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Nikolina Pinko, das Orchester Camerata Zagreb und der Belper Chor

Story in Concert • Mathias Behrends ist Opernregisseur, leitet das Schweizer Opernstudio der Hochschule der Künste Bern. Zudem leitet er den Belper Chor und verwirklicht moderne Chor-Projekte. 2015 gründete er das Ensemble «Camerata Zagreb» (Instrumentalisten sowie Sängerinnen und Sänger umfassend) und realisiert in Zusammenarbeit mit diesem Ensemble und dem Belper Chor verschiedene Konzerte, deren roten Faden eine Geschichte bildet.

| Sonja Laurèle Bauer | Kultur
Viele träumen davon, Musik, Gesang oder Tanz zum Beruf zu machen. Vielen gelingt es durch Freude, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. (Bild: Adrian Hauser)

Herr Behrends, wie darf man sich das Konzept zu «Story in Concert» vorstellen?

Mathias Behrends: «Story in Concert» verbindet Musik direkt mit einer Geschichte. Die Idee dahinter ist, dass die Geschichte unsere verschiedenen Lieder, Songs, Chansons, Popstücke wie auch klassisches Repertoire miteinander spannend und logisch zusammenfügt. Es folgt also nicht (ruckartig) Lied auf Lied, sondern die Geschichte gestaltet und bestimmt die Reihenfolge und Übergänge. Eine inhaltliche wie musikalische Dramaturgie, ein roter Faden entstehen und ein vielfältiger dynamischer Bogen spannt sich über alles hinweg. Das ist interessant für die Konzertbesucherinnen und -besucher wie auch für den Chor und alle Beteiligten selbst. Jede Phrase, jeder Klang, jeder Ton ist in diese Dramaturgie eingebettet. Auch ich selbst höre im Konzert der Geschichte – die ich ja im Grunde schon auswendig kenne – konzentriert zu, stimme mich innerlich auf die dann jeweils folgenden Musikwerke ein.

Was ist der rote Faden?

Diesmal wird der rote Faden die französische Hauptstadt Paris sein – die Stadt der Liebe, der Träume, der Kunst und Kultur. Kurz: ein Sehnsuchtsort. Das stellt uns vor interessante Aufgaben und Herausforderungen, denn neben ganz unterschiedlichem Repertoire werden nun auch französische Chansons (Edith Piaf) und französische Musik verstärkt auf uns zukommen.

Ist es herausfordernd, eine Geschichte in ein Konzert einzubinden?

Nein, es ist interessant, sinnvoll und gibt der Fantasie Raum. Immer wieder können die Konzertbesucher den Episoden lauschen und dabei die Musik innerlich nachklingen lassen. Und verschiedene Ereignisse in der Geschichte machen gespannt auf die nachfolgenden Lieder. Es bleibt Raum zum Atmen und zum schrittweisen «Umschalten». Auch der Chor und die Musizierenden können einen Höhepunkt ausklingen lassen und nicht sofort in eine neue Passage hineingehen oder hineinspringen, sondern alle folgen gemeinsam einer weiteren Episode der Geschichte. Wichtig ist aber ein guter, dynamischer Aufbau insgesamt.

Warum funktioniert dies? Wo liegt das Geheimnis?

Schön, es ein Geheimnis zu nennen! Es liegt darin, dass diese Dramaturgie verschiedene musikalische «Temperaturen», musikalische Stile und Tempi, verschiedene Sprachen und Klangwelten abwechslungsreich nebeneinanderstellt. Es sind verschiedene musikalische Stile, die nacheinander erklingen, nicht eine immer gleichbleibende Richtung. Und dennoch bleibt alles miteinander verbunden. Und folgt einer inneren Logik und inneren Uhr. Denn auch das Timing ist wichtig und wird von uns in der Konzeption berücksichtigt. Die Geschichte funktioniert dabei wie ein fein abgestimmtes Hörspiel, wurde im Tonstudio aufgenommen und dynamisch mit den Sprecherinnen oder Sprechern inszeniert. Es ist genau festgelegt, welcher Satz, welche Episode nach dem Schlussklang eines Liedes folgt und wie nun eine Spannung zum nächsten Song aufgebaut und sprachlich gestaltet werden kann. Unsere Sprecher tragen wesentlich zum Gelingen des Ganzen bei.

Welche Stile und Genres werden verbunden und wie weiterentwickelt, damit es funktioniert?

Das ist jedes Mal anders. Wir haben verschiedene Songs, Chansons, Titel aus dem Pop-Repertoire und klassische Musik ausgewählt. Auch Musical und Oper sind vertreten. Manchmal werden Eckpunkte vordefiniert – unbedingt sollte dies oder jenes dabei sein, wie zum Beispiel eine Ballade von Udo Jürgens, ein Chanson von Edith Piaf oder ein Song von Lara Fabian –, manchmal ergibt sich das eine aber aus dem anderen. Es ist auch eine Entdeckungsreise, wie sich das Programm nach und nach zusammenfügt. Übrigens kann daher keine Gesamtpartitur vorgefertigt werden, sondern ich erhalte nach und nach von Prof. Wieland Reissmann, der in einer sehr bewährten Zusammenarbeit alle Stücke ganz ausgezeichnet für uns arrangiert, den Chor und die Musikerinnen und Musiker, die einzelnen Notenpakete.

Worin liegt die Attraktivität dieses Projekts?

Insgesamt führt das Projekt den Belper Chor mit spannenden Musikerinnen und Musikern und Sängerinnen und Sängern sowie dem Orchester Camerata Zagreb zusammen. Und insbesondere mit der wundervollen und aussergewöhnlichen Solistin Nikolina Pinko. Und mit Wieland Reissmann und seinen Arrangements. Durch hervorragende Konzertorte, in denen wir bis anhin musizieren konnten, kann das Publikum inspirierende Konzerte erleben und namentlich der Chor über sich hinauswachsen. Daher freuen wir uns auf die erneuten Konzerte im kommenden September in der Konzerthalle Yehudi-Menuhin-Forum in Bern. Und erinnern uns mit Begeisterung an Konzerte in der architektonisch einmaligen Kreuzkirche in Zürich, im wunderschönen Rector’s Palace in Dubrovnik, in der stattlichen Festung Kamerlengo in Trogir während des Festivals «Opera Selecta», in der kroatischen Hauptstadt Zagreb und in der ehemaligen Hauptstadt VaraŽdin. Das Erlebnis von Musik und Geschichten in solchen besonderen Atmosphären ist wirklich bereichernd für alle Beteiligten. Übrigens haben wir unsere verschiedenen Geschichten auf diese Weise schon in Deutsch, Kroatisch und Englisch aufgenommen und je nach Konzertort und -situation eingesetzt. Auch das ist sehr aufregend.

Im Konzert gibt es Notationen, die es noch gar nicht gibt …?

Gemeint sind sicherlich Songs, Werke und Arien, die als Stücke von Solisten vorliegen und erst durch uns in eine Chorfassung transformiert werden. Darin ist Wieland Reissmann sehr geschickt und findet klangschöne wie überraschende Lösungen, den Chor zu integrieren und ein Chorstück zu -schaffen.

Was braucht es für die Arrangements?

In erster Linie unseren Arrangeur Wieland Reissmann, der auch für Sinfonieorchester, Jazz und Pop und für Konzerte von Jonas Kaufmann Arrangements anfertigt. Dann den vertrauensvollen Austausch zwischen uns und ihm: Er weiss, wie er am besten für den Belper Chor schreibt, verfolgt in den Konzerten die Realisation und die Weiterentwicklung des Chores. Und es braucht das Orchester Camerata Zagreb sowie gleichzeitig gemeinsame Ideen, welche Instrumente eingesetzt werden. Das kann unterschiedlich ausfallen. Und insbesondere unsere aussergewöhnliche Solistin Nikolina Pinko.

Geschichte und Songs folgen einer Dynamik. Welcher?

Die jeweilige Geschichte zeichnet eine Richtung vor: Zum Beispiel eine Reise aus der Schweiz an die wunderschöne dalmatinische Küste bezüglich einer unklaren Erbangelegenheit, die sich dann – nach Tiefpunkten – überraschend romantisch gestaltet. Oder wir treffen auf Menschen und Situationen in einem Dorf in der Toskana, die mit einem Wasserproblem kämpfen müssen und nur gemeinsam eine Lösung finden können. Die Geschichte ist aber gleichzeitig aus der Musik, aus den Liedern und Songs heraus angeregt. Über die neue Geschichte wird vorab nicht viel verraten, ausser – wie oben erwähnt –, dass diesmal Paris im Zentrum stehen wird.

Sie haben verschiedene Stimmen und Instrumente – wie werden sie verbunden, damit das Projekt spannend und abwechslungsreich wird?

An unserem neuen Programm werden 16 Instrumentalistinnen und Instrumentalisten beteiligt sein, der vierstimmige Belper Chor und die mitreissende Solistin Nikolina Pinko. Die Dynamik berücksichtigt heisse Rhythmen, textbetonte Unisono-Passagen des Chores, ruhige nachdenkliche Passagen, stimmungsvolle solistische Stücke.

Wie finden sich dafür die «richtigen» Personen und Möglichkeiten?

Hier sind vielfältige Kontakte wichtig, die wir über Jahre hinweg zu den Musikern und Sängern aus der Schweiz und Kroatien geknüpft und aufgebaut haben. Ich habe 2015 die Camerata Zagreb als Plattform dafür gegründet und immer wieder konnten wir mit ausgezeichneten Orchestermusikern – etwa aus dem Sinfonieorchester Dubrovnik, dem Orchester der Staatsoper Zagreb – und mit Solistinnen und Solisten zusammenwirken. Auch mit ausgezeichneten Studierenden – wie gesagt aus der Schweiz, aus Kroatien und darüber hinaus. Wieland Reissmann selbst ist zum Beispiel in Deutschland tätig und kommt immer wieder an eines unserer Konzerte.

Der Präsident des Berner Kantonalgesangverbands, Christof Ramseier, der auch die Schweizerische Chorvereinigung präsidiert, schreibt die Geschichte und sucht die passenden Lieder dazu aus. Wie darf man sich als Laie das Zusammenspiel (im Wortsinn) vorstellen? 

Da kommt das erwähnte Timing zum Tragen. Eine instrumentale Introduk-tion stimmt in das Konzert ein und auch nach der Pause starten wir mit einem musikalischen Intermezzo. Alle 16 Songs müssen geordnet werden, nicht immer soll eine Episode der Geschichte dazwischenliegen – es soll abwechslungsreich bleiben. Christof Ramseier setzt sich mit grösstem Engagement für dieses Projekt, für die Songs und Lieder und für den Belper Chor insgesamt ein. Alle Songs werden Wieland Reissmann zugeschickt und durch ihn entstehen die Chorfassungen inklusive der Arrangements für die Instrumente. Er schreibt, schreibt, schreibt. Erst im Anschluss an diesen Prozess und mit dem zurückgeschickten, nun umfassenden Notenmaterial heisst es nach und nach einstudieren, üben und in allem Schritt für Schritt sicher werden: in den musikalischen Phrasen, in den Texten, in der musikalischen Gestaltung und im Chorklang wie im Klangbild insgesamt.

Tickets für die «Story in Concert» mit dem Belper Chor, dem Orchestra Camerata Zagreb und der Sopranistin Nikolina Pinko von Mittwoch, 23. September, Freitag, 25. September, und Sonntag, 27. September, können Sie unter www.belperchor.ch oder Telefon  031 720 60 05 bestellen.


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