Biberkonzept in der Umsetzung
Der Biber und sein Lebensraum sind streng geschützt. Eingriffe dürfen nur erfolgen, wenn dadurch erhebliche Schäden an Infrastruktur, Landwirtschaft oder Siedlungsraum verhindert werden können. Um das Zusammenleben zwischen Biber und Mensch so konfliktfrei und nachhaltig wie möglich zu gestalten, haben die Stadt Thun sowie die Gemeinden Amsoldingen, Thierachern und Stocken-Höfen in den vergangenen Jahren ein Biberkonzept entwickelt, welches im Frühling 2025 verabschiedet wurde. Erarbeitet wurde es unter Einbezug verschiedener Fachstellen wie etwa Pro Natura, dem kantonalen Jagdinspektorat sowie dem Bauernverband.
Das Konzept sieht unter anderem vor, dass im Zeitraum der kommenden fünf Jahre in den Lebensraum des Bibers eingegriffen werden darf, ohne dass für jede Massnahme eine erneute Bewilligung erfolgen muss. Dies vereinfache den bürokratischen Aufwand ungemein, sagt Stefan Müller, Leiter des Fachbereichs Stadtgrün in Thun. Gleichzeitig seien die Massnahmen nun auch an Bedingungen geknüpft, und es müsse immer wieder aufgezeigt werden, welche nachhaltige Wirkung erbracht werden könne.
Seit Anfang Jahr ist das Biberkonzept nun in Kraft und findet bereits rege Anwendung. Circa fünf Reviere bestehen aktuell im Raum Thun; damit seien gemäss Müller die «begehrtesten» Orte vermutlich bald besetzt. Schwierigkeiten gebe es vor allem bei der Niederlassung von Jungbibern an Orten, die nicht ganz so geeignet seien.
Im Gwatt baut der Nager derzeit sehr strassennah und damit auch in unmittelbarer Nachbarschaft zu Privat-liegenschaften, was zu Problemen führt. «Teilweise braucht es tägliche Einsätze, damit die Strasse nicht geflutet wird», bilanziert Müller die Situation. «Wir regulieren die Dämme immer wieder auf eine gewisse Höhe, damit das Wasser nicht auf die Strasse
gelangt. Der Biber ist allerdings sehr fleissig und baut direkt weiter; das ist für beide Seiten unbefriedigend.» In diesem Bereich laufe aktuell eine Machbarkeitsstudie, wie man sowohl Tier als auch Mensch besser gerecht werden könne.
Gemeinsame Entwicklung im Interesse der Stadt
Der Wasserpegel bereitet im gemeinsamen Habitat die grössten Probleme; angenagten Bäumen hingegen ist leicht vorzubeugen. Das wird in Thun allerdings nicht proaktiv erledigt, sondern erst, wenn Biberspuren auffällig werden. «Dann befestigen wir ein kleines Gitter um die Bäume, damit er nicht weiter nagt. Andere Bäume lassen wir ihm aber auch, wenn sie keine Gefahr darstellen, damit er genug Nahrung findet», führt Müller aus. Grundsätzlich sei das Wichtigste, dass man die Tätigkeit des Tieres nur so weit steuere, dass er sich in seinem Revier wohlfühle und man auch die positiven Effekte wirken lasse. «Aus Sicht der Biodiversität leistet er einen tollen Beitrag», legt Müller weiter dar. «Wir merken, dass es zum Beispiel viel mehr Vögel und Amphibien gibt, wo sich der Biber niederlässt.» Daher sei es im Interesse der Stadt, sozusagen gemeinsam mit ihm etwas zu entwickeln.
Ziel ist, das Biberkonzept nach den derzeit vorgesehenen fünf Jahren zu verlängern, um auch künftig den Lebensraum im positiven Sinne mit dem Biber zu teilen. Eine Steuerungsgruppe kommt jährlich zusammen und prüft den aktuellen Stand, beurteilt Herausforderungen und entscheidet über die nächsten Schritte. Was kommt, ist allerdings nicht leicht vorherzusehen, denn «der Biber ist sehr einfallsreich. Welche Fragestellungen in Zukunft auf uns zukommen, können wir daher im Vorfeld nie genau wissen.»




