Staatliche Förderung gesundheitsschädigender Energiegewinnung
Luftverschmutzung ist, dies ist bekannt und wissenschaftlich belegt, für unzählige Krankheiten verantwortlich. So auch für Lungenkrebs und Demenz, vor allem Alzheimer. Mittlerweile ist jeder vierte Mensch, der an Lungenkrebs erkrankt, Nichtraucher, so eine Studie der University of California, veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt. Die Forscher fanden heraus, dass Luftverschmutzung krebserregender ist als Passivrauchen.*
Nicht anders verhält es sich bei der Erkrankung an Demenz. Caleb Finch, Leiter des USC Air Pollution and Brain Disease Research Network, sagt: «Ich zögere nicht zu sagen, dass Luftverschmutzung Demenz verursacht.» Alzheimer sowie Lewy-Body-Demenz werden vermehrt mit Luftverschmutzung in Verbindung gebracht. Studien zeigen, dass Menschen, die in einer Umgebung wohnen, in der die Feinstaubbelastung durch Holzverbrennung lediglich um 1 µg/m3 erhöht ist, ein um 55 Prozent höheres Risiko haben, an Demenz zu erkranken, als Menschen, die nicht in einem Gebiet mit durch Feinstaubpartikel verschmutzter Luft infolge von Holzverbrennung leben. Jene Menschen, die selbst einen Holzofen im Haus haben und in einer Gegend leben, in der es üblich ist, mit Holz zu heizen (Fernwärmeanlagen, Pellets, Schnitzel, Cheminée, Schwedenofen …), hatten im Verlauf der Studie gar eine 74 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Eine andere Studie (www.
nature.com) ergab, dass ältere Frauen, die an Orten wohnen, an denen die Feinstaubbelastung die EPA-Normen (US-Umweltschutzbehörde: Environmental Protection Agency) übersteigt, ein um 81 Prozent erhöhtes Risiko für den kognitiven Abbau im Allgemeinen haben und ein um 92 Prozent erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken.
Hauptursache der Luftverschmutzung
Der mengenmässig grösste Emittent von Feinstaub (PM2,5) im europäischen Raum ist die Holzverbrennung.** Auch in der Schweiz sind Holzfeuerungen die Hauptquelle für Feinstaubemissionen – vor dem gesamten Verkehr (Bundesamt für Umwelt BAFU).
Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz Schweiz (AefU) teilten in ihrer Pressemitteilung vom Dezember 2023 mit: «Holzfeuerungen sind wahre Feinstaubschleudern. Sie leisten 11 Prozent der Wärmeleistung mit 1600 Tonnen Feinstaubemissionen, während Gas und Öl 89 Prozent der Wärmeleistung erzeugen, aber nur 75 Tonnen Feinstaub erzeugen. Damit ist Heizen mit Holz in der Schweiz die mit Abstand grösste Quelle für krebserregende Feinstaubemissionen aus der Verbrennung und widerspricht Gesundheits- und Klimaschutz.»
Gefährlichste Feinstaubquelle
Im Jahr 2022 kamen die Forscherinnen und Forscher des Paul Scherrer Institutes (PSI) zum Schluss, dass die Auswirkungen von Feinstaubpartikeln auf die Gesundheit nicht in erster Linie von der Anzahl, sondern vielmehr von der Quelle der Verschmutzung abhängen. «Auffällig ist, dass die Feinstaubpartikel zwar von Ort zu Ort variieren, die wichtigste Verschmutzungsquelle aber auffällig ähnlich ist: Nämlich das Heizen mit festen Brennstoffen.»
Prof. Dr.-Ing. Achim Dittler, Leiter der Arbeitsgruppe «Gas-Partikel-Systeme» (siehe Interview Seite 3) am Karlsruher Institut für Technologie, forscht zur Gasreinigung und Luftreinhaltung. Er bestätigt die Aussagen: «In der Wissenschaft ist längst klar, welche fatalen Folgen das Verbrennen von Holz für Umwelt, Klima und Gesundheit hat.» Und: «Holzverbrennung setzt im Vergleich zu Gas oder Heizöl, bezogen auf den Energiegehalt, mehr Schadstoffe und Kohlendioxid frei.»
«Da Holz ein natürliches Material ist, ist vielen Menschen nicht bewusst, wie gesundheitsschädlich die Verbrennung von Holz ist», so Gang Chen, Aerosolforscher am PSI. Ende September 2025 wurde am Kongress der European Respiratory Society eine weitere Studie zu den Gefahren durch Holzrauch vorgestellt: Die Verbrennung von Holz zu Hause verursacht schädliche Luftverschmutzung sowohl in Innenräumen als auch im Aussenbereich, inklusive krebserregender Stoffe. Under anderem sind dies Benzo(a)pyrene, Benzol, Formaldehyde, Russ, Feinstaub.
Professorin Ane Johannessen, Leiterin der Expertengruppe, sagt, in Europa sehe man einen wachsenden Trend, Holzheizungssysteme zu installieren, doch diese verursachen Asthma, COPD und Lungenkrebs. Studien (Joel Schwartz, National Library of Medicine) zeigen, dass sich die schädlichen Feinstaubpartikel auch in den Innenräumen der Nachbargebäude absetzen und das Erkrankungs-risiko der Nachbarn erhöhen. Vor den Schadstoffen könne sich niemand schützen – auch nicht mit geschlossenen Fenstern, warnen 53 (!) britische Gesundheitsorganisationen in einem offenen Brief. «Allein ein paar Haushalte können ein ganzes Quartier oder einen Talboden verschmutzen», sagt Dr. Christoph Hüglin, Dozent an der Forschungsanstalt für Luftfremdstoffe/Umwelttechnik (EMPA).
Erkrankungsrisiko durch Holzrauch
Die Erhöhung des Krankheitsrisikos für Lungenkrebs, Brustkrebs und Demenz durch Holzverbrennung wurde, wie die Datenlage zeigt, von zig Forschenden bestätigt. «Holzverbrennung ist eine sehr schmutzige und gefährliche Heiztechnologie», so auch Professor Ingo Hartmann, Leiter des Forschungsschwerpunkts Katalytische Emissionsminderung am Deutschen Biomasseforschungszentrum in Leipzig. Bereits eine geringgradige Erhöhung der Feinstaubbelastung um nur 1-2 µg/m3 erhöhe das Risiko, an Demenz zu erkranken, deutlich (dsawsp, Wissenschaftler aus Harvard). Dies ist erschreckend, wenn man bedenkt, dass der Grenzwert für PM 2,5 in der Schweiz doppelt so hoch festgelegt ist wie von der WHO empfohlen (10 µg/m3 statt 5 µg/m3). Untermauert wird diese Aussage auch durch die neuste Studie, die in Science veröffentlicht wurde (www.science.org/doi/10.1126/science.adu4132.).
Wie gefährlich Feinstaub für die Gesundheit ist, erforscht auch Thomas Berkemeier vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. «Feinstaub wirkt selbst bei relativ geringen Konzentrationen gesundheitsschädigend und als ‹silent killer›», sagt der Chemiker. Er verweist auf eindeutige Belege aus Toxikologie und Epidemiologie, wonach Menschen früher sterben, wenn sie an einem Ort mit höherer Luftverschmutzung leben. In Bezug auf Lungenkrebs kann gesagt werden, dass Menschen, die mehr als 30 Tage im Jahr mit Holz heizen, ein 68 Prozent höheres Risiko haben, zu erkranken.
*Quellennachweis: Studien u.a. Journal of Thoracic Oncology / National Institutes of Health / Science Direct / Lung Cancer
Foun-dation of America / European Society For Medical Oncology / International Association for the Study of Lung Cancer.





