«Feuerwehr ist keine One-Man-Show»
Wie sind Sie selbst zur Feuerwehr gekommen?
Michael Eberhart: Ich habe 2009 selbst eine Einladung zu einem Rekrutierungsabend bekommen, als ich neu nach Wichtrach gezogen war. Vorher hatte ich nie etwas mit der Feuerwehr zu tun. Ich bin nicht der Typ für den Turn- oder Gesangverein, wollte aber gerne Anschluss finden und bin daher hingegangen. Es hat mich direkt so interessiert, dass ich dabeigeblieben bin. Dann habe ich immer mehr Ausbildungen gemacht und bin nun selbst seit drei Jahren Kommandant.
Was ist für Sie das Schönste am Feuerwehrdienst?
Ganz klar die Kameradschaft, die steht im Vordergrund. Man lernt schnell Leute kennen – das ist eine coole Sache, wenn man irgendwo neu ist. Der Zusammenhalt ist das Wichtigste, und das macht einfach grosse Freude. Und natürlich die Einsätze selbst – jeder Einsatz, der geklappt hat, ist für mich ein guter Einsatz.
Hat man denn neben dem Dienst in der Feuerwehr auch noch Zeit für andere Hobbys? Was machen Sie besonders gerne?
Hobbys müssen immer Platz haben. Ich habe Kinder, Haus und Garten, gehe gern golfen oder Fussball schauen. Andere wiederum sind in einem oder mehreren Vereinen im Ort aktiv – das darf alles nebeneinander existieren und ist sehr wichtig.
Wie schwer fällt es Ihnen, wenn Sie zwischendurch auch mal eine Alarmierung ablehnen müssen?
Gar nicht schwer, denn ich weiss: Meine Leute machen das sehr gut. Feuerwehr ist keine One-Man-Show; der Kommandant ist manchmal sogar der Unwichtigste vor Ort. Es gibt Situationen, da kann ich einfach nicht gehen, zum Beispiel, wenn ich mit den Kindern allein zu Hause bin. Aber klar, oft ist man eben beim Frühstück nicht dabei, oder der Alarm kommt, wenn ich die Kinder ins Bett bringe. Das ist dann eben so und für die Familie kein Problem. In manchen Situationen haben sich die Kinder natürlich auch schon Sorgen gemacht, wenn sie mitbekommen haben, dass ich bei einem gros-sen Brand bin oder Ähnliches. Da ist es dann wichtig, zwischendurch kurz eine Nachricht zu schicken, dass bei mir
alles in Ordnung ist.
Gibt es einen speziellen Einsatz, an den Sie sich erinnern, der Sie bis heute beschäftigt oder belastet?
Ich glaube nicht. Man ist sich ja immer bewusst, dass man mit Dingen konfrontiert werden kann, die nicht schön sind. Wichtig ist, dass man anschliessend zusammenkommt und darüber spricht, was passiert ist. Man nimmt auch Rücksicht aufeinander. Wenn sich jemand zu einem Einsatz nicht in der Lage fühlt, wird bei uns niemand ausgelacht.
Achtet man als Feuerwehrmann im Alltag anders auf Sicherheit?
Wenn ein Brandschutzexperte bei mir zu Hause alles überprüfen würde, fände er sicher Dinge, die nicht hundertprozentig den Richtlinien entsprechen; ich bin da eigentlich eher entspannt. Andererseits achte ich vielleicht auf manche Dinge mehr als andere und bin wachsam. Zum Beispiel habe ich in jedem Raum einen Rauchmelder. Und ein vertrockneter Adventskranz käme mir nicht ins Haus.




