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«Am Schalter kann man nach wie vor mit Münzen bezahlen»

BLS • Unsere Redaktion trat in Kontakt mit Colin Cuvit. Er ist Mediensprecher bei der BLS, der schweizerischen Eisenbahngesellschaft Bern–Lötschberg–Simplon. Die BLS biete Kurse für ältere Menschen an, betont er und weist auf die Reisezentren hin.
| Sonja Laurèle Bauer | Gesellschaft
Reisen wirklich alle, die keine Kreditkarte besitzen, in Begleitung (diese Kinder hier wohl schon), wie es die BLS sagt? (Bild: Sonja L. Bauer)

Im Namen der BLS wolle er festhalten, so Colin Cuvit, Mediensprecher der BLS, «dass in unseren 25 Reisezentren weiterhin mit Bargeld bezahlt werden kann». Es würden allein die Billett-automaten auf bargeldloses Bezahlen umgerüstet. «Wir tun dies, da die Billettautomaten immer weniger genutzt werden. Pro Tag und Automat verkaufen wir noch Billette und Abonnemente für durchschnittlich 250 Franken, zwei Drittel davon werden schon heute bargeldlos bezahlt.» 2025 sei der Umsatz an den Automaten im Vergleich zum Vorjahr um weitere 14 Prozent gesunken. «Wir gehen davon aus, dass diese Entwicklung auch in den nächsten Jahren weiter anhalten wird. Je weniger Billette am Automaten gekauft werden, desto wichtiger wird es, die Automaten kostengünstig zu betreiben. Mit dem Entscheid, künftig auf Bargeld zu verzichten, sparen wir jährlich rund 400 000 Franken und können die Grundversorgung mit Automaten auch bei geringerem Absatz sicherstellen.» 

Herr Cuvit, der Entscheid der BLS, dass an den Billettautomaten nur noch bargeldlos bezahlt werden kann, löste vor einiger Zeit in der Bevölkerung Empörung aus. Wie ist der heutige Stand der Dinge? Und bleibt es bei Ihrem Entgegenkommen in Bezug auf die Bevölkerung allein bei der Prepaidkarte?

Colin Cuvit: Die Erneuerung der bargeldlosen Automaten verläuft plan-gemäss, und die Umstellung wird in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen sein. Wie von Ihnen erwähnt, wurde die Umstellung in den Medien und der Politik durchaus thematisiert. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die allermeisten Kundinnen und Kunden eine Zahlkarte verwenden, beispielsweise ihre Tickets über digitale Kanäle wie das Smartphone lösen. Unsere Fahrgäste kommen mit den neuen Automaten und den angebotenen Bezahlmöglichkeiten gut zurecht.

Bei den Städtischen Verkehrsbetrieben Bern ist das Bezahlen an den Automaten mit Münz nach wie vor möglich. Somit werden alte Menschen, Kinder und Jugendliche und beeinträchtigte Personen nicht ausgeschlossen …

Die von Ihnen erwähnten Kundengruppen reisen häufig in Begleitung, mit Abonnementen oder Vorverkaufsprodukten (Multikarten). Für die Wenigen, die ihr Billett am Automaten kaufen und über keine eigene Kredit- oder Debitkarte verfügen, ist die kostenlose, wiederaufladbare und anonyme Prepaidkarte eine sinnvolle Lösung. Die Prepaidkarte ist an allen öV-Verkaufsstellen sowie in ausgewählten Postfilialen erhältlich. Darüber hinaus bieten wir Interessenten Kurse zur Bedienung der BLS-App an. Dieses Angebot wird insbesondere von älteren Menschen oder Vereinen geschätzt und positiv beurteilt. 

Was bringt, Ihres Erachtens, die kommende Abstimmung über die Bargeld-Initiative, wenn es Firmen und öffentlichen Dienstleistern trotzdem möglich ist, Münzen und Noten abzulehnen?

Diese Frage ist an das Initiativkomitee zu richten. Der Kanton Bern als unser grösster Besteller stützt unser Vorgehen, beispielsweise die Umstellung auf die bargeldlosen Automaten.

Was geschieht bei einem möglichen Stromausfall?

Wir gehen davon aus, dass sich diese Frage nur auf die Stromversorgung oder Störungen an den Automaten bezieht. Im Falle eines Stromausfalls ist kein Billettautomat funktionsfähig, unabhängig davon, ob er Bargeld akzeptiert oder nicht. In solchen Fällen wenden sich Kundinnen bereits heute bei der Kontrolle an unser Zugpersonal, welches die Situation beurteilen und über Kulanz entscheiden kann.

Wie steht es mit der Kundenzufriedenheit? Mir fällt auf, dass sie in der heutigen Zeit allerorts und generell mehr und mehr dem Profit weichen muss? Viele Menschen fühlen sich nur ein «bisschen getröstet», aber nicht mehr ernst genommen, werden nicht selten stattdessen mit Floskeln oder gar per KI-Bots abgetan. So schreiben es uns jedenfalls Leserinnen und Leser. 

Als grösstenteils aus öffentlicher Hand finanziertes Unternehmen sind wir dazu angehalten, mit unseren Mitteln sorgsam und effizient umzugehen. Die Kundenzufriedenheit ist dabei aber zentral. Unsere Auswertungen zeigen, dass die Gesamtzufriedenheit mit unserem Kerngeschäft Bahn seit der ersten Messung im Jahr 2019 kontinuierlich gestiegen ist, und zwar von 8,0 auf sehr gute 8,4 auf einer 10er-Skala.

Geht die BLS noch auf die individuellen Bedürfnisse der älteren Kundschaft ein?

Wir berücksichtigen die Bedürfnisse aller Fahrgastgruppen, weshalb wir für den Billettverkauf auf unsere verschiedenen Verkaufskanäle setzten. In Bezug auf ältere Menschen verweisen wir auf das dichte Netz von 25 BLS-Reisezentren und auf die oben erwähnten Kurse.


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| Sonja Laurèle Bauer | Gesellschaft

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