Wird der nächste «Stapi» eine Frau?
Thun • Nach der Ankündigung von Raphael Lanz, nächstes Jahr nicht mehr fürs Stadtpräsidium zu kandidieren, dreht sich das Kandidatenkarussell. Kandidieren wollen bisher die Gemeinder.tinnen Eveline Salzmann (SVP), Andrea de Meuron (Grüne) und Katharina Ali-Oesch (SP).
Thuns Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) kündigte am 29. November seinen Rücktritt an, oder genauer: dass er nächstes Jahr nicht mehr zur Wiederwahl antreten wolle. «Auch nach bald 15 Jahren als Stadtpräsident bin ich noch nicht amtsmüde und setze mich mit dem gleichen Herzblut für die Stadt Thun und unsere Bevölkerung ein, wie an meinem ersten Arbeitstag», gab er in einer Mitteilung zu Protokoll. Dennoch habe er sich entschieden, im November 2026 nicht mehr zur Wiederwahl als Stadtpräsident anzutreten. Mit zu diesem Entscheid beigetragen hat sicherlich auch, dass er nächstes Jahr als Regierungsrat des Kantons Bern kandidiert, obwohl er sagte, er sei unabhängig vom Ausgang der Regierungsratswahlen zum Schluss gekommen, dass er nach vier Legislaturen bereit sei für eine berufliche Veränderung. Einen Plan B hat er keinen, wie er im Interview mit dieser Zeitung bekräftigte. Das heisst: Dieser Mann meint es ernst mit seiner Kandidatur. Dabei helfen werden ihm sicher verschiedene Verdienste zugunsten der Stadt Thun, die über die Parteigrenzen hinaus unbestritten sind. In seine Amtszeit als Thuner Stadtpräsident fallen beispielsweise die Realisierung des Schlossberg- Parkhauses, die Verabschiedung der Ortsplanungsrevision (OPR), diverse Arealentwicklungen, die Weiterentwicklung der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketings sowie die Zunahme der Steuerkraft und die Steuersenkung. Zudem hat er es geschafft, in Thun eine politische Kultur zu entwickeln, die sehr kollegial zu sein scheint und nicht auf Polarisierungen und parteipolitischen Grabenkämpfen beruht. «Die Thuner Politik ist weniger ideologisch aufgeladen als in anderen Städten », sagt er auf Anfrage. Auch dank Veranstaltungen wie dem Ironman Switzerland, dem Thuner Wasserzauber, der UEFA Women’s Euro 2025 und dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2028 hat Thun wirtschaftlich und gesellschaftlich an Ausstrahlungskraft gewonnen. Der Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbandes hat im August zudem entschieden, das neue Verbandszentrum .Swiss Football Home. in Thun zu installieren. So wird Thun auch ins Interesse der Sportwelt rücken.
Ein halbes Jahr Amtszeit
Sein Nichtantreten zur Wiederwahl hat Raphael Lanz ein Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen vom 29. November 2026 bekannt gegeben. Die Wahlen für den Grossen Rat und den Regierungsrat finden am 29. März 2026 statt. Im Falle einer Wahl in den Regierungsrat wird Raphael Lanz per Ende Mai 2026 als Stadtpräsident und als Mitglied des Gemeinderats zurücktreten, also gut ein halbes Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen. Daher hat der Gemeinderat der Stadt Thun vorsorglich einen Wahltermin für die Ersatzwahlen festgelegt. Diese finden am 14. Juni 2026 statt, mit einer Amtsdauer bis zum 31. Dezember 2026. Die Person, die ins Präsidium gewählt wird, kann ein halbes Jahr später also gleich nochmals zur Wahl antreten. Die Wahlvorschläge müssen bis spätestens am Dienstag, 7. April 2026 eingereicht werden. Ein allfälliger zweiter Wahlgang findet am 5. Juli 2026 statt.
«Aus voller Überzeugung»
Doch so lange warten auf die Kandidaturen muss man nicht. Das Kandidatinnenkarussell ist bereits am Rotieren. So haben bereits die amtierenden Gemeinderätinnen Eveline Salzmann (SVP), Andrea de Meuron (Grüne) und Katharina Ali-Oesch ihr Interesse am Stadtpräsidium bekannt gegeben. Am schnellsten war Eveline Salzmann, Parteikollegin von Raphael Lanz. Bereits zwei Tage nach dessen Ankündigung wurde sie von der SVP, der FDP und «Die Mitte». als Kandidatin für das Stadtpräsidium nominiert. Peter Aegerter, Stadtrat, Fraktionspräsident und Wahlleiter 2026 der SVP Thun, sagt in einer Mitteilung dazu: «Es war absehbar, dass es mit Blick auf die Thuner Gemeindewahlen im nächsten Jahr verschiedene Szenarien geben kann. Dementsprechend haben wir uns früh aufgestellt, Anfang Jahr die Wahlleitung personell konstituiert und uns an die Arbeit gemacht.» Eveline Salzmann ihrerseits schätzt sich glücklich, bereits jetzt von «Die Mitte» und FDP zugesicherte Unterstützung zu erhalten und freut sich auf das nächste Jahr. «Ich kandidiere für das Amt als Stadtpräsidentin aus voller Überzeugung, habe mir das gut überlegt und bin bereit, dieses Amt anzutreten», so die 51-jährige Juristin. «Ich setze wie bei meiner bisherigen Tätigkeit als Vorsteherin Sicherheit und Soziales auf Vertrauen, Qualität und Vorwärtsstrategie.» Das Nachsehen hat Reto Schertenleib, ebenfalls Thuner Gemeinderat der SVP, der sich eine Kandidatur offenbar überlegte. Seinen Entscheid, auf eine Kandidatur zu verzichten, begründete er mit den Worten: «Ich übe das Amt des Bauvorstehers mit Leidenschaft aus und will das auch in der kommenden Legislatur tun.»
«Ideale Voraussetzungen»
Auch die Grünen haben nicht lange gezögert. Am 3. Dezember wurde Andrea de Meuron als Kandidatin für das Stadtpräsidium nominiert. Die Grünen Thun zeigen sich erfreut, dass die Gemeinderätin bereit ist, für die Nachfolge von Raphael Lanz zu kandidieren. Andrea de Meuron bringe für das Amt der Stadtpräsidentin ideale Voraussetzungen mit. Sie vereine langjährige Exekutiverfahrung als Gemeinderätin der Stadt Thun mit einem erfolgreichen Engagement als Grossrätin. Die Partei erinnert daran, dass sie bei den Gemeindewahlen 2022 das zweitbeste Resultat erzielt hat. Damals trat sie auch gegen Raphael Lanz für das Stadtpräsidium an, doch es reichte nicht. Raphael Lanz erhielt 68,5 Prozent der Stimmen, Andrea de Meuron 29,6 Prozent. Sie ist seit 2018 Teil der Stadtregierung von Thun und hat gemäss den Grünen als Vorsteherin der Direktion Finanzen, Ressourcen und Umwelt einen grossen Leistungsausweis. Sie stehe für einen offenen Dialog, für lösungsorientiertes Verhandeln und für einen respektvollen Umgang über Parteigrenzen hinweg. Ihr bewusster Verzicht auf eine mögliche Regierungsratskandidatur unterstreiche ihre starke Verbundenheit mit Thun. Gemeinsam mit der Bevölkerung, mit Vereinen, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft wolle Andrea de Meuron ihr Engagement für eine attraktive und zukunftsoffene Stadt Thun weiterführen und die Partnerschaft mit den umliegenden Gemeinden und dem Kanton pflegen. «Mein Ziel ist es, Thun als gesellschaftlich verantwortliche, wirtschaftlich erfolgreiche und nachhaltige Stadt weiterzubringen «, so Andrea de Meuron.
«Ein naheliegender Schritt»
Bleibt noch die SP. Diese wird am 6. Januar über eine definitive Nomination entscheiden, doch der Vorstand der SP Thun empfiehlt die amtierende Gemeinderätin Katharina Ali-Oesch als Kandidatin für das Stadtpräsidium. Sie ist seit Januar 2022 Vizestadtpräsidentin und Vorsteherin der Direktion Bildung Sport Kultur. Seite Juni 2022 sitzt sie zudem im Grossen Rat. «Ich bin seit drei Jahren Vizepräsidentin der Stadt Thun, da ist eine Kandidatur für das Stadtpräsidium ein naheliegender Schritt», sagt sie auf Anfrage. Als Gemeinderätin und Vorsteherin der Direktion Bildung Sport Kultur trage sie gerne Verantwortung. Zudem sei sie als Grossrätin auch in der kantonalen Politik über die Parteigrenzen hinaus gut vernetzt, was für ihre Arbeit in der Stadt Thun viele M.glichkeiten eröffne. «Ich bin bodenständig, engagiert und zugänglich für die vielfältigen Anliegen der Menschen», so Katharina Ali-Oesch weiter. «Seit 2016 setze ich mich aktiv für Veränderungen in der Stadt Thun ein – zuerst als Stadträtin, jetzt als Gemeinderätin. Ich bin überzeugt, Thun kann sich sozial und ökologisch weiterentwickeln und gleichzeitig wirtschaftlich vorwärtskommen.» Bis im April können noch weitere Wahlvorschläge eingereicht werden, doch gemäss heutigem Stand ist es sehr wahrscheinlich, dass der nächste Stapi von Thun eine Frau sein wird.