhe und Achtsamkeit zu begegnen und ihre Signale ernst zu nehmen.» Gleichzeitig beziehe sie die Eltern eng in die Arbeit mit ein. «Sie spielen eine zen-trale Rolle dabei, Veränderungen im Alltag zu stabilisieren und ihr Kind besser zu verstehen.» Baccile spricht von der Berührung als Teil des Heilungsprozesses. «Berührung hat auf uns Menschen eine enorme Wirkung.» Bereits als Neugeborene lernten wir, uns selbst zu regulieren, also zu beruhigen. «Diese Fähigkeit ist bei einem Kleinkind noch nicht ausgereift. Durch die respektvolle, angemessene Berührung lernt das unreife Nervensystem, sich selbst zu helfen.» Dies gelte auch bei Geräuschen, Gerüchen, Bildern. «Bei allem, was Unruhe vermittelt, braucht ein Kleinkind sofort seine Bezugsperson. Dies ist ein lebenswichtiges, physiologisches Bedürfnis, und dem sollte auch entsprochen werden, damit sich der Lernprozess vollziehen kann.» Dies sei auch bei Erwachsenen nicht anders. Je nach Lebensphase änderten sich die Themen. «Das Wichtigste für eine Heilung ist, dass sich das Nervensystem nach Aufruhr wieder beruhigt. Und dies geschieht vor allem durch Berührung – alles andere bleibt kognitiv. Dann reden und reden wir, doch nichts kommt wirklich an …» 

Konditionierung und Neoplastizität

Immer öfter stelle sie fest, dass es durch Craniosacral-Therapie gelingen könne, dass die Konditionierungen, die gerade auch bei chronischen Krankheiten festgestellt würden – also die im Gehirn gespeicherten Auswirkungen der Krankheit –, erfolgreich aufgelöst werden könnten. «Der neoplastische Ansatz (siehe Box links) interessiert mich sehr. Und ich bin aus Erfahrung überzeugt, dass dieses Zusammenspiel sehr gut helfen wird.» Sie betrachte jede und jeden ihrer Klientinnen und Klienten in der Gesamtheit ihrer oder seiner Lebensgeschichte, Entwicklung und aktuellen Situation, so Antonietta Baccile. «Wie gesagt: Mein Ziel ist es, die Gesundheit der Klienten zu unterstützen und ihre Resilienz nachhaltig zu fördern.» Denn sie verstehe Gesundheit als das Zusammenspiel von körperlicher und psychischer Gesundheit. «Sie zeigt sich in der Fähigkeit, auch in belastenden Lebensphasen den Halt zu bewahren und den Herausforderungen des Lebens mit Selbstvertrauen und Anpassungsfähigkeit zu begegnen.» Sie wünsche sich, «dass meine Klienten das Vertrauen in ihre Körperwahrnehmung und ihre Stabilität stärken und die Ressourcen, die sie in den Behandlungen, Beratungen oder Kursen entwickeln, langfristig in ihren Alltag integrieren können.» Denn: «Mich fasziniert, wie viel Selbstregulation und Anpassungsfähigkeit im Menschen bereits vorhanden sind.» Oft gehe es nicht darum, etwas «zu reparieren», «sondern Bedingungen zu schaffen, in denen diese Fähigkeiten wieder zugänglich werden.» Sonja L. Bauer

Antonietta Baccile ist seit zwanzig Jahren Komplementär-Therapeutin in der Methode Craniosacral-Therapie mit eidgenössischem Diplom, BCST und Cranio Suisse. 

www.craniosacral-belp.ch


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