Subventionierung Tierproduktion: Ökologisch unsinnig
Geld • Regula Züger ist Dipl. Ing.-Agr. ETH, Mitglied der Betriebsleitung Glück-Hof und des Verwaltungsrats Sativa AG. Sie sagt unter anderem: «Wiederkäuer sind nur auf Grasland sinnvoll, der Futteranbau auf Ackerland ist ein Effizienzverlust.» Sie sagt unter anderem: «Wiederkäuer sind nur auf Grasland sinnvoll, der Futteranbau auf Ackerland ist ein Effizienzverlust.»

Wir subventionieren heute zu oft den Umweg über das Tier statt Produkte für die direkte Ernährung der Bevölkerung. Von 3,6 Milliarden Steuerfranken jährlich für die Landwirtschaft fliessen rund 2,7 Milliarden in die Subventionierung der Tierproduktion. Genau dieser Umweg ist teuer, ineffizient und ökologisch unsinnig – und er steht im Widerspruch zu den Zielen unserer Bundesverfassung und zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die letzte grosse Studie von Agrarforschung Schweiz zeigt, dass nur schon ein Verzicht auf Kraftfutter in der Milchproduktion bei konsequenter Nutzung des Graslandes die Ernährung von rund einer Million zusätzlicher Menschen ermöglichen könnte. Ein zusätzlicher Verzicht auf Futtermais würde nochmals erhebliche Potenziale freisetzen. Das zeigt: Grasland gehört zu den Wiederkäuern, die Produkte des Ackerlands gehören auf den Teller der Bevölkerung – nicht in den Trog.
Hilfe für die Bauern und Bäuerinnen
Solange aber jährlich Milliarden Subventionen für die Bereitstellung tierischer Produkte ausgeschüttet werden, ist es für die Landwirtschaftsbetriebe schwierig, etwas anderes zu produzieren als das, wofür die meisten Subventionen fliessen. Der Selbstversorgungsgrad bei Hülsenfrüchten (12 Prozent), Ölfrüchten (5 Prozent) und Getreide (45 Prozent) ist nicht grundlos so tief in der Schweiz. Fast alles wird importiert. Unsere Landwirtschaftsbetriebe können zu aktuellen Marktpreisen – sowie den Subventionsbenachteiligungen gegenüber tierischen Produkten und fehlendem Grenzschutz – diese Kulturen nicht konkurrenzfähig anbauen. Schweizer Linsen oder Lein oder Bohnen sind dadurch massiv teurer als ausländische und können nicht abgesetzt werden.
Aber nicht nur pflanzliche Produkte, sondern auch rund die Hälfte unseres «Schweizer Fleisches» wird, wenn man es genau nimmt, auf Äckern im Ausland produziert. Denn zusätzlich zu all dem Futter, das auf Schweizer Äckern produziert wird, müssen wir immer noch die Hälfte des benötigten Futters importieren, das heisst jährlich etwa 1,3 Millionen Tonnen zusätzlich für die 16 Millionen Nutztiere, die in der Schweiz leben. Das beschert uns ganz nebenbei auch noch einen riesigen Gülleüberschuss mit allen bekannten ökologischen Problemen sowie regelmässig Tausende von Schweinen, die wir «zu viel» haben, sowie Milchüberschüsse, die mit Steuergeldern wieder «entsorgt», sprich «mit Subventionen verbilligt exportiert» werden müssen.
Staatlich gelenkte Fehlanreize
Es kann nicht sein, dass wir Jahr für Jahr mit öffentlichen Geldern völlig ineffiziente Strukturen stützen: eine Tierproduktion, die wertvolles Ackerland vergeudet, statt damit direkt Menschen zu ernähren; und eine Politik, die bewirkt, dass die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln auf den Ackerflächen in der Schweiz immer noch kaum kostendeckend ist. Die Wissenschaft zeigt klar:
- Die Produkte des Ackerlands gehören auf den Teller, nicht in den Trog.
- Wiederkäuer sind nur auf Grasland sinnvoll, der Futteranbau auf Ackerland ist ein Effizienzverlust.
- Mehr Selbstversorgung ist mit weniger Umweltbelastung möglich, wenn wir endlich die staatlich gelenkten Fehlanreize abbauen. Die Initiative will also nicht eine Landwirtschaft nur für Veganer oder ohne Tiere, wie die Gegner gern behaupten, sondern eine mit klarem Flächensinn. Grasland für Wiederkäuer, Ackerland für pflanzliche Nahrungsmittel – das ist ökonomisch vernünftig, ökologisch besser und für eine wirkliche Selbstversorgung der Schweiz ein Muss – und übrigens mit tieferen Kosten für die gesamte Gesellschaft.






